Corona-Einschränkungen
: Musikschulunterricht per Internet klappt im Barnim gut

Die Musikschulen bleiben weiterhin geschlossen. Damit der Unterricht nicht ausfällt, setzen viele Lehrer aufs Internet.
Von
Tatjana Littig
Bernau
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  • Musikunterricht via Internet: Zu Beginn der Stunde hat Sophia Goldberg ein Handy auf dem Notenständer platziert. Auf diese Weise kann Jana Quilitzsch-Schommartz von der Musikschule Barnim ihr beim Üben zusehen und zuhören. Seit neun Jahren spielt das Mädchen bereits ihr Instrument. "Es ist ein Teil von mir", sagt die 14-Jährige.

    Musikunterricht via Internet: Zu Beginn der Stunde hat Sophia Goldberg ein Handy auf dem Notenständer platziert. Auf diese Weise kann Jana Quilitzsch-Schommartz von der Musikschule Barnim ihr beim Üben zusehen und zuhören. Seit neun Jahren spielt das Mädchen bereits ihr Instrument. "Es ist ein Teil von mir", sagt die 14-Jährige.

    Wolfgang Rakitin
  • Musizieren in der Musikschule: Der zehnjährige Augustin lernt an der Neuen Musikschule Bernau E-Bass bei Thomas Koch. Fraglich ist, wann der Präsenzunterricht weitergeht.

    Musizieren in der Musikschule: Der zehnjährige Augustin lernt an der Neuen Musikschule Bernau E-Bass bei Thomas Koch. Fraglich ist, wann der Präsenzunterricht weitergeht.

    Neue Musikschule Bernau
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Zunächst wurde an der Musikschule Barnim der Einzel-Instrumentalunterricht übers Internet angeboten. Jeder einzelne ihrer 16 Schüler habe dem zugestimmt, informiert Jana Quilitzsch-Schommartz. Doch das gilt nicht für alle Schüler der Musikschule. Einige hätten auch nicht gewollt oder seien technisch dafür nicht ausgestattet, erklärt Britta Fügener, die kommissarische Leiterin der Musikschule Barnim.

Der Unterricht bei Jana Quilitzsch-Schommartz findet über die Nachrichtendienste Google Duo und Skype statt, beide lassen Videotelefonie zu. Vom Handy, dem Tablet oder dem Laptop, das neben das Instrument platziert wird, schaut und hört die 43-Jährige ihren Schülern aus der Ferne zu. Ein Problem: die Zeitverzögerung bei der Übertragung. Jeder, der schon einmal Nachrichten mit Liveschaltung gesehen hat, kennt das. Bevor der Korrespondent auf die Frage des Moderators antwortet, geht Zeit ins Land. Die Eberswalderin hat verschiedene Dienste ausprobiert. „Google Duo und Skype haben die geringste Zeitverzögerung“, findet sie.

Abstriche muss sie trotzdem machen. „Der letzte künstlerische Feinschliff klappt übers Internet nicht“, sagt sie. Stattdessen liegt der Fokus auf Notentexten, auf dem richtigen Rhythmus, auf der Arbeit mit dem Pedal. Auch falsche Fingersätze kann sie raushören. "Die Kinder haben sich in den vergangenen vier Wochen wunderbar weiterentwickelt“, erzählt die Musiklehrerin. Nach dem Instrumentalunterricht wird inzwischen auch der Theorieunterricht übers Internet angeboten. Der Vorteil der Musikschule Barnim: Sie darf ebenso wie die Allgemeinbildenden Schulen eine Online-Lernplattform nutzen. Dort lädt Jana Quilitzsch-Schommartz Arbeitsblätter, Audiospuren und Videos hoch, auf die die Schüler von Zuhause aus zugreifen können. Ergänzt wird das Angebot der Musikschule durch Medien, die der Landkreis erworben hat, und die den Schülern über die Lernplattform ebenfalls zur Verfügung stehen.

Theorie per Videokonferenz

Jeden Dienstagabend findet seit dieser Woche eine Online-Videokonferenz zur Musiktheorie statt. Aktuell werden die musikalische Früherziehung und das Intrumentenkarussell übers Internet vorbereitet. Dafür produziert Jana Quilitzsch-Schommartz mit dem Handy auf dem Stativ kurze Videos in der Musikschule. Auf der Strecke bleibt derzeit die Ensemblearbeit.

So ist es auch an der Neuen Musikschule Bernau. Der Fokus liegt ebenfalls auf dem Einzel-Instrumentalunterricht übers Internet. Ein  großer Teil der Schülerschaft sei bei dem Online-Angebot mitgegangen, informiert Geschäftsführer Benedikt Standera. Gearbeitet wird an seiner Schule mit den Nachrichtendiensten Skype, WhatsApp und Zoom. „Es ist ein guter Kompromiss“, findet der 43-Jährige. Ein guter Kompromiss zu gar keinem Unterricht. Allerdings fehlt ihm „das direkte Regulativ der Lehrer“. Hinzu kommt: Es ist nicht die Leistung, die Schüler und Eltern gebucht haben.

Entsprechend groß ist der Wunsch des Bernauers und seiner knapp 50 Lehrkräfte, den regulären Betrieb alsbald wieder aufzunehmen. "Zumindest im Einzelunterricht“, fügt er an. „Abstands- und Hygienevorschriften können wir einhalten.“ Langfristig müsse aber auch die Arbeit in Gruppen wieder möglich werden. "Wofür mache ich das? Die Frage klärt sich im Orchester“, sagt Benedikt Standera.

Neben dem Gruppenunterricht fallen auch Auftrittsmöglichkeiten und Wettbewerbe für die Schüler vorerst aus. Jana Quilitzsch-Schommartz seufzt. „Ich wünsche mir von Herzen, dass es uns gelingt, die Kinder zu motivieren, damit sie dabeibleiben.“