Tourismus in Oder-Spree: Campingplätze kämpfen erst gegen Corona-Aus, jetzt mit Besucher-Ansturm
Die besten Plätze auf der kleinen Landzunge am Schiwelochsee sind belegt. Viele Wohnwagen hier tragen Kennzeichen sächsischer Landkreise. Dazwischen spaziert eine junge Familie aus Dresden, die den kleinen Campingplatz „Am Birkenwäldchen“ im Trebatscher Ortsteil Sawall erst im vorigen Jahr für sich entdeckt hat. Janine und David sind wiedergekommen, mieten einen Wagen und erkunden zehn Tage lang per Rad und Faltboot die Region. Ihre zweieinhalbjährige Tochter Wilhelmine erforscht mit dem Laufrad das Gelände. Sie genießen die Idylle unter der Woche. Denn wochenends ist es wieder voll auf dem kleinen, unparzellierten Platz.
Dank den Dauercampern
Seit Corona hat Thomas Scholtke Arbeitszeiten eingeführt. Der 42-Jährige hat vor sechs Jahren die Leitung des Platzes von seiner Mutter übernommen, weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem Zimmererberuf arbeiten kann. Er sieht der aktuellen Saison positiv entgegen, denn er hat viel mehr Gäste als in den Jahren zuvor. Um Pfingsten fand er täglich bis zu 50 neue Anfragen in seinem Postfach: „Das ist der Wahnsinn! Was ich eingebüßt habe, hole ich dieses Jahr bestimmt wieder raus.“ Dafür sorgen auch die Dauercamper, die die meisten Standplätze besetzen. Ihre Jahrespacht deckte immerhin die Betriebskosten für die zwei Schließungsmonate. Scholtke teilt deren Unverständnis darüber, dass sie erst so spät wieder auf den Platz konnten. Seit Ende Mai nun dürfen auch Tagesgäste wieder bei ihm ihr Zelt aufschlagen. Das tun Reiseradler wie Tourenpaddler.
Alle Besucher unterschreiben eine Belehrung über Abstands- und Hygiene-Regeln, ob auf dem Platz, am See oder in den Sanitäranlagen. An Feiertagen war das schwierig zu händeln, da musste Scholtke vielen absagen. Zumal er wahrlich kein Freund des Massentourismus ist. Er will die Atmosphäre auf dem Platz familiär halten. Mit den Dauercampern besteht noch eine gewachsene Truppe. Zuletzt haben sie im Januar mit 20 Leuten einiges Laub beseitigt. „Gemeinschaft und Natur“ sind ihm wichtig.
Obwohl Scholtke selbst kein Camper ist, wie er zugibt, hat er so eine erfüllende Arbeit gefunden „für den Kopf“. Besonders jetzt in Zeiten der Pandemie. „Anfangs war das sehr kompliziert“, erzählt er. „Es gab kaum Auskünfte, ich habe viel telefoniert“, dann hat er die Hinweisschilder selbst gemacht. „Aber da war schon eine große Anfangsangst, dass wir etwas falsch machen.“
Auch Silke Seidel, Inhaberin des Naturcampingplatzes am Springsee bei Storkow und des Märkischen Seecamps in Ranzig fühlte sich nicht gut informiert von der Politik: „Die meisten Informationen kamen viel später, als wir sie gebraucht hätten.“ Auch ihr haben diejenigen Dauercamper geholfen, die keine Rückzahlungen forderten. Nur Einzelne hätten dies getan.
Neue Zielgruppen
Seit der Öffnung hat auch sie viel mehr Anfragen als zuvor, täglich über hundert. „Jetzt kommen auch Gäste von weit her – aus Kiel, München, Erlangen – zu uns und entdecken Brandenburg, ohne Corona wären sie sicher nicht gekommen.“ Dennoch ist sie unsicher, ob sie die Ausfälle wieder aufholen kann: „Der Winterspeck war ja aufgebraucht. Das ist schlimm, wenn von sechs Monaten in der Saison zwei geschlossen ist.“ Und zu viele Gäste könne sie eben auch nicht aufnehmen, da ja überall noch Abstand gehalten werden müsse.
Katrin Voigt vom Schwielochsee-Camping in Niewisch hält ein Aufholen der Ausfälle für unmöglich. Auch wenn die Nachfrage weiter wächst, neben Stammgästen mehr neue Besucher kommen, könne sie doch nicht mehr Gäste aufnehmen als möglich. Eher werde es in der Spitzenzeit Mitte Juli dann wohl auch Absagen geben. Für sie war während der Pandemie besonders schwierig, den Gästen die unterschiedlichen Eindämmungsverordnungen der Landkreise für Dauercamper und Bootsbesitzer zu erklären.
Brandenburg-Besucher wie die Dresdner Kleinfamilie in Sawall jedenfalls sind froh, dass sie nun wieder hier campen dürfen. Früher fuhren sie weite Radwandertouren durch ganz Europa, heute finden sie Abenteuer und Idylle am Schwielochsee.


