Bürgermeister: „Verkehrsinfarkt steht uns ins Haus“

Hat viele Pläne: Bürgermeister Maximilian Wonke ist seit einem Jahr im Amt. Der Panketaler hat noch einiges vor und verrät seine Visionen.
Sergej ScheibeSeit genau einem Jahr ist Maximilian Wonke Bürgermeister in Panketal. 365 Tage Zusammenarbeit mit alter und neuer Gemeindevertretung waren Grund genug, genauer nachzufragen.
Herr Wonke, Sie sind heute genau ein Jahr im Amt. Was haben Sie erreicht?
Wonke: Ich habe vor allem an Erfahrungen gewonnen. Ich kam ja aus dem politischen Bereich und konnte nun in die Verwaltungsarbeit schauen. Das Spielfeld des Bürgermeisters hat sich um dieses Gebiet deutlich erweitert. Erreicht habe ich wohl auch, dass wir zwischen Politik und Verwaltung ein vertrauensvolles Verhältnis pflegen. Ich bin angetreten mit dem Ziel, nicht gleich überstürzt viel vorzeigen zu können. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Stattdessen lasse ich mehrere Vorhaben vorbereiten, die in den kommenden zwei, drei Jahren Realität werden können.
Was wäre das konkret?
Nun, wir pflanzen sehr viel mehr Bäume im Ort und gehen mehr in die Gestaltung der Parks und Flächen. Eine Gemeinde mit 21 000 Einwohnern hat ein Anrecht auf schön gestaltete Grünflächen. Ansonsten haben wir mit der Senkung der Beiträge in der Straßenbaubeitragssatzung für die Anwohner viel erreicht, was mir wichtig war. Straßenbau soll nicht mehr kostenoptimiert geschehen, sondern auch nachvollziehbar für nachfolgende Generationen sein.
Was haben Sie nicht erreicht?
Die Einstellung des Pressereferenten hat sich hingezogen. Manches dauert einfach länger, als ich gedacht habe. So hat die Außenwirkung der Gemeinde, die mir am Herzen liegt, noch keinen maßgeblichen Schritt nach vorn gemacht. Die Modernisierung der Verwaltung ist auf dem Weg. Ich arbeite flach hierarchisch, jeder Mitarbeiter kann jederzeit zu mir kommen. Leider stellt es sich schwerer dar als gedacht, eine Partnergemeinde in Frankreich zu finden. Ich bleibe da aber am Ball.
Das größte Projekt der nächsten Jahre wird der Neubau eines Grundschulstandortes sein.
Ja, das nächste Jahrzehnt wird davon bestimmt. Das ist absolute Chefsache für mich. Alles läuft bei mir zusammen. Es handelt sich um ein außergewöhnlich großes Projekt. Im August feiert die Zepernicker Grundschule ihren 110. Geburtstag, das macht mir die historische Dimension der Entscheidung noch bewusster. Da bin ich froh, dass die Gemeindevertretung die Beschlüsse bisher mitgetragen hat.
Darüber hinaus gibt es sehr viele Arbeitsfelder. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Vor allem bei unseren Verkehrsproblemen und dem Wunsch, einen Zehn-Minuten-Takt bei der S-Bahn zu erzielen, nehme ich kein Blatt vor den Mund. Ob bei den Akteuren auf Landesebene oder in Berlin mache ich deutlich, wie sehr wir in der Zwickmühle stecken. Da gibt es nichts schön zu reden. In Berlin als unserer Partnergemeinde mache ich klar, dass wir den Wohnungsmarkt in der Hauptstadt entlasten. Viele junge Familien ziehen zu uns. Das können wir nicht beeinflussen, auch wenn wir nicht mehr so groß wachsen wollen. Den aktuellen, kritischen Zustand müssen wir dennoch bewältigen. Vor allem, wenn man sieht, wie Bernau oder Buch und Blankenburg zulegen. Aktuell habe ich die Befürchtung, dass wir gegen die Wand fahren. Der Verkehrsinfarkt steht uns ins Haus. Wir können nur mit dem Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn die Kanäle in die Hauptstadt wirkungsvoll entlasten. Die Kommunikation der Bahn während der Bauarbeiten ist da wirklich unterirdisch.
Wie am Bahnhof Röntgental?
Da laufen wir bei der Bahn gegen die Wand. Es ist unklar, wer die Veräußerung von Flächen übernimmt oder sich verantwortlich fühlt. Immerhin wollen wir Fahrrad- und Fahrzeugstellplätze bauen. Aber der Dienstleister S-Bahn, der sich eigentlich selbst darum kümmern müsste, kooperiert in keiner Weise. Das ist nicht zu verstehen. Immerhin handelt es sich um die Kunden der Bahn. Das würde bei einem Supermarktbau doch keiner akzeptieren.
