Ein Mann mit dunkler Hautfarbe wird auf offener Straße als „Schwarzfahrer“ beschimpft, kurz darauf mit einer Bierflasche angegriffen – genau das hat sich vor mehr als einem Monat in Biesenthal zugetragen, direkt am Marktplatz. Und dass viele Bewohner der Stadt und der umliegenden Gemeinden eine derartige rassistische Attacke ablehnen und verurteilen, hat sich an diesem Sonntag gezeigt. Denn da zeigten sie Flagge.

Sportverein, Bürgermeister - alle sind mit dabei

Mehr als 300 Menschen sind am Mittag durch die Straßen im Zentrum gezogen, um für ein friedliches Miteinander einzutreten. Das Motto lautete: „Biesenthal bleibt bunt“. Passend dazu wurden bunte Luftballons verteilt. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass Opfer rassistischer Gewalt in Biesenthal nicht allein sind – zumal es nicht der einzige Fall ist“, sagte Svea Sobotka, eine der Organisatorinnen.
Laut der Veranstalter haben sich insgesamt 36 Vereine und Organisationen der Stadt an der Kundgebung beteiligt, darunter Mitglieder des SV Biesenthal, der Grundschule am Pfefferberg und auch der Initiative „Barnim für alle“, die die Kundgebung mit angestoßen hat. Bürgermeister Carsten Bruch (CDU) war ebenfalls dabei.

Junge Schülerin zeigt Transparent: „Einhörner gegen Nazis“

„Es ist toll, wie viele gekommen sind“, sagte ein zweifacher Familienvater während des Spaziergangs. Er und seine Frau würden seit mehreren Jahren hier leben, für sie habe Rassismus keinen Platz in der Stadt. Genauso sieht es Irma, eine junge Schülerin, die extra ein Transparent für den Spaziergang gebastelt hat, darauf steht: „Einhörner gegen Nazis“.

Angriff vor dem Imbiss am Markt

Der Grund, warum sie gekommen sind, ist ein Angriff, der sich am 1. Oktober zugetragen hat. Im Mittelpunkt des Angriffs: ein 29-jähriger Biesenthaler, der gebürtig aus Tansania stammt. Er ist jenem Tag mit einem Fahrrad im Zentrum unterwegs, als ihn ein Deutscher, der an einem Imbiss am Markt steht, lauthals als „Schwarzfahrer“ bezeichnet und ihm Fahrraddiebstahl vorwirft. Daraufhin will ihn der Radfahrer zur Rede stellen. Es kommt zur Auseinandersetzung, bei der der 47 Jahre alte Deutsche den schwarzen Biesenthaler mit einer Bierflasche attackiert haben soll.
Die herbeigerufene Polizei fand nach eigenen Angaben vor Ort keine Bierflasche mehr vor. Gesichert ist, dass der Deutsche nicht nüchtern war. Bei ihm wurde ein Atemalkoholwert von 1,0 Promille gemessen.

Polizei geht von „politisch motivierter Straftat“ aus

Der Polizei liegt zu dem Fall eine Anzeige wegen Körperverletzung vor, teilte die Polizeidirektion Ost auf MOZ-Nachfrage mit. Zunächst hatte die Kriminalpolizei ermittelt, doch nur kurz. „Das Geschehen wurde als politisch motivierte Straftat eingestuft und deshalb vom polizeilichen Staatsschutz bearbeitet“, sagt Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß. Noch würden die Ermittlungen laufen. Erst, wenn sie abgeschlossen sind, werde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Der Ausgang: offen.

Rassistische Attacke soll kein Einzelfall sein

Die rassistische Attacke gegen den 29-Jährigen sollen keine Einzelfälle sein, sagen die Organisatoren des Spaziergangs. Es habe weitere gegeben. Zum Beispiel an der Bushaltestelle vor der Grundschule, dort sei vor einiger Zeit ein Mann mit einem Fahrradschloss angegriffen worden.
Umso wichtiger sei es ihr zu zeigen, dass „uns das als Biesenthaler nicht egal ist“, betont Organisatorin Svea Sobotka. Und das haben sie jetzt mit dem Spaziergang.