Trockenheit
: Fledermäuse in Oder-Spree müssen hungern

Wegen fehlender Niederschläge und Hochwasser verschwinden Insekten. Folge: Der Fledermausbestand geht zurück.
Von
Peggy Lohse
Beeskow
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  • 180 Fledermauskästen "betreut" Axel Schmidt vom Nabu-Kreisverband Beeskow heute noch. Früher waren es 300. Bei seiner jüngsten Kontrolle im Eichenforst bei Beeskow waren in den vier Kästen keine Großen Abendsegler zu finden.

    180 Fledermauskästen "betreut" Axel Schmidt vom Nabu-Kreisverband Beeskow heute noch. Früher waren es 300. Bei seiner jüngsten Kontrolle im Eichenforst bei Beeskow waren in den vier Kästen keine Großen Abendsegler zu finden.

    Peggy Lohse
  • 180 Fledermauskästen "betreut" Axel Schmidt vom Nabu-Kreisverband Beeskow heute noch. Früher waren es 300. Bei seiner Kontrolle im Eichenforst bei Beeskow am 30.04.2020 waren in den vier Kästen keine Großen Abendsegler zu finden.

    180 Fledermauskästen "betreut" Axel Schmidt vom Nabu-Kreisverband Beeskow heute noch. Früher waren es 300. Bei seiner Kontrolle im Eichenforst bei Beeskow am 30.04.2020 waren in den vier Kästen keine Großen Abendsegler zu finden.

    Peggy Lohse
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Am Eingang zum Forst zieht er eine lange Holzstange aus dem Gebüsch. An deren Ende steckt ein schiefer Nagel. Das ist sein Instrument, um die hoch gehängten Kästen für Fledermäuse ohne Hilfe zu erreichen. Für seine Fledermäuse. Wenn er von den Tieren spricht, wird seine Stimme weich. Seit über 40 Jahren beobachtet und protokolliert er ihre Entwicklung in Oder-Spree und angrenzenden Regionen.

Heimische Arten verschwinden

180 Fledermauskästen betreut Axel Schmidt heute noch. Sie hängen im Ragower und Sauener Forst, bei Bremsdorf, Beeskow und in der Lieberoser Heide. Ein- bis fünfmal jährlich werden sie alle auf „Besatz“ kontrolliert: ob und von wie vielen Tieren sie bewohnt werden. Insgesamt können bis zu 40 Tiere in einem Kasten Platz finden, je nach Größe. Früher war der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes Beeskow für 300 Kästen zuständig. In den letzten drei Jahren hat er 120 in vier Revieren, das heißt mit Fledermauskästen behängten Forsten, an Kollegen abgegeben.

In dem kleinen Traubeneichen-Forst zwischen Beeskow und Kummerow finden in drei Kästen Rauhautfledermäuse Platz für ihre Wochenstuben. Darum dürfen sie im April noch nicht gestört werden. Stattdessen will Schmidt prüfen, ob die vier übrigen Kästen von Großen Abendseglern bewohnt werden. „Null bis 30 Tiere können wir in den Kästen finden“, sagt Schmidt zu Beginn. Er will Neutiere beringen. „Wenn ich vorher schon hineingeleuchtet und gestört hätte, hätten sie sich vielleicht andere Quartiere gesucht.“

Schmidt sollte an diesem Tag aber kein Glück haben. Alle Kästen waren leer, als wollten die Flugtiere mit ihrer Abwesenheit auf Schmidts große Sorge hinweisen. Denn die Fledermäuse leiden unter der zunehmenden Trockenheit der letzten Jahre. Schmidts Bestandszählungen zeigen Rückgänge. Es fehlen die Insekten, die nun wegen trockener Tümpel und Sümpfe – durch Niederschlagsmangel und ausbleibende Überschwemmungen, verursacht auch durch die Flutung von Tagebauseen – weniger werden.

Dabei sei der Bestand der Arten unterschiedlich zurückgegangen: „Es begann mit der Wasserfledermaus, dann kam der Kleine Abendsegler, dann das Braune Langohr, das immerhin Raupen von Blättern auflesen kann.“ Später folgten die Rauhautfledermaus, der Große Abendsegler, der ebenfalls flexibler sei in seiner Ernährung als seine kleineren Kollegen. „Zuletzt ging der Bestand der Mausohren zurück. Sie können sogar nicht fliegende Laufkäfer auf dem Boden orten und fangen.“ Weder Mangel an Quartieren noch Fortpflanzungspartnern kommen für Schmidt als Grund infrage. Sondern: „Die Fledermäuse verhungern in unseren Wäldern!“

Zugewanderte aus Südeuropa

Nur nicht die Mückenfledermaus, die bis vor 20 Jahren mit der Zwergfledermaus verwechselt wurde. Schmidt hat sie 2000 an ihrem Flügeladermuster unterschieden, später auch an charakteristischen Färbungen an Kopf und Oberseite. „Sie stammt aus Südeuropa“, erklärt er. Damit ist sie Wärme und Trockenheit gewohnt. Manche Experten meinten, sie sei schon lange in Deutschland heimisch. Schmidt aber meint: Mit der Erwärmung habe sie den Weg gen Norden gefunden. „Die Mückenfledermaus ist ein völlig neues Mitglied unserer Fauna!“, betont er.

Schmidts nächste Kontrolltour im Eichenforst wird Ende Mai zu den Rauhaut-Kästen führen. „Das beginnt fünf Uhr morgens“, ergänzt er lachend. Später sei es zu warm, die Tiere würden ihm entwischen. Denn in der Kühle der Nacht fahren sie ihre Körpertemperatur herunter und werden „klamm“. „Dann brauchen sie zehn bis 20 Minuten, bis sie losfliegen können“, erklärt der Experte. Von der Trockenheit können sie sich jedoch kaum so schnell erholen.