Angedacht
: Name des Dichters für Wanderweg

Der Prendener Ortschronist prescht vor im Fontanejahr und hat einige Ideen.
Von
Andrea Linne
Bernau
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Fröhlicher Umzug: Am 30. Dezember feierten die Neuruppiner den 199. Fontane-Geburtstag. 2019 ist viel los.

Eckhard Handke

So macht der Ortschronist von Prenden, Klaus Storde, jetzt mit einem Vorschlag von seiner Region reden. Aus Anlass des Fontanejahres 2019 schlägt er vor, „die Kennzeichnung des Biesenthaler Weges als Fontanewanderweg beziehungsweise Fontaneweg“ zu beantragen. Des Weiteren, so Storde, „sollte die gleiche Kennzeichnung der Prendener Straße durch die Stadt Biesenthal angeregt werden“.

Der Chronist möchte damit auf ein touristisches Highlight in der Region hinweisen. Denn „im September 1861 wanderte Theodor Fontane auf diesem Weg von Biesenthal nach Prenden, um die Kirche und den Standort des ehemaligen Schlosses zu besichtigen“, weiß der Prendener zu berichten. Das Schloss gehörte dem Freiherrn Otto Christoph von Sparr (✝1668), „dem berühmten ersten brandenburgischen Feldmarschall“. Über ihn schrieb Fontane ausführlich in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg,“ Band Oderland, Kapitel „Von Sparren–Land und Sparren–Glocken“.

Der Ortschronist verweist darauf, dass es eine bildhafte Beschreibung von Theodor Fontane über diese Wegstrecke gibt, die jederzeit nachzulesen ist. Lebendig erstehen Landschaften und Personen wieder.

Derweil hat sich in Eberswalde eine skurrile Diskussion darüber ergeben, ob sich der Dichter auf der Teufelsbrücke über den Finowkanal verlobt haben könnte. Der Vorsitzende des Vereins Unser Finowkanal, Hartmut Ginnow–Merkert, hat in einer Diskussion in den sozialen Netzwerken und auch in dieser Zeitung dazu Stellung bezogen. So seien einige als gesichert geltende Erkenntnisse nun als Legenden eingestuft worden. Mit dem traurigen Ergebnis, dass die Teufelsbrücke, die an der Einfahrt zum Messingwerkhafen vor sich hin rostet, jeden romantischen Geschichtsbezug verlieren könnte. Denn der Übergang soll eben nicht der Ort gewesen sein, an dem am 8. Dezember 1845 der 25–jährige Theodor Fontane seiner Geliebten, der 21–jährigen Emilie Rouanet–Kummer, die Ehe angetragen haben soll.

Bisher war stets behauptet worden, bei dem vom Zahn der Zeit angefressenen Denkmal handele es sich um ein Bauwerk, das 1820 in England als eine der ersten gusseisernen Brücken Mitteleuropas entworfen und hergestellt wurde. Von 1824 bis 1826 soll der Übergang als Weidendammer Brücke über die Spree installiert worden sein und die Friedrichstraße von einem Ufer zum anderen geführt haben. Um 1870 sei die Brücke, um seitliche Fußwege ergänzt, bald zu klein geworden. Um 13 Meter gekürzt, habe die Brücke zwischen 1885 und 1913 den Finowkanal bei Liepe überspannt. Seit 1913 stehe der Baukörper, erneut gekürzt, an der Einfahrt zum Messingwerkhafen in Finow. Das alles wurde recherchiert. Die Brücke ist damit viel zu jung, um als Verlobungsuntergrund gedient zu haben. Ein Sanierungsargument könnte damit im Fontanejahr außerdem entfallen.

Bis zum 30. Dezember, dem Geburtstag des Genies, ist es aber noch lange hin. Im Mai beginnen die Hauptfeierlichkeiten rund um Neuruppin, dem Geburtsort von Theoder Fontane. Schon rüsten sich viele Hotelbesitzer, die Anfragen aus dem In– und Ausland nehmen zu. Eine Gesellschaft, die Fontane–Festspiele gUG, ist gegründet und bereitet das vielfältige Programm vor.

Höhepunkt ist vom Himmelfahrtstag am 30. Mai bis zum 10. Juni. Vom 12. bis 18. Juni startet das Jugendliteratur–Festival „Querfelddrei“.

„Wir bespielen drei Wochen mit etwa 200 Veranstaltungen“, kündigt die Gesellschaft an. Vom 23. bis 25. August schließt sich das Fontane–Open–Air–Theater „Effi in der Unterwelt“ auf dem Neuruppiner Schulplatz an. „Das ist quasi der Höhepunkt“, heißt es. Es gibt ein Fontane–Lyrik–Projekt — jedoch nicht nur einmal, sondern sogar zweimal. Am 1. und 7. Juni lesen Prominente Fontane–Texte. Uta Bartsch von der Fontane–Festspiele gUG will noch nicht verraten, wer auf der Bühne stehen wird. „Aber wir haben ein paar ganz große Namen angefragt“, sagt sie. Peter Böthig, Leiter des Kurt–Tucholsky–Literaturmuseums im Schloss Rheinsberg, unterstützt das Ganze. Ein Poesiefestival vom 1. bis 3. November folgt.

Nicht zu vergessen ist das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ samt Birne. Fontane war nie in Ribbeck, dafür aber im Oderland bei Letschin. Hier kannte sich Fontane aus, sein Vater besaß die Apotheke. In der Novelle „Unterm Birnbaum“ verewigte er die Erinnerungen.