Die Entscheidung zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen der Gemeinde Tauche und der Kreisstadt Beeskow fiel sehr knapp für die Aufnahme von Gesprächen aus – was zahlreiche Anwohner bedauerten. Bereits vor der anberaumten Sondersitzung der Gemeindevertreter in der Gaststätte „Zur Sonne“ bot sich ein ungewohntes Bild: Anwohner protestierten gegen eine Mitverwaltung durch die Kreisstadt Beeskow und einen Zusammenschluss überhaupt.
Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze im Bereich Kita, Schule und Bauhof. Denn, in Beeskow sind beispielsweise Erzieher nicht in der Verwaltung angestellt wie in der Gemeinde Tauche, Rietz Neuendorf und der Stadt Friedland. Letztendlich scheiterte die zunächst angestrebte Mitverwaltung an diesem Punkt. Denn diese Arbeitskräfte sollten wie in Beeskow auch, ausgelagert werden. Dafür sollte eigens ein Zweckverband gegründet werden, was Rietz-Neuendorf, Tauche und Friedland ablehnten.

Finanzengpass

Im Saal erwartete die Anwohner eine Überraschung. Der Beeskower Bürgermeister Frank Steffen war als Gast geladen. Der Raum ist voll. Das Thema „mögliche Eingemeindung“ sorgt für eine Fülle, die in den vorangegangenen Sitzung nicht gegeben war. „Nein, ich will nicht meine Wahlperiode bis zum Ende nächsten Jahres ausdehnen. Es soll vielmehr ausgelotet werden, ob und welche Möglichkeiten es für eine Zusammenarbeit mit Beeskow gibt“, so Bürgermeister Gerd Mai, dem die angespannte Atmosphäre nicht entgeht. Ihm gehe es darum, die Ortsteile besser auszustatten und sieht in den Gesprächen mit Beeskow eine Chance.
Als Begründung führt Mai die schlechte Finanzlage der Gemeinde an, die Investitionen für Projekte wie das Feuerwehrhaus in Mittweide nur noch stemmen kann, wenn diese zu 100 Prozent gefördert werden. Des Weiteren fehle es an qualifizierten Personal in der Verwaltung, um die Pflichtaufgaben zu bewältigen. Auch fehlt es an qualifizierten Fachkräften, die oft weggehen, weil sie woanders mehr verdienen und bessere Chancen haben.

Antrag auf Bürgerentscheid

Kritisiert wurde von vielen Anwohnern, dass erst so spät über die harten Fakten geredet wurde. Viele können nicht verstehen, wo das Geld geblieben ist. Bürgermeister Mai verweist darauf, dass er seine Hoffnungen auf die Mitverwaltung gesetzt hat, welche für die Gemeinde finanzielle Vorteile gebracht hätte. Doch der Ausstieg der Gemeinde Rietz-Neuendorf und der Stadt Friedland hat nun zur aktuellen Situation geführt.
Ein Anwohner stellt den Antrag, dass die Gemeinde den Auftrag erhält, bis zum 30. November einen Bürgerentscheid vorzubereiten. Obwohl die Anwohner applaudieren, wird der Antrag mehrheitlich abgelehnt.
In seiner kurzen Rede erklärt sich Bürgermeister Frank Steffen bereit, die Verhandlungen wiederaufzunehmen und erklärt, dass es durchaus sinnvoll ist, die Kräfte zu bündeln. Auch habe die Zusammenarbeit in Bezug auf das Einwohnermelde- und Standesamt gezeigt, dass wir das können. Die Gemeindevertreter stimmen dem Beschluss zur Aufnahme der Gespräche mit Beeskow zu einem möglichen Zusammenschluss mit neun gegen acht Stimmen zu.
Zunächst stellt die Gemeinde eine Prioritätenliste mit wichtigen Schwerpunkte zusammen. In der 2. Oktoberhälfte soll es eine erste gemeinsame Sitzung geben.