Ausstellung
: Galerie Bernau zeigt Kunst von Christa Jeitner

Die gebürtige Ostberlinerin nutzt unterschiedlichste Materialien für ihre Kunst. In der DDR wurde sie dafür an den Rand gedrängt.
Von
Christian Heinig
Bernau
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  • Freihängende Kunst: Die Ausstellung von Christa Jeitner zeigt unter anderem eine Garnverknotung aus dem Jahre 1978.

    Freihängende Kunst: Die Ausstellung von Christa Jeitner zeigt unter anderem eine Garnverknotung aus dem Jahre 1978.

    Micha Winkler
  • Keine Zeit für Langeweile: Die 84-Jährige Christa Jeitner (l.) hat momentan zwei Ausstellungen an verschiedenen Enden der Welt.

    Keine Zeit für Langeweile: Die 84-Jährige Christa Jeitner (l.) hat momentan zwei Ausstellungen an verschiedenen Enden der Welt.

    Michael Winkler
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Es ist für Künstler nicht gerade üblich, dass sie zur gleichen Zeit an zwei völlig verschiedenen Orten der Welt ihre Werke einem breiten Publikum präsentieren. Es ist sogar ziemlich unüblich. Im Fall von Christa Jeitner hat es sich aber einfach so ergeben. Vor ein paar Tagen noch, Mitte November, da war die Künstlerin aus Blumberg fast 10 000 Kilometer weit weg, mitten in der US-Metropole Los Angeles. Dort ist ein Teil ihrer Arbeiten gerade im „The Wende Museum“ zu sehen. Und ab dem heutigen Freitag stellt sie auch im Barnim aus. Um 18 Uhr wird in der Galerie Bernau die Ausstellung „Hommage à Bauhaus“ eröffnet.

„Langweilig ist mir gerade nicht“, gibt die 84-Jährige zu, wirkt dabei aber alles andere als gestresst. Sie freut sich. Die Kunst bedeutet ihr viel.

Materialbewusste Künsterlin

In Bernau zeigt Jeitner Textilobjekte und sogenannte Mixed-Media-Kompositionen, womit Werke gemeint sind, die aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Zur Schau gehört etwa ihre berühmte „Dreiflüglige Säule“ von 1978, eine Garnverknotung, die frei im Raum hängt. Ein anderes Werk heißt „Benähte Lappen“. Dabei hat Jeitner, die gebürtig aus Ostberlin stammt, alte, ausgeblichene T-Shirts genommen und sie mit einem Faden bestickt. „Verwüstungen“, nennt sie das. Auf einem der „Lappen“ hat sie Wellen eingearbeitet und dazu ein Kreuz – der Titel: „Lampedusa“.

Jeitner, das fällt auf, ist eine materialbewusste Künstlerin. „Aber ich verwende das Material nicht, ich erkenne es in seinen Eigenschaften und lasse die Eigenschaften sprechen“, betont sie.

Mit der Kunst hat Christa Jeitner schon früh begonnen. Als sie vier Jahre alt war, hat sie allen Erwachsenen erzählt, sie wolle Zeichnerin werden. Dann kam meist die Frage zurück: „Technische Zeichnerin?“. Nein, hat Jeitner geantwortet: „Richtige Zeichnerin.“ Sie muss selbst ein wenig schmunzeln, als sie die Episode erzählt.

Die Begeisterung für Textile kam bei Jeitner dann während ihrer Hochschulzeit. Wegen ihrer Nähe zur Kirche konnte sie allerdings nicht ohne weiteres in Ostberlin studieren, flog dort sogar von der Uni. „Das hatte politische Gründe.“ Im Anschluss nahm sie erst Privatunterricht in Westberlin und schrieb sich kurz darauf an der HDK, der Hochschule der Künste, ein. Sie belegte die Fächer Malerei, Grafik, textiles Gestalten und Kunstgeschichte. Doch dann machte ihr der Mauerbau 1961 einen Strich durch die Rechnung. „Ich konnte mein Studium nicht beenden, genau wie viele Freunde von mir“, erzählt sie. Fortan war sie abgeschnitten von der freien Kunstszene in Westberlin.

In der DDR dagegen gab es, was die künstlerischen Freiheiten anging, enge Grenzen. Es dominierte die Malerei. Wer dagegen mit Materialien arbeitete, so wie Christa Jeitner, wurde meist als Kunsthandwerker abgestempelt.

Jeitner aber blieb eisern, machte ihr Ding, experimentierte mit Textilien, mit Hanf, Seide oder Leinengarn, erprobte die Materialien auf ihre Eigenschaften. Auch deshalb waren ihre Werke Teil der Ausstellung „Medea muckt auf“ über radikale Künstlerinnen hinter dem Eiserenen Vorhang in der Dresdener Kunsthalle im Lipsiusbau.

Freude über die Eröffnung

Jeitner hat nie Kunst gemacht, um davon zu leben. „Es war nie mein Ziel, Kunst zu verkaufen“, sagt sie. Viele Jahre hat sie als Restauratorin gearbeitet, auch in Bernau. Hinzu kamen Lehrtätigkeiten und die Publikation zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten. „So war ich unabhängig und konnte künstlerisch immer machen, was ich wollte“, betont sie.

In Bernau sind Christa Jeitners Werke übrigens nicht allein zu sehen, sie werden im Dialog gezeigt mit weitgehend unbekannten Werken aus dem Nachlass des Bauhaus-Künstlers Martin Jahn. Die Ausstellung ist die letzte im Rahmen des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums.

Christa Jeitner wird heute Abend persönlich ein paar Grußworte sprechen und dann durch die Ausstellung führen. So wie schon vor Kurzem in Los Angeles. „Das war damals ein wunderbarer Abend. Die Amerikaner sind, was Kunst angeht, sehr interessiert.“ Und auf einen ähnlich wunderbaren Abend hofft sie auch diesmal.

Zur Ausstellung in der Galerie Bernau

Die Ausstellung "Hommage à Bauhaus" wird am 29. November um 18 Uhr eröffnet. Danach sind die Werke noch bis 17. Januar in der Galerie Bernau (Bürgermeisterstraße 4) zu sehen. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitag (10 bis 18 Uhr) und am Samstag von 10 bis 16 Uhr. Vom 22. Dezember bis 1. Januar geht die Galerie in Winterpause. Im Januar wird es mit der Künstlerin noch einen weiteren Gesprächstermin geben: Am 11.01.2020 um 11 Uhr wird sie mit der Kuratorin Susanne Altmann vor Ort sein. Der Eintritt für die Ausstellung und das Begleitprogramm ist frei. Weitere Informationen unter: www.galerie-bernau.de oder telefonisch unter der Nummer (03338) 80 68. ⇥che