Wassersport: Ruderclub Beeskow wird 100 - ein Rückblick
Keil war als Jugendlicher zum Rudern gekommen: Väter von Freunden nahmen damals, in der Nachkriegszeit, die Jungen mit in den Beeskower Club. Der Sport gefiel ihm, er sollte ihm treu bleiben. Damals stand das Bootshaus, in Kriegszeiten als „Luftwaffen-Auffangstelle“ genutzt, zerstört an der Spree. Auch dort gelagerte Boote waren kaputt. Viele Ruderer waren nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt. Langsam, es dauerte bis 1950, wurden Gebäude und Boote repariert.
1953 ging Keil zum Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Leipzig. Auch dort ruderte er, bald im Leistungssport. „Im Sommer ruderte ich, im Winter spielte ich Eishockey“, erinnert er sich. Der Beeskower Ruderclub wanderte derweil von der Zentralsportgemeinschaft „Neue Jugend“ zur Betriebssportgemeinschaft „Einheit“ hin zur Sportvereinigung „Dynamo“. Weil diese aber von bewaffneten Organen getragen wurde, wechselten zunächst wenige BSG-Ruderer dorthin. Dafür aber profitierte die Gruppe bald von neuen Rennbooten aus Berlin. Die historische Entwicklung des Ruderclubs hat Eberhard Keil zusammengetragen und im Beeskower Heimatheft 15/16 aufgeschrieben. Mittlerweile sogar mit einer Erweiterung um die jüngste Geschichte des Vereins seit 2007.
Gegründet wurde der Verein im Mai 1920 als Schwimmklub, nachdem erste Bestrebungen 1914 durch den Ersten Weltkrieg gestoppt worden waren. Schon im November entstand die Ruder-Abteilung für Männer. Im Folgejahr trennten sich Schwimmer und Ruderer. Den ersten Regatta-Sieg erreichten die Beeskower im September 1922 gegen die um Jahrzehnte älteren Clubs aus Frankfurt (Oder) und Storkow. Ab 1926 durften dann auch Frauen im Club rudern – bis heute keine Selbstverständlichkeit, wie Keil betont. Im Westen Deutschlands und besonders im traditionsbewussten England gibt es vielerorts noch immer getrennte Vereine.
In Beeskow begrüßt Keil mit dem Müllroser Ulli Hesse die neue Schülerruder-Gruppe des Rouanet-Gymnasiums. Endlich kehrt Leben zurück nach der Corona- und Ferienpause in den Ruderclub. Zwölf Jugendliche sind angemeldet – doppelt so viele wie im Vorjahr, betont Hesse -, die Hälfte ist pünktlich. Mädchen und Jungen, ab zehn Jahren. „Wir haben eine sehr starke Jugendgruppe“, sagt Keil stolz, besonders auch erfolgreiche junge Frauen. Aber oft fehlen Übungsleiter. Für maximal acht Rudernde braucht es einen Übungsleiter, der im Motorboot mitfährt und Gekenterten hilft. Aber wenige Erwachsene können drei Mal pro Woche drei Stunden nachmittags plus Wochenendfahrten zu Regatten freimachen. Und die Jugendlichen gehen oft mit 17 oder 18 zu Ausbildung oder Studium fort.
Neubauten und Sanierungen
120 Mitglieder hat der Ruderclub gegenwärtig. Erwachsene kämen meistens zum Hobby- oder Wanderrudern. Mittwochs ist Vereinstag: Manche rudern nach Leißnitz und zurück, andere kommen zum geselligen Beisammensein im Anschluss.
„Hier sind alle eine große Familie“, sagt Keil. Und wie zu einer Familie ein gemütliches Wohnzimmer gehört ein Bootshaus zum Wassersportverein. Neubauten und Sanierungen sind wichtige Stationen in der Geschichte des Vereins: der erste Bootschuppen, Schutzhütte zwischen Schwieloch- und Glower See, Bauhaus-Bootshaus 1933, dessen Zerstörung und Wiederaufbau, Treuhand-Schwierigkeiten 1990/91, dann die Sanierung 2007. Und nun, zum 100. Geburtstag, das neue Fitnessgebäude. „Ein Bootshaus ist sehr wichtig und hält den Verein zusammen“, erklärt Keil. An- und Abrudern, Eier- und Wanderfahrten, Geburtstage, wöchentliche Treffen – hier ist der Mittelpunkt des Vereins – neben dem Wasser, an Land.
Jubiläum und Einweihung: 27. August, 18 Uhr, Uferstraße 18, Beeskow