Was bekommen die Mitglieder der ersten regulären Gemeindevertretung im August von Ihnen auf den Tisch?
Das werden die Hauptsatzung, Geschäftsordnung und Aufwandsentschädigungssatzung sein, um sich den Rahmen für die nächsten fünf Jahre zu geben. Es wird auch um das Birkenwäldchen gehen. Der Wille ist erklärt, nun geht es darum, ein kompliziertes, langwieriges Verfahren zur Rückabwicklung eines gültigen Bebauungsplanes zu vereinfachen und den Waldspielplatz zu bauen. Ich werde dazu Vorschläge unterbreiten. So könnte es reichen, einen Teil des Bebauungsplanes zu ändern. Ich hoffe, dass wir mit dem Wohnungsbau und der neuen Turnhalle vorankommen.
Einiges ist schon lange in der Pipeline. Zum Beispiel die Neu-Vergabe der Stromkonzession. Oder der Bau der Entwässerung an der L200.
Bei der L200 ist der Landesbetrieb Straßenbau mit gefragt. Das dauert einfach. In Sachen Strom werden die Angebote der beiden Bieter aktuell abgegeben. Ich denke, dass wir bis zum Jahresende zu einem Abschluss kommen können und ab Januar einen neuen Konzessionär haben. Ich habe da keine Präferenzen, wir werden sehen, wer es am Ende wird. Wenn noch jemand das Verfahren beklagen möchte, kann es sich jedoch verzögern.
In der konstituierenden Sitzung wurde die neue Geschäftsordnung andiskutiert. Es wird Anträge aus dem neuen Gremium geben, auch in Richtung Werkausschuss. Mit der Kopplung an den Hauptausschuss sind einige wohl nicht zufrieden.
Ich werde mich dem Werkausschuss nicht verschließen, wenn es von den Gemeindevertretern gewünscht ist. Wie dieser dann konstruiert wird, muss sich in der Diskussion zeigen. Ich denke, dass es eher eine Art Beirat oder Aufsichtsrat sein kann. Die Kommunikation zwischen Eigenbetrieb und dem politischen wie öffentlichen Raum kann sich deutlich verbessern. Das halte ich für angebracht. Dafür müssen sich dann ehrenamtliche Kommunalpolitiker aber noch finden. Ich bin da sehr offen, wir haben nichts zu verbergen.
Werden sich die kompakten Sitzungswochen entzerren lassen?
Unser Vorschlag sieht das vor. Wir haben einige Modelle durchgesprochen. Entzerrung bedeutet, sich mehr Zeit für wichtige Themen zu lassen. Die Krux: Ich kann nicht mehr so aktuell beschließen oder zeitnahe Beschlüsse einbringen. Die Fristen zur Abgabe von Anträgen oder bei vertagten Beschlüssen verlängern sich. Es wird ein bisschen schwieriger, aber wir planen derzeit, die Fraktionssitzungen, Ortsbeiräte, Ausschüsse bis zur Gemeindevertretung über drei Wochen zu verteilen. Wir könnten auch um 18 Uhr mit den Beratungen anfangen, das scheint mir realistisch. So werden wir es im August vorschlagen. Ich bin sehr dafür.
Panketal in sieben Jahren, zum Ende Ihrer Amtszeit, wie ist Ihre Vision?
Die Gemeinde wird moderat gewachsen sein. Ich sehe eine Kitaplatz- und Kitavergabesituation, die Familien nicht mehr in Schwierigkeiten bringen kann. Ich sehe Panketal mit einer neuen, sehr beliebten Grundschule, die auch den ökologischen Standards entspricht. Wir werden nachhaltiger aufgestellt sein als heute, eventuell mit eigener Solarenergieerzeugung und neuen Technologien, die den Verbrauch wie die Erzeugung von Strom und Wärme günstiger gestalten. Da sehe ich sehr viel Potenzial in unserer Gemeinde. Ich sehe aber auch eine Gemeinde, die näher an die Herzen der Menschen gerückt ist, weil sie hier ihre Freizeit verbringen und in Panketal auch aktiv leben.
Zur Personund Gemeinde
Panketal hat mehr als 21 000 Einwohner. Seit einem Jahr sitzt Maximilian Wonke (SPD) auf dem Chefsessel. Der 32-Jährige führt eine Verwaltung mit mehr als 300 Mitarbeitern. Er ist nicht verheiratet, lebt aber mit seiner Lebenspartnerin und den drei gemeinsamen Söhnen in seinem Haus in Röntgental, die Eltern ganz in der Nähe. Das Hobby des Agrarökonomen sind Segeltörns auf der Ostsee. Aber auch Statistiken gehören seit dem Studium zu seinem Hobby. Maximilian Wonke, der von Freunden nur Max genannt wird, spricht fließend Französisch und Englisch. Er ist freundlich, selbstbewusst und aufgeschlossen.⇥li