Tourismus: Fährmänner und Fährfrauen für die Spree in Beeskow gesucht

"Der Kietzer" - so heißt der Spreewaldkahn in Beeskow. Auch im kommenden Jahr soll es die stillen Bootstouren wieder geben. Dafür werden Fährleute gesucht.
Frank KühlSpreewald oder Beeskow? Wer eine ruhige und langsame Bootsfahrt erleben, dabei Reiher, Biber oder Eisvogel beobachten will, sollte sich für die Oder-Spree-Kreisstadt entscheiden. Denn wie im Spreewald kann man sich im langen, schlanken Kahn über das Wasser fahren lassen. Seit 2005 gibt es in Beeskow den Kietzer, einen Spreewaldkahn, den sich die Stadt hat bauen lassen, um den Tourismus auf dem Wasser anzukurbeln.
Anders als in Schlepzig, Lübben oder Lehde leben die Fährmänner in Beeskow aber nicht von der Arbeit mit dem Rudel, der über vier Meter langen Stange, mit der die Kähne gesteuert und durch Abstoßen vom Grund des Flusses fortbewegt werden. Hier machen sie das im Ehrenamt.
Auch der Kämmerer greift zum Rudel
Und deshalb ist es von Jahr zu Jahr eine neue Herausforderung, die Fahrten mit dem Kietzer anbieten zu können. „In diesem Jahr mussten wir vielen Interessenten absagen“, bekennt Stadtkämmerer Steffen Schulze, der selbst regelmäßig zum Rudel greift und in diesem Jahr beispielsweise bei einer der Glühweinfahrten der Fährmann war. Die meisten Fahrten würden verständlicherweise am Wochenende gewünscht, an Tagen, an denen die Beeskower Fährleute gern auch Zeit mit der eigenen Familie verbringen würden. Im Moment sind sie nur zu viert im Team, da ist dann nicht so viel möglich. 30 Touren waren es in diesem Jahr.

Innerhalb weniger Minuten ist man auf der Spree raus aus der Stadt und mitten in der Natur.
Frank KühlSchulze würde sich freuen, wenn weitere Männer oder auch Frauen zum Team stoßen. 18 Jahre muss man alt sein, und körperlich fit. Vielmehr braucht es erst einmal nicht. Es wäre zwar schön, wenn die Interessenten bereits einen Sportbootführerschein hätten, aber wenn nicht, würde auch ein solcher Kurs organisiert und von der Stadt bezahlt werden. Außerdem gibt es Unterricht in Stadtgeschichte und eben im Umgang mit der langen Holzstange, dem Rudel. Erst wenn sich die neuen Fährleute dabei sicher fühlen, sollen sie mit Fahrgästen auf Tour gehen.
Ein Elektromotor leistet Unterstützung
Ist das nicht auch körperlich schwere Arbeit? Nein, sagt Schulze, der Kahn gleite leicht dahin. Auch die Strömung merke man nicht, die Spree sei ja fast schon ein stehendes Gewässer. Und zudem gebe es immer technische Hilfe. An Bord des Kietzers ist ein Motor. Ein kleiner Elektromotor, der auch zum Einsatz kommt, wenn besonders tiefe Stellen im Fluss überwunden werden müssen.
In den vergangenen Jahren hat die Verantwortlichkeit für die Fahrten mit dem Kietzer in Beeskow immer wieder gewechselt. Grund waren die komplizierten rechtlichen Regelungen. Die Anforderungen der Personenschifffahrt kann ein Spreewaldkahn nicht erfüllen. Das gilt für die Zahl der mitgeführten Rettungsmittel ebenso wie für das Vorhalten von Toiletten. Deshalb gibt es für Spreewaldkähne Sonderregelungen. Die aber wieder gelten nur im Spreewald selbst. Deshalb können kommerzielle Fahrten nicht angeboten werden.
Kahn hat Platz für 25 Gäste
Nun aber will es die Stadt noch einmal selbst in die Hand nehmen. Ein Grund ist das große Interesse, was sich nicht nur durch die Vielzahl der nachgefragten Privatfahrten, sondern auch bei den Teilnehmerzahlen bei den Glühweinfahrten und den Touren zum Muttertag gezeigt hat.
Platz ist auf dem Kietzer für bis zu 25 Gäste. Eine einstündige Tour kostet 150 Euro, für zwei Stunden Kahntour auf der Spree muss man 200 Euro berappen. Zu bedenken sei, so Schulze, dass der Fährmann neben der reinen Fahrt auch noch erhebliche Zeit aufwenden muss, um den Kahn vorzubereiten und am Ende wieder ordentlich zu sichern. Für ihren Aufwand erhalten die ehrenamtlichen Fährleute dann auch einen Teil des Geldes als Entschädigung. Aber auch in das Boot und auch den Steg, der Kietzer liegt am Boootshaus (drei o sind richtig) auf dem Kietz. Dort ist auch der reguläre Start der Touren. Zusteigen und auch aussteigen kann man aber auch anderswo. „Ich habe auch schon Leute gestakt, die bei einer großen Familienfeier im Spreepark etwas Abwechslung gesucht haben“, erklärt Steffen Schulze.
So wird man Fährmann
Wer das Team der Fährleute, die mit dem Kietzer in Beeskow unterwegs sind, unterstützen möchte, kann sich in der Stadtinfo telefonisch unter 03366 42250 melden. Geöffnet ist die Stadtinfo montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr, außerdem sonnabends von 9 bis 12 Uhr. In der Stadtinfo können auch die Fahrten mit dem Kietzer gebucht werden. Obwohl theoretisch immer Fahrten möglich sind, solange kein Eis auf der Spree ist, geht der Kietzer jetzt erst einmal in die Winterpause und wird dafür aus der Spree gehoben.



