Dick aufgetragen
: Peter Sodann leidet unter Weltschmerz

Schauspieler Peter Sodann las am Freitag in der Bibliothek Basdorf. Er hatte eine gehörige Portion Frust dabei.
Von
Klaus Kleinmann
Basdorf
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Peter Sodann

dpa

Peter Sodanns Memoiren heißen „Keine halben Sachen“. Am Freitag las er daraus auf Einladung des Basdorfer Vereins der Freunde und Förderer der Bibliotheken in der Bibliothek am Georges–Brassens–Platz. Auf den Titel angesprochen, bekennt der Verfasser, dass diese Formulierung vom Verlag ausgewählt wurde. Sein eigener Arbeitstitel habe geheißen: „Dreimal beschi... und trotzdem gelebt.“ So fühlt er sich offenbar, und so redet er auch.

Das ist bei Licht betrachtet kein Wunder, denn er hat die Hitlerzeit, die DDR und die Wende erlebt. Das reicht, um eine gehörige Portion Frust weg zu haben. Die Zuhörer waren in dem Alter, das nachfühlen zu können. Sie wussten, was es heißt, wenn Arbeitsplatz, Lebensperspektive und politische Ideale wegrationalisiert werden. Peter Sodann konnte sich also verstanden fühlen, wenn er über unfähige Entscheidungsträger, profitgierige Wessis, über mangelnde Intelligenz und Bildung grantelte, um am Schluss auf einer kleinen Spieluhr die Internationale zu klimpern.

Aber musste er denn so dick auftragen? Dieser Mann hat doch etwas erreicht: Nationalpreis der DDR, Deutscher Kritikerpreis, Bundesverdienstkreuz erster Klasse, nahtlose Filmkarriere über die Wende hinweg, Tatort–Kommissar in über 20 Folgen, Ehrenbürger von Halle — all das und noch viel mehr reicht offenbar nicht aus, um ihn positiv auf das Leben blicken zu lassen. Schade, dass es Peter Sodann nicht gelingt, auch die humorigen Seiten gebührend zu würdigen.