Betrug in Bernau
: Polizei warnt vor Betrügern und gibt wichtige Tipps

Viele Brandenburger fürchten sich vor Betrug am Telefon oder übers Internet. In Bernau gab die Polizei wichtige Tipps, um sich vor Gangstern zu schützen.
Von
Ole Rockrohr
Bernau
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Betrug am Telefon: ARCHIV - 09.09.2015, Niedersachsen, Hannover: ILLUSTRATION - Ein Mann hält ein Telefon. (zu dpa: «Internationaler Schlag gegen mutmaßliche Enkeltrick-Betrüger») Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mit dem „Enkeltrick“ gelingt es immer wieder Betrügern, Geld von Bürgern zu erbeuten. Die Polizei klärt auf, wie sich Bürger gegen solche und andere Betrügereien absichern können.

Julian Stratenschulte
  • Polizei Bernau gibt Tipps gegen Telefon- und Internetbetrug
  • Enkeltrick und Schockanrufe häufige Betrugsmaschen
  • Senioren besonders betroffen, aber jeder kann Opfer werden
  • Polizei empfiehlt, keine persönlichen Daten am Telefon weiterzugeben
  • Bei Verdacht sofort Polizei unter 110 anrufen und Gespräch schildern

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Barnim fürchten sich viele Senioren vor Betrügern. In einer gemeinsamen Umfrage der Märkischen Oderzeitung, der Lausitzer Rundschau und der Märkischen Allgemeinen gaben 44,2 Prozent der über 60-Jährigen an, sich vor Betrügern am Telefon und im Internet zu fürchten. Größer ist in der Region nur die Furcht vor Einbrechern.

Die Bernauer Polizei hat vor einigen mit Senioren in Schönow über die Situation und Gefahren im Alltag gesprochen – und dabei wichtige Tipps gegeben, wie man sich vor verschiedenen Betrugmaschen schützen kann. Unterstützt wurden die Beamten dabei von zwei Schauspielern, die klassische Situationen nachstellten.

Polizei: Unbedachte Antwort spielen Betrüger in die Karten

Immer wieder gelingt es den Verbrechern, Menschen mit dem sogenannten Enkeltrick zu überrumpeln. Dabei trifft es bei weitem nicht nur Senioren. Jeder kann ein Opfer werden, ob alt oder jung. Die Gauner geben sich am Telefon als Verwandte der Opfer aus und versuchen so das Vertrauen der Opfer zu gewinnen. Häufig stellen sie geschickt Fragen, die den Opfern wichtige Informationen entlocken.

Mit Fragen, wie „Weist du etwa nicht, wer hier spricht?“ locken die Verbrecher ihre Opfer in die Falle. Durch unbedachte Antworten können die Täter wichtiges Wissen sammeln und sich so als naher Verwandter ausgeben. Immer wieder lassen sich Opfer auch von Nachrichten via SMS oder Whatsapp in die Irre leiten.

Mit Nachrichten, wie etwa: „Hallo Mama, ich habe eine neue Nummer. Bitte lösche meine alte.“ Einmal das Vertrauen gewonnen, nutzen die Täter dies, um privateste Informationen über die Opfer zu sammeln oder direkt Geld zu ergaunern.

Polizei Brandenburg: So können Betrugsversuche durchschaut werden

Es gibt jedoch einige Tricks, um die Masche zu durchschauen. Die Polizei riet mithilfe der Schauspieler den Senioren in Schönow: „Sollten Sie einen solchen Anruf erhalten haben, legen Sie erst einmal auf. Nehmen Sie sich Zeit, über das vergangene Gespräch nachzudenken.“

War der Anrufer wirklich die Person, als die sie sich ausgegeben hat? „Rufen Sie die gespeicherte Nummer der Person an und testen Sie, ob die Person wirklich nicht mehr unter ihrer alten Nummer zu erreichen ist. Das Wichtigste: Geben Sie keine persönlichen Daten über das Telefon weiter, bevor Sie sich nicht absolut sicher sind, dass es sich um die Person handelt, als die sie sich ausgibt.“

Im Zweifel sollte die Polizei verständigt und alles geschildert werden. Die Beamten können womöglich besser einschätzen, ob das am Telefon nicht doch Verbrecher waren.

Polizei Brandenburg warnt vor Schockanrufen

Die Beamten des Präventionsteams der Polizei Brandenburg warnten auch vor einer anderen Masche: Der Anruf, vor dem sich jeder fürchtet. Die verzweifelte Tochter am Apparat. Es gab einen Autounfall, bei dem zwei Menschen starben. Die Tochter sei bereits bei der Polizei und dies der letzte Anruf vor dem Gefängnis.

Jetzt muss gehandelt werden, schließlich will keiner die eigenen Kinder hinter Gitter wissen. Doch auch in dieser aufregenden Situation mahnt die Polizei zur Vorsicht. Panik ist genau das, was die Verbrecher hervorrufen wollen. Panische Menschen denken nicht, sie handeln im Affekt.

Bei der Veranstaltung in Schönow betonten die Polizisten: Kein Beamter, kein Anwalt, kein Vertreter staatlicher Stellen wird jemals am Telefon nach privaten und sensiblen Informationen verlangen. Erst recht fragen sie nicht nach finanziellen Belangen – und schon gar nicht, wenn man selbst nicht involviert ist, sondern ein Verwandter. Sollten am Telefon solche tragischen Nachrichten eingehen, vor allem in Verbindung mit finanziellen Forderungen, empfiehlt die Polizei, diese zu ignorieren.

