Bus zwischen Bernau und Oranienburg: Neue Linie 825 startet in Barnim und Oberhavel

Startschuss für die neue Buslinie 825: Sie fährt ab Sonntag, 10. Dezember, täglich zwischen Bernau, Wandlitz und Oranienburg. Zur Jungfernfahrt stiegen am Mittwoch unter anderem die Landräte Alexander Tönnies (Oberhavel), Daniel Kurth (Barnim) und der Wandlitzer Bürgermeister Oliver Borchert (von links) in den Bus.
Tilman Trebs30 Kilometer und eine Handvoll Ortschaften liegen zwischen den Städten Bernau und Oranienburg. Autofahrer brauchen für die Strecke eine halbe Stunde, halbwegs sportliche Radfahrer 90 Minuten. Eine direkte Verbindung mit Bus und Bahn gibt es bislang nicht. Das wird sich am kommenden Sonntag ändern.
Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember geht die neue Buslinie 825 an den Start. Sie wird werktags von 5 bis 21 Uhr im Stundentakt und am Wochenende alle zwei Stunden zwischen Bernau und Oranienburg pendeln. Halten wird der Bus dabei in Wandlitz, Rahmersee, Wensickendorf und Schmachtenhagen sowie in der Bernauer Waldsiedlung und im Ortsteil Waldfrieden. Die Linie wird als PlusBus von der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) und der Barnimer Busgesellschaft (BBG) gemeinsam betrieben.
Umweg über Berlin fällt weg
Zur Jungfernfahrt mit geladenen Gästen hatte sich am Mittwoch gleich eine Reihe von Kommunalpolitikern und Landtagsabgeordneten in den Bus gesetzt, um den im Prinzip historischen Augenblick zu feiern. Denn trotz der relativ kurzen Distanz hatte es jahrzehntelang niemand geschafft oder für nötig gehalten, einen Bus über die Kreisgrenze fahren zu lassen. „Es ist schon absurd, dass man bislang erst nach Berlin fahren musste, um in die Nachbarschaft zu kommen“, brachte es Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) bei der feierlichen Inbetriebnahme der neuen Linie am Mittwoch auf den Punkt.

Die Jungfernfahrt der Buslinie 825 mit geladenen Gästen führte am Mittwoch von Oranienburg über Wandlitz nach Bernau.
Tilman TrebsTatsächlich müssen Pendler ohne Auto bislang aus Bernau und Oranienburg entweder mit der S–Bahn zur Bornholmer Straße oder mit dem Regional–Express bis zum Gesundbrunnen fahren, um dort in die Züge in die jeweils andere Stadt umzusteigen. Mit der schnellsten Verbindung ist das in einer Stunde geschafft.
Was bringt die neue Buslinie?
Der 825–er Bus ist mit einer Fahrplan–Zeit von 58 Minuten zwar kaum schneller. Er erspart zum einen aber das Umsteigen, zum anderen verdichtet er das ÖPNV–Angebot in den Kommunen an der Strecke. Durch den PlusBus wird zwischen Bernau und Wandlitz in den Stoßzeiten ein Zehn–Minuten–Takt möglich. Die Oranienburger Ortsteile Schmachtenhagen und Wensickendorf werden nun von zwei statt einer Buslinie angefahren.
„Für uns bedeutet das eine deutliche Verbesserung“, sagte Schmachtenhagens Ortsvorsteherin Karin Kittel. Allerdings würde sie sich wünschen, dass der Bus auch später am Abend noch ihren Ort ansteuert. Wensickendorfs Ortsvorsteher Heinz Ließke verwies auf der Jungfernfahrt auf den starken Grenzverkehr in seiner Gemeinde. „Viele ältere Leute bei uns im Ort fahren zum Einkaufen lieber nach Wandlitz als nach Oranienburg, weil dort weniger Verkehr ist. Nicht wenige haben auch ihren Arzt in Wandlitz. Insofern ist die Linie für uns ein großer Gewinn.“ Kleiner Wermutstropfen: Der 805er Bus (Oranienburg–Liebenwalde) wird künftig nur noch für den Schülertransport nach Wensickendorf fahren, ansonsten aber von Schmachtenhagen direkt nach Zehlendorf weiterfahren.
Bus hält auch auf der Grenze zwischen Barnim und Oberhavel
Heinz Ließke hatte sich mit seinem Stolzenhagener Amtskollegen Jürgen Krajewski zuletzt dafür eingesetzt, dass der neue Plusbus künftig auch in der auf der Grenze zwischen Barnim und Oberhavel liegenden Siedlung Rahmersee hält. Der Wunsch wird erfüllt. In Höhe des alten Gasthauses ist zunächst eine provisorische Haltestelle in Richtung Bernau eingerichtet worden. In Richtung Oranienburg wird der Bus direkt an der Kreisgrenze halten.

OVG-Verkehrsleiter Alexander Greiffenberg hat den Plusbus geplant und auf die Strecke gebracht. Bei der Premierenfahrt saß er selbst am Steuer des neuen 825er.
Tilman TrebsDer Wandlitzer Bürgermeister Oliver Borchert freute sich am Mittwoch nicht nur über den Zehn–Minuten–Takt nach Bernau. Er erzählte bei der Eröffnung der neuen Linie auch von einer Wandlitzerin, deren Lieblingscafé sich in Waren an der Müritz befindet. „Sie freut sich, dass sie jetzt von Wandlitz direkt zum Bahnhof Oranienburg und von dort mit dem RE5 nach Waren fahren kann. Nicht nur das macht mich optimistisch, dass die Verbindung auch angenommen wird.“
Brandenburgklinik und Hochschule der Polizei schneller erreichbar
Dafür, dass der Bus seine Fahrgäste findet, spricht auch, dass an der Strecke die Brandenburgklinik in der Waldsiedlung, das Herzzentrum Brandenburg in Bernau und auf Oberhaveler Seite die Gedenkstätte Sachsenhausen, die Hochschule der Polizei Brandenburg und fußläufig erreichbar auch die Turm–Erlebniscity liegen. „Für unsere Nachwuchs–Polizisten freut mich, dass sie die Hochschule nun auch aus dem Barnim schneller erreichen“, sagte Landrat Daniel Kurth (SPD). Mit Blick auf Klimawandel, Verkehrswende und den starken Zuzug in die Region erklärte Kurth, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam in der Verantwortung stünden, attraktive Angebote im ÖPNV zu schaffen.
Die spannende Frage dieser Tage ist: Wird der PlusBus immer pünktlich fahren? Vor allem mit Blick auf die Großbaustellen in Bernau und den damit verbundenen Staus in der Stadt scheint das nicht gewährleistet. „Bernau ist eine Herausforderung, der Fahrplan eng gestrickt“, sagte Alexander Greifenberg, der bei der Oberhavel Holding die neue Linie geplant und auf die Strecke geschickt hat. „Es pendeln immer zwei Busse, aber nicht immer dieselben beiden. Sie werden immer wieder getauscht. Bleibt also ein Bus im Stau stecken, startet die Gegenrichtung trotzdem pünktlich.“
Die Fahrpläne für die Linie 825 zwischen Bernau und Oranienburg sind hier zu finden.


