Dass die Steine, die in Biesenthal ins Rollen gebracht wurden, in Bernau in Bewegung bleiben, wie derKunstwissenschaftler Thomas Michael Kumlehn sagte, wünschten sich wohl alle Besucher der neuen Ausstellung in der Rathaus-Galerie Biesenthal. Mit ihr werden die über einen Zeitraum von zehn Jahren veranstalteten Deutsch-polnischen Bildhauer-Symposien gewürdigt, die die Bildhauermeisterin Anne Schulz 2008 zur 750-Jahrfeier Biesenthals auch als ein Zeichen der Völkerverständigung initiiert hat.
Die Bemerkung von Kumlehn fällt nicht ohne Hintersinn. Bereits 2017 haben Bernau und Biesenthal erstmals bei der Veranstaltung von Bildhauer-Symposien kooperiert. Aktuell findet im Stadtpark der Hussitenstadt das Deutsch-polnische Bildhausersymposium „Terrain/Teren“ der Stadt Bernau und der Gemeinde Panketal statt. Dass Anne Schulz dort mit ihrem Elan nicht nur beratend, sondern auch mit ihrer Arbeit „Platzhirsch“ vertreten ist, wird von vielen als gutes Zeichen für einen Ausbau der überörtlichen Kooperationen auf künstlerischem Gebiet gesehen.

Idee auf Wanderschaft

Wenn es um die Idee der Gründung der Symposien in Biesenthal geht, dann erinnert sich Anne Schulz an einen Aufenthalt während ihre „handwerklichen Wanderschaft“ in Polen. Sie habe eine „wunderbare Gastfreundschaft“ erfahren, eines Tages aber sei auch auf ihrem Bauwagen ein Hakenkreuz gesprüht gewesen. Dem habe sie als erste Reaktion für die deutsch-polnische Freundschaft gemeinsam mit einem jungen polnischen Steinmetz eine Skulptur aus Hund und Katze entgegen gehalten. Auch heute habe sie beim Thema Völkerverständigung allgemein das Gefühl, dass es „noch viele Möglichkeiten gibt, um Grenzen zu überwinden.
Im Laufe der Jahre, so Anne Schulz, wurde die Logistik für die Symposien immer schwieriger und teurer. Sie freue sich aber, dass es auch mit der Unterstützung der Stadt Biesenthal gelungen sei, die Künstlertreffen so attraktiv zu machen, dass sich Bernau für sie interessier. Es sei eine „wunderbare Fügung“, dass in Biesenthal der Abschluss und in Bernau ein Beginn zusammenfallen. Am Sonnabend waren daher auch alle Künstler, die noch bis zum 2. Oktober im Bernauer Stadtpark arbeiten, nach Biesenthal gekommen.

Standorte am Radweg

Dass Biesenthal dank der Symposien und der Arbeiten der Bildhauer über die Stadtgrenzen hinaus mit Bernau und auch mit Panketal eine besondere Beziehung eingeht, unterstrich Bürgermeister Carsten Bruch. Denn einige der Skulpturen wurden bereits am Fernradweg Berlin-Usedom aufgestellt, weitere sollen folgen, wenn möglich auch in Biesenthaler Richtung. Viele Exponate sind bereits in der Stadt zu sehen, verblieben entweder als Leihgabe über zwei beziehungsweise drei Jahre in der Stadt oder wurden auch angekauft und blieben so in der Stadt. Über Jahre habe Anne Schulz ihre Idee mit viel Engagement und Kraft verfolgt, so Bruch. Ähnlich sieht es auch Sabine Oswald-Göritz vom Bernauer Kulturamt. Sie erkennt in den Symposien beider Städte eine „künstlerische Brückenfunktion“.
Wie der Kunstwissenschaftler Kumlehn ausführte, arbeiteten bis 2017 im Zwei-Jahres-Abstand 28 wechselnde Bildhauer aus Brandenburg, Berlin und Polen in Biesenthal. Insgesamt entstanden so 34 Plastiken und Skulpturen.
Die Ausstellung in der Rathaus-Galerie zeigt Fotos, Skizzen, Skulpturen und Bilder, die die Künstler der Symposien jetzt zur Verfügung stellten und damit ihre enge Bindung an die Künstertreffen unterstrichen.

Für Kitas und Schulen

Geöffnet ist die Ausstellung dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 16 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 15 Uhr. Kita- und Schulbesuche zum Projekt „Kulturelle Bildung“ sind nach Anmeldung unter 03337 490718 oder 033396 87288 möglich.
Eine deutsch-polnische Lesung folgt am 25. September, 19 Uhr, zum Bernauer Symposium im Kunstraum Innenstadt in Bernau, Alte Goethestraße 3.