Am frühen Donnerstagmorgen des 6. Mai haben die Mitarbeitenden des Verpackungsherstellers Linpac in Beeskow ihre Arbeit niedergelegt. Aufgerufen zu dem 24-Stunden-Warnstreik hat die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie, Energie (IG BCE). „Alles laufe bisher nach Plan“, sagte IG-BCE-Gewerkschaftssekretär Anis Ben-Rhouma vor Ort.
Mit Beginn der Frühschicht wurden die Maschinen im Betrieb runtergefahren und parallel dazu vor dem Werkstor eine Streikwache aufgebaut. Ben-Rhouma rechne bei der Streikwache mit jeweils 15 bis 20 Beschäftigten pro Schicht. Die Streikenden der ersten Schicht haben vor dem Werktor einen Pavillion aufgestellt und an der Frankfurter Chaussee gut sichtbar eine Fahne – sie sind gut auf den 24-Stunden-Warnstreik vorbereitet. Kaffee steht bereit. Gestreikt wird in Schichten, nach acht Stunden lassen sich die Mitarbeiter jeweils ablösen. Geplant seien bis Freitagfrüh insgesamt drei Schichten.

Betriebseigenen Hausvertrag gefordert

Mit dem Arbeitskampf will die Gewerkschaft für den Betrieb einen eigenen Hausvertrag erzielen. Beschäftigte der Linpac in Beeskow würden seit Jahren für die gleiche Arbeit deutlich weniger verdienen, als am Linpac-Standort Ritterhude in Niedersachsen, hieß es von der IG BCE.
Auf selbstgeschriebenen Schildern steht die Forderung – den gleichen Lohn wie im Westen. Denn die Mitarbeiter aus Montabaur, Ritterhude und Gendorf bekommen im Schnitt 800 Euro mehr als die in Beeskow. Einige der Streikenden tragen Streikweste und Fahnen. „Wir wollen unmissverständlich zeigen, dass wir Gesprächsbereitschaft erwarten“, sagt Rolf Erler von der Gewerkschaft IG BCE.

Produktionsstillstand um Gesprächsbereitschaft zu erzwingen

Bislang seien Gespräche über einen Tarifvertrag nicht zustande gekommen – obwohl die Mitarbeiter von Linpac schon zwei politische Mittagspausen im Vorfeld des Streiks durchführten.
Dabei wurde der Betriebsablauf nicht gestört. Das ist nun anders, denn die Produktion steht für 24 Stunden. Lediglich im Lager kann noch gearbeitet werden, berichtet Rolf Erler von der IG BCE. Gefordert werden unter anderem 600 Euro mehr Entgelt für die Beschäftigten sowie einmalig ein Corona-Bonus.
Auch am frühen Nachmittag gab es für die Streikenden noch kein Zeichen seitens der Geschäftsführung – auf das die Menschen vor dem Tor hoffen. „Wir warten sehnsüchtig auf den Beginn der Tarifverhandlungen“, erzählt Jan Ahlschläger. Er ist seit einem Jahr in der Firma als Anlagenfahrer beschäftigt und möchte „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, weil der Ost-West-Unterschied so groß ist.

Holz für ein wärmendes Feuer in der Nacht besorgt

Marcus Leschke ist technischer Betreuer der Produktion, er ist nicht sehr zuversichtlich. „Wir gehen nicht davon aus, dass der eine Streik reicht“, sagt Leschke. Er ergänzt „dass die Verhandlungen mit unserem Arbeitgeber sehr schwer sind.“ Gegen Mittag gab es Bratwurst vom Grill für die Streikenden. Auch Äpfel und Donuts waren besorgt worden.
Damit die Streik-Nachtschicht nicht friert, liegt Holz bereit, welches zu gegebener Zeit in der Feuerschale verbrannt wird. Anis Ben-Rhouma von der IG BCE erzählt, dass die Streikenden ein Streikgeld bekommen: „Es ist weniger als der Lohn, aber es gleicht den Verlust etwas aus“. Der Gewerkschafter freut sich zudem über den Zuwachs an Mitgliedern in Beeskow: „Wir haben einen guten Organisationsstand.“
Die IG BCE betreut im Bezirk Berlin-Mark Brandenburg rund 16.000 Mitglieder in 247 Betrieben aus Branchen wie der Chemischen Industrie, Energieerzeugung und Veredlung, Keramische Industrie, Kunststoff, Leder sowie Papier- und Zellstofferzeugung.

Zuletzt aktualisiert am 6. Mai um 14.50 Uhr.