Tierheim Märkisch Buchholz: Schildkröte gefunden – wieso sie für Probleme sorgt

Dass Tierpflegerin Nancy Seifert sie Erna tauft, beeindruckt die Gelbwangen-Schmuckschildkröte im Tierheim Märkisch Buchholz nicht besonders. Sie zieht Kopf und Gliedmaßen ein und wartet, bis die Menschen wieder weg sind.
Jens Olbrich- Im Tierheim Märkisch Buchholz wurde eine invasive Gelbwangen-Schmuckschildkröte gefunden.
- Diese Art bedroht heimische Tiere wie die Europäische Sumpfschildkröte und Amphibien.
- Seit 2016 sind Handel, Besitz und Aussetzen dieser Schildkröten in der EU verboten.
- Es gibt keine Hinweise auf Fortpflanzung in Brandenburg, aber Klimaerwärmung könnte dies ändern.
- Vermittlungen sind nur mit Ausnahmegenehmigung möglich, um Tötungen zu vermeiden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nancy Seifert überlegt kurz, wie sie erklären soll, dass sie nicht viel über die am 5. Juli im Tierheim Märkisch Buchholz abgelieferte Wasserschildkröte zu erzählen hat. „Das Tier hat noch nicht einmal einen Namen bekommen“, meint sie.
Ihre erste Entscheidung, die Gelbwangen-Schmuckschildkröte kurzerhand Erna zu taufen, begründet die Tierpflegerin des Tierheims damit, dass sich nicht einmal wüsste, ob es ein Männchen, ein Schildkrötenbock, oder ein Weibchen sei. „Und irgendwie sieht sie aus wie eine Erna“, schließt Nancy Seifert das Thema Namensgebung kurzerhand ab.
Invasive Fleischfresser-Art bedroht Sumpfschildkröten
Die zweite Entscheidung, die frisch getaufte Gelbwangen-Schmuckschildkröte überhaupt vorzustellen, begründe die Tierpflegerin damit, darauf aufmerksam zu machen, dass in freier Wildbahn inzwischen sehr viele solche Ernas gebe. Auf einen Wildfang weise sowohl der stark mit Algen bewachsene Rückenpanzer der Gelbwangen-Schmuckschildkröte hin, als auch dass sie an einer Esso-Tankstelle in Schönefeld von der Polizei aufgelesen und nach Märkisch Buchholz gebracht wurde.
„Das Problem ist, sie wohnen mittlerweile hier, werden heimisch“, meint Nancy Seifert. Und das sei ein Problem. Eine invasive Fleischfresser-Art, die hier in den Tümpeln und See überlebe. Das Tierheim bekomme jährlich mindestens 1 bis 2 Wasserschildkröten. Gerade nach der Winterruhe, wenn diese sich ausgebuddelt hätten und noch nicht richtig mobil seien. Eine Vermittlung sei nicht so leicht wie etwa bei Landschildkröten, die seltener ins Tierheim kämen.

Gelbwangen-Schmuckschildkröte Erna spürt sehr genau, was um sie herum vor sich geht. Ein Portrait gewährt sie nicht, harrt lieber der Dinge, die da kommen.
Jens OlbrichDass eine Vermittlung nicht nur nicht so leicht, sondern sogar eine Ordnungswidrigkeit darstellt, bestätigt derweil auf Anfrage Thomas Frey aus der Pressestelle des Landesamtes für Umwelt (LfU). Seit 2016 sei der Handel von Buchstaben-Schmuckschildkröten verboten, schreibt Thomas Frey. Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte ist eine von 14 Unterarten dieser Neuwelt-Sumpfschildkröten, wozu unter anderem auch die Rotwangen-Schmuckschildkröte gehört.
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Neuwelt-Sumpfschildkröten auf EU-Liste für invasive Arten
Für die auf der Liste für invasiven Arten der EU-Verordnung über Buchstaben-Schmuckschildkröten stehenden Tiere sei nicht nur der Handel eine Ordnungswidrigkeit, sondern auch der Besitz und das Ausbringen. Zuwiderhandlungen können Frey zufolge mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro belegt werden. Haltungen dieser Arten, die bereits vor dem 3. August 2016 bestanden, dürfen fortgeführt werden, solange die Tiere ausbruchsicher untergebracht seien und keine Vermehrung zugelassen würde.
Dabei gehe es um den Schutz der einheimischen Reptilien, besonders der streng geschützten Europäischen Sumpfschildkröte, zu der die Buchstaben-Schmuckschildkröte in direkter Konkurrenz stünde. „Zudem übt die Art eine starke Prädation (tödliches Räubern) auf Amphibienlaich aus und kann Krankheiten, unter anderem auf heimische Amphibienarten, übertragen“, beschreibt der LfU-Pressesprecher die Gefahr für die heimische Fauna durch invasive Neuwelt-Sumpfschildkröten.

Auch zurück in ihrem ausbruchssicheren Pool verlässt Erna nicht sofort ihre Deckung. Sie wartet als ausgebildete Jägerin auf den richtigen Augenblick, dann verschwindet sie unter Wasser.
Jens OlbrichBis jetzt keine Fortpflanzung ausgesetzter Schmuckschildkröten
Auf einer Karte des LfU sind alle Funde von Buchstaben-Schmuckschildkröten in den letzten sechs Jahren in Brandenburg markiert. 27 rote Punkte, im südlich an Berlin grenzenden Bereich Brandenburgs ist eine starke Häufung zu erkennen, eine Dunkelziffer ist zu vermuten. Von einer Fortpflanzung der Tiere in Brandenburg geht man im Artenkompetenzzentrum für Reptilien des LfU aufgrund der kälteren Winter nicht aus.
„Für Südwest-Deutschland ist inzwischen eindeutig belegt, dass sich Buchstaben-Schmuckschildkröten auch hierzulande in freier Natur fortpflanzen“, bestätigt Thomas Frey. Das könne sich bei einer weiteren Klimaerwärmung auch in Brandenburg ergeben.
Und was geschieht nun mit Erna, die momentan ordnungsrechtlich nicht vermittelbar in einem Pool mit kleiner Insel im Tierheim auf ihr weiteres Schicksal harrt. Zunächst sei es sinnvoll gewesen, ein Fundtier dieser Art zunächst einmal aus der freien Natur zu entnehmen, bestätigt Frey. Jetzt müsse das Tierheim Märkisch-Buchholz allerdings Kontakt zum LfU aufnehmen. Eine Vermittlung, die das Umweltministerium für die vielen Fundtiere dieser Art ausnahmsweise genehmigen würde, „um die ansonsten notwendige Tötung der Exemplare zu vermeiden“, dürfe nur an vom LfU genehmigte Haltungen dieser Art erfolgen.



