Auftakttreffen: Vorsorge für gute Pflege

Besser gemeinsam als allein: In der Hausgemeinschaft 1 im Bernauer Altenpflegeheim "Am Weinberg" wurden acht Zimmer nach gründlicher Sanierung wiedereröffnet. Einrichtungsleiterin Annika Hinrich und Bewohner Knuth Bohn schneiden das rote Band durch.
Sergej ScheibeDer demografische Wandel ist auch im Landkreis Barnim in vollem Gang. Die Folge: Es gibt immer mehr Pflegebedürftige. So krempelte Landrat Daniel Kurth symbolisch die Hemdsärmel hoch und rief alle Akteure, die alltäglich mit dem Thema „Pflege“ beschäftigt sind, zusammen. „Wir wollen nicht in 20 Jahren von einer Entwicklung überrascht, sondern jetzt aktiv werden“, sagte der Landrat der MOZ wenige Tage, nachdem er die Pflegeinitiative Barnim ins Leben gerufen hatte.
Vorstoß weckt großes Interesse
Fast 100 Vertreter waren Kurths Einladung zur Auftaktveranstaltung vergangene Woche ins Paul–Wunderlich–Haus nach Eberswalde gefolgt. Darunter Mitarbeiter großer Sozialdienstleister wie der AWO oder der Caritas genauso wie Beschäftigte privater Pflegedienste. Neben Repräsentanten von Rettungsdiensten waren auch Seniorenbeiräte, Mitarbeiter der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), die sich zum Großteil im Besitz des Landkreises Barnim befindet, und Kommunalpolitiker gekommen. Auch das Brandenburgische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) will in die zukünftige Arbeit der neuen Pflegeinitiative eingebunden werden.
Die Prognosen, die eine überwältigende Steigerung der Nachfrage nach Pflege aller Art voraussagen, bilden die Ausgangssituation für den Barnimer Vorstoß. Die von der Landesregierung Brandenburg herausgegebene Pflegestatistik erwartet von 2014 bis 2040 fast eine Verdopplung derjenigen, die stationäre Pflege brauchen. Heute sind dies noch 2500 Personen. In der ambulanten Pflege steigen die Zahlen im gleichen Zeitraum von 2300 auf fast 4000 Menschen. „Das ist eine große Herausforderung, für die Rahmen– und Arbeitsbedingungen geschaffen werden müssen und für die es auch Geld und Fachkräfte zu organisieren gilt“, erklärt Daniel Kurth.
Zwar fällt Planen und Organisieren von Pflege nur bedingt in die Zuständigkeit des Landkreises. Dennoch sieht Kurth seine Verwaltung als optimales Bindeglied zwischen allen Akteuren. Der neuerliche Vorstoß soll dabei Synergie–Effekte anregen, wie dies schon zuvor im Bildungsbereich gut geklappt habe. „Hier sind wir vor zehn Jahren einen ähnlichen Weg gegangen und können heute messbare Erfolge vorweisen“, weiß Kurth zu berichten. So sei etwa die Zahl der Schulabbrecher deutlich gesunken und auch bei den Rückstellungen liege der Barnim mittlerweile deutlich unter dem Landestrend.
Handlungskonzept erarbeiten
Beim Thema Pflege steht noch viel Arbeit bevor. Als konkreter erster Schritt ist eine Barnimer Bestandsanalyse aller Angebote und Einrichtungen geplant. Im Anschluss müssen die Erhebungen ausgewertet und der zukünftige Bedarf analysiert werden. Daraus wiederum entstehen dann konkrete Handlungsempfehlungen — jeweils zugeschnitten auf die Fachleute in den Pflegeeinrichtungen, ambulanten Diensten, in der Politik sowie für die Mitarbeiter der Verwaltungen. Das Ergebnis dieses umfangreichen Prozesses soll schließlich in einem „Altenhilfe– und Pflegestrukturplan für die strategische Weiterentwicklung der ‚Pflege vor Ort’“ zusammengefasst werden.
Bei allen Maßnahmen, die öffentliche und private Institutionen ergreifen, um Alte gut zu versorgen, darf auch ein Aspekt nicht vergessen werden. „Wir müssen auch darüber reden, wie die Nachbarschaftshilfe ausgebaut werden kann“, betont Oliver Köhler, Pressesprecher des Landkreis Barnim.