Wollmarkt
: Socken aus der Strickmaschine in Beeskow

Beim Markt auf der Burg Beeskow dreht sich alles um Wolle. Es wird geschoren, gesponnen, gestrickt, gefilzt und ein wenig Ritterromantik versprüht.
Von
Monika Rassek
Beeskow
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  • Was ein Ritter so braucht: Beim Mittelalterlichen Wollmarkt auf der Burg Beeskow probiert das Georg Werner (m.) schon mal aus. Yvonne Werner und André Noske haben sichtlich Spaß daran.

    Was ein Ritter so braucht: Beim Mittelalterlichen Wollmarkt auf der Burg Beeskow probiert das Georg Werner (m.) schon mal aus. Yvonne Werner und André Noske haben sichtlich Spaß daran.

    Monika Rassek
  • Wollig und kuschelig: Thomas Raettig aus Görsdorf fertigt mit einer alten Sockenstrickmaschine Warmes für die Füße.

    Wollig und kuschelig: Thomas Raettig aus Görsdorf fertigt mit einer alten Sockenstrickmaschine Warmes für die Füße.

    Monika Rassek
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Feiner Regen lässt am Sonntag das Treiben auf dem „Mittelalterlichen Wollmarkt“ in der Burg Beeskow zögerlich in Gang kommen. Doch die, die sich schon zeitig eingefunden haben profitieren. An den Ständen der Handwerker braucht sich noch niemand drängeln, um den Fachleuten über die Schulter zu schauen.

Dicht umschwärmt ist der Arbeitsplatz von Thomas Raettig, der mit seiner Sockenstrickmaschine Wollstrümpfe fertigt. „Die Maschine ist etwa 110 Jahre alt. Per Zufall hab ich die bei ebay entdeckt. Sie gehörte einem alten Herren in Aachen“, erzählt Raettig, der eigentlich den Schwalbenhof in Görsdorf bewirtschaftet: „Damals bin ich hingeflogen und habe die Maschine gekauft.“ Inzwischen besitzt er sechs oder sieben, restauriert und repariert sie.

Warmes aus Wolle

„Für eine Socke brauche ich 20 Minuten, für ein Paar eine knappe Stunde“, antwortet er auf Fragen der Umstehenden. Je nach Wollsorte bietet er die bunten und kuschelig warmen Strümpfe für 16 bis 20 Euro an. Nebenan haben die Frauen vom Filznetzwerk Berlin–Brandenburg aufgebaut. Anke Leuken und Petra Ueberfeld verfilzen Wolle nass, also mit Wasser und Seife zu Dekorationsartikeln, Schmuck, Kleidung, Sitzfellen und sogar zu Schuhen. „Die sind so schön warm“ schwärmt Anke Leuken.

Inzwischen füllt sich auch der Burghof. Es duftet nach Leckereien vom Grill, Punsch und Met. Am Stand von Jerka Barton aus dem tschechischen Melnik gibt es alles, was mit Bienen zu tun ha. Die sechsjährige Ella reinigt gerade den Rand des Beckens zum Kerzeniehen, als Martin Hampel vorbei kommt, um für die Kinder Fruchtpunsch und für seine Frau Hexenmet zu bestellen.

Die Familie ist eigens aus Frankfurt (Oder) zum Wollmarkt gekommen und hat zuvor schon ausgelassen zur Musik von Falkensang, die feinsten Irish Folk aus Brandenburg spielen, getanzt. Als dann der brodelnde und rauchende Hexenpunsch im Tonbecher serviert wird, heißt es dann: „Das sieht total verrückt aus und schmeckt.“ Jerka Barton freut sich, dass es den Besuchern gefällt und dankt es mit einem Lächeln. Georg Werner fühlt sich vom (Spielzeug) Waffenarsenal angezogen und testet Helme und Schwerter. Das Lachen seiner Mama Yvonne stachelt den Nachwuchsritter an, noch mehr Sachen auszuprobieren. Vom Wetter lassen sie sich den Spaß nicht verderben. Begleiter André Noske stellt klar: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“

Spaß und Action

Als die Ritter den Platz zum Kampfe betreten, versammelt sich das Publikum um die Bühne. „Wer Kinder und Weiber  nicht mehr will, stelle sie in die erste Reihe“, brüllt ein fülliger Rittersmann und kurze Zeit später treffen die Schaukampf fähigen Schwerter aufeinander oder krachen auf den Holzschild des Gegners. Das Publikum johlt und applaudiert, als einer der Kontrahenten „tödlich“ getroffen zu Boden geht.

Im Anschluss bekommen die Kinder die Gelegenheit, sich mit den finsteren Rittern zu messen und haben sichtlich Spaß daran. Veranstalter Uwe Henneberg zeigt sich zufrieden: „Am Sonnabend hat das Wetter mitgespielt und dementsprechend viel Besucher haben das Angebot angenommen.“ Allein an dem Tag seien mehr als 1000 Besucher gekommen: „Das ist doch toll, wenn es den Leuten gefällt.“