Vogelgrippe in Oder-Spree
: Veterinäramt beschließt sofortige Maßnahmen

Update vom 28.10.2025, 17.30 Uhr: In den Nachbarkreisen Märkisch Oderland und Dahme-Spreewald greifen die ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Vogelgrippe. Und in Oder-Spree?
Von
Olaf Gardt
Beeskow
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Weitere Entwicklung bei der Geflügelpest: ARCHIV - 22.10.2025, Brandenburg, Fehrbellin: Ein Schild im Linumer Teichgebiet warnt vor der Geflügelpest. In Geflügelbetrieben aber auch bei Kranichen ist die Infektionskrankheit Geflügelpest nachgewiesen worden. (zu dpa: «Geflügelpest breitet sich aus - Experten warnen vor Kontakt») Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Ausbruchssituation bei der aktuellen Geflügelpest-Welle ändert sich praktisch ständig. Nun hat auch der Landkreis Dahme-Spreewald reagiert, in Oder-Spree mahnt man zur Vorsicht.

Fabian Sommer/dpa
  • Vogelgrippe breitet sich in Brandenburg aus – Nachbarlandkreise reagieren mit Eindämmungsmaßnahmen.
  • In Oder-Spree bisher nur Einzelfälle gemeldet, Veterinäramt mahnt Geflügelhalter zu Vorsicht.
  • Dahme-Spreewald verhängt Stallpflicht, um Wildvögel und Hausgeflügel zu schützen.
  • Zehntausende Tiere in betroffenen Regionen getötet, um Seuche einzudämmen.
  • Geflügelhalter sollen Biosicherheitsmaßnahmen prüfen und Verdachtsfälle sofort melden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Beeskow und wohl auch im ganzen Kreis Oder-Spree scheint die Welt noch in Ordnung. Wer bei offenem Fenster schläft, hört die Rufe der Gänse und Kraniche, wenn sie in der Morgendämmerung ihren Zug in die Winterquartiere fortsetzen. Auf den grünen Äckern rund um die Kreisstadt rasten die Zugvögel wie in jedem Jahr. Nichts deutet auf die Gefahr hin, in der sie schweben. Ringsum in den Nachbarkreisen des Landes sterben tausende ihrer Artgenossen derzeit an der oft Geflügelpest genannten Vogelgrippe.

Update 17:30 Uhr: Das Veterinäramt hat aufgrund des aktuellen Geflügelpestgeschehens im Land am Dienstag eine ab sofortige Aufstallungspflicht für Geflügel erlassen, die zunächst für 30 Tage gilt. „Alle Geflügelhalter – unabhängig von der Größe oder Art der Haltung – sind verpflichtet, ihre Tiere so unterzubringen, dass kein Kontakt zu Wildvögeln möglich ist“, teilt der Kreis mit. Gleichzeitig wird betont, dass es im Kreis derzeit keinen bestätigten Fall von Geflügelpest gibt. Die gefundenen Tiere würden derzeit in Laboren untersucht werden. Der Kreis weist zudem auf die Meldepflicht hin. „Wer Hühner, Enten, Gänse, Fasane, Wachteln oder anderes Geflügel hält, muss dies beim zuständigen Veterinäramt anzeigen“, heißt es. Außerdem müsse das Amt oder ein Tierarzt verständigt werden, wenn innerhalb von 24 Stunden bei Beständen bis 100 Tieren mehr als drei Tiere verenden würden.

Bei den Geflügelhaltern ist die Stimmung sicher angespannt, aber noch läuft das Geschäft auch für sie ganz normal. Bei der Landfleischerei in Ranzig sind in dieser Woche eingefrorene Flugenten im Sonderangebot zu haben. Für zwölf Euro gibt es die bratfertigen Tiere, man will in den Gefriertruhen wohl Platz schaffen für die bevorstehende Schlachtzeit, für die Geflügelsaison, die für viele spätestens mit dem Martinsgansessen am 11. November beginnt.

Doch es würde an ein Wunder grenzen, wenn alles so ruhig weiter läuft. Im nördlichen Nachbarkreis Märkisch Oderland mussten bereits zehntausende Tiere getötet werden. Einen Überblick zu gewinnen, ist schwer. 50.000 Masthähnchen in einem Betrieb, 80.000 Enten in einem weiteren, heißt es in verschiedenen Medienberichten. Bundesweit würden inzwischen mehr als eine halbe Million Hühner, Enten, Gänse und Puten in der Hoffnung getötet, die Ausbreitung der Seuche so einzudämmen.

Landkreis Dahme-Spreewald reagiert mit Stallpflicht

Bei den Wildvögeln sind aktuell vor allem Kraniche von dem aktuellen Krankheitsausbruch betroffen. Und das nicht nur nördlich von Oder-Spree. Auch im südlichen Nachbarkreis Dahme-Spreewald kämpft man gegen die Seuche. Ab Mittwoch gilt eine Stallpflicht für jegliches Federvieh. Die Aufstallungspflicht hat der Kreis ausgerufen, weil es einen sprunghaften Anstieg von verendet aufgefundenen oder im Sterben begriffenen Wildvögeln gebe.

Oder-Spree-Amtstierärztin Petra Senger erklärt, dass man aktuell nur Meldungen über Einzelfunde von toten Vögeln habe. Diese würden geborgen und getestet. Aber das Amt ist vorbereitet. „Wenn wir die ersten positiven Befunde haben, wird es eine Allgemeinverfügung zur Aufstallung und Untersagung von Veranstaltungen geben“, erklärt die Amtstierärztin. Es ist also nicht auszuschließen, dass die beliebten Rassegeflügelschauen in der Region in diesem Winter ausfallen werden.

Angst um den Weihnachtsbraten muss man aber zumindest noch nicht haben. Die meisten in Deutschland verzehrten Enten und Gänse werden in Osteuropa gemästet und geschlachtet. Das Bundeslandwirtschaftsministerium bezeichnet die Gänsemast als Marktnische. Rund 300.000 Gänse und 2,1 Millionen Enten wurden beispielsweise 2020 in Deutschland bis zur Schlachtreife gemästet. Für Brandenburg meldet das Ministerium für das Jahr davon rund 33.000 Gänse und knapp 490.000 Enten. Sehr wenig im Vergleich zu den 88 Millionen Masthühnern und den fast 56 Millionen Legehennen, die in der gleichen Zeit im Bundesgebiet gehalten wurden.

Hinweise der Kreisverwaltung für Geflügelhalter im Landkreis Oder-Spree:

Bitte überprüfen Sie umgehend Ihre Biosicherheitsmaßnahmen. Dazu zählen:

● Zutritt zu Stallungen nur mit betriebseigener Schutz- oder Einwegkleidung
● Zugangssicherung der Ställe für Unbefugte
● Möglichkeit zum Händewaschen und Schuhdesinfektion
● Keine Kontakte zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln
● Sofortige Meldung unklarer Krankheits- oder Todesfälle beim zuständigen Veterinäramt