Betrugsversuch: Telefonat beenden und die Polizei alarmieren

„Notieren Sie sich, was die vermeintlichen Beamten von Ihnen wissen wollten und was vorgefallen sein soll. Sie beenden das Telefonat und rufen unter der 110 oder in der Polizeiwache vor Ort an und schildern sie das Geschehene“, mahnten die Beamten. Die Polizei helfe bei der Einschätzung und klären den versuchten Betrug auf.

Und auch hier kann ein Anruf bei Verwandten helfen. Opfern eines solchen Anrufs wird empfohlen, die Person zu kontaktieren, die angeblich den Unfall hatte. So könne man prüfen, ob die Geschichte stimmt. Dabei hilft auch ein Anruf bei anderen engen Freunden oder Verwandten. Wenn kein Angehöriger von dieser vermeintlich ausweglosen Lage weiß, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um Betrug handelt.

Betrüger locken mit Gewinnen

Mit anderen Gefühlen, aber mit ähnlicher Absicht spielt der Gewinnanruf. Wer möchte nicht übers Telefon, per E-Mail oder SMS erfahren, spontan 50.000 Euro bei einem Gewinnspiel gewonnen zu haben?

Am anderen Ende der Leitung eine Person, die sich als Anwalt oder Teil der Firma ausgibt, die das Gewinnspiel veranstaltet. Um den Gewinn zu beanspruchen, müssten nur noch schnell 400 Euro überwiesen werden, dann nehme alles seinen Lauf. Und was sind schon 400 Euro, wenn man doch 50.000 Euro sein Eigen nennen darf?

Doch auch hier gilt es nichts zu überstürzen. Fragen Sie sich erstmal, ob sie überhaupt an einem Gewinnspiel teilgenommen haben. „Wer nicht bei Verlosungen mitmacht, kann auch nichts gewinnen“, so die Polizei. Auch bei der Frage nach der Kontonummer sollten die Alarmglocken schrillen. Es sollten keine persönlichen Informationen über das Telefon weitergegeben werden, auch wenn große Geldsummen locken.

Im Fall eines echten Gewinns würden die Glücklichen mit Sicherheit per Post mit Einzelheiten informiert. Beim Zahlen einer Geldsumme, um einen versprochenen Gewinn einzufordern, sollte generell Vorsicht geboten sein. In der Regel gebe es für kein Gewinnspiel solche Forderungen, mahnt die Polizei.

Nicht nur im Straßenverkehr: der Schulterblick sorgt für Sicherheit

Auch fernab des Telefons warten noch immer Betrüger und Verbrecher auf unvorsichtige Opfer. Ob an der Supermarktkasse oder am Automaten der eigenen Bank. Neugierige Blicke über die Schulter einer Person können eine Menge verraten, wie etwa den Pin, den Kontostand oder wo die EC-Karte aufbewahrt wird. Dabei können den Tätern auch andere Dinge ins Auge fallen. Wenn etwa der PIN auf einem Zettel im Portemonnaie aufbewahrt wird, wovon die Polizei dringend abrät, kann ein gezielter Blick eines Ganoven dies zu Tage fördern.

Sollten sich Bürger unsicher sein, ob es sich bei der Person hinter ihnen um einen Verbrecher oder nur um einen ungeduldigen Mitbürger handelt, empfiehlt die Polizei das direkte Gespräch. „Sprechen Sie die Person an und bitten höflich um Privatsphäre. Fühlen Sie sich weiterhin unwohl oder möchten die Person nicht ansprechen, brechen Sie den Vorgang ab. Entnehmen Sie ihre Karte und lassen die Person hinter ihnen vor.

Sie können sie Bank auch verlassen und später wiederkehren, wenn weniger los ist“. Dabei ist der Polizei besonders wichtig, dass die Bürger ihre EC-Karte so behandeln, als wäre sie Bargeld: Niemanden weitergeben, nirgends herumliegen lassen. Die Polizei warnte in Schönow eindringlich: „Weder Bankpersonal noch Polizeibeamte werden jemals nach der Pin fragen, also geben Sie nichts weiter!“

Dajana Rex-Thon (links im Bild am Pult) und das Brandenburger Polizeiorchester

Dajana Rex-Thon (links im Bild, am Pult) und das Brandenburger Polizeiorchester warnten gemeinsam in Schönow vor den häufigsten Betrugsmaschen in Brandenburg.

Ole Rockrohr

Polizei Brandenburg: Ständige Wiederholung sorgt für Sicherheit

Auch wenn die Polizei immer wieder vor diesen Maschen warnt, müsse die Thematik regelmäßig in das Gedächtnis der Menschen gebracht werden. „Wiederholung ist das A und O der Prävention“, sagte die Leiterin der Prävention bei der Polizei in Bernau, Dajana Rex-Thon, am Rande der Veranstaltung in Schönow. Diese Maschen funktionierten, weil die Opfer „aus ihrem Alltag gerissen werden“. Es helfe nur ständige Wiederholung, um sich alles einzuprägen. So können die Bürger für ihre eigene Sicherheit und ein Stück weit zur Sicherheit aller beitragen.