Drogen in Bernau
: 17-Jähriger tot, Freundin (16) wohl missbraucht – Täter gesucht

In Berlin sind zwei Jugendliche aus dem Umkreis von Bernau brutal überfallen worden. Ein 17-Jähriger verstarb.
Von
Britta Gallrein
Bernau
Jetzt in der App anhören
Schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit kann dazu führen, dass jemand K.-o.-Tropfen in den Drink schüttet.

Schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit kann dazu führen, dass jemand K.-o.-Tropfen in den Drink schüttet.

Christian Thiele/dpa
  • Zwei Jugendliche aus Bernau wurden in Berlin überfallen; ein 17-Jähriger starb, Freundin (16) missbraucht.
  • Spendenaktion auf „Gofundme“ gestartet, Ziel: 50.000 Euro für Ermittler und Therapien; bisher 7.729 Euro gesammelt.
  • Berliner Polizei bestätigt Todesermittlungen und mögliche Straftaten; Untersuchungen laufen.
  • Freund der Familie beschreibt den Fall und sucht Gerechtigkeit.
  • Vater der 16-Jährigen empfiehlt Eltern, Drogentests bei ihren Kindern durchzuführen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zwei Jugendliche aus der Nähe von Bernau sind Opfer eines schweren Verbrechens geworden. Ein 17-jähriger Junge wurde getötet, seine 16-jährige Freundin mutmaßlich vergewaltigt. Familien und Freunde sind fassungslos. Mit Mitteln aus einer Spendenaktion soll die Aufklärung des Falles angekurbelt werden.

„Das Jahr 2025, welches für das junge Paar so wundervoll begann, sollte schon bald das schrecklichste Jahr in ihrem Leben werden“, heißt es im Text zu der Spendenaktion, die auf der Plattform „Gofundme“ gestartet wurde. Dort beschreibt Lennart Lieckfeldt, bester Freund des Vaters der 16-Jährigen, was inzwischen über den Fall bekannt ist.

In Berlin mit ihnen unbekannten Leuten getroffen

Für beide Jugendlichen sei es die große Liebe gewesen. „Beide hatten Schmetterlinge im Bauch und noch so viel vor“, schreibt er.

Am 9. Januar hätten sich die beiden in Berlin mit ihnen unbekannten Leuten getroffen, schildert Lennard Lieckfeldt. „Die Unbekannten reichten den beiden Jugendlichen Getränke. L. und H. ahnten nicht, dass die Getränke mit K.-o.-Tropfen und anderen Substanzen versehen waren. Leider bemerkten sie die Falle erst, als die Wirkung der Gifte eintrat.“ Dann sei alles sehr schnell gegangen.

Beide Jugendliche hätten keine Kontrolle mehr über ihren Körper gehabt und das Bewusstsein verloren.

Rettungskräfte können dem 17-Jährigen nicht mehr helfen

Entgegen der Absprache mit den Eltern seien beide Kinder an diesem Abend nicht nach Hause gekommen. „Es war die schlimmste Nacht elterlicher Sorgen, die man sich vorstellen kann. Am nächsten Morgen gab es endlich einen Anruf von Ersthelfern, welche das halbnackte, völlig verzweifelte und um Hilfe schreiende Mädchen fanden und sofort die Rettungskräfte alarmierten.“

Für den 17-jährigen Jungen hätten die Rettungskräfte nichts mehr tun können. „Er war bereits verstorben“, beschreibt es der Ersteller des Spendenaufrufs. Die 16-Jährige habe unter Schock gestanden. Ihr Körper soll offensichtliche Spuren von psychischer und sexueller Gewalt aufgewiesen haben. Beide Jugendliche seien ausgeraubt worden.

Was genau passiert ist an diesem fatalen Abend in Berlin-Weißensee, dazu äußert sich der Freund der Familie mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Polizei hat Ermittlungen eingeleitet

Auf Nachfrage bestätigt die Pressestelle der Berliner Polizei jedoch den Fall. „Wir können bestätigen, dass ein 17-Jähriger nach dem Konsum von Alkohol und Betäubungsmitteln um 9. Januar dieses Jahres zu Tode gekommen ist. Die Kriminalpolizei der Polizeidirektion 1 (Nord) hat hierzu ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, das noch nicht abgeschlossen ist. Ob es in diesem Zusammenhang zu Straftaten durch Dritte kam und welche Hintergründe das Geschehen hatte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.“

Auch im Verfahren wegen eines etwaigen Sexualdeliktes werde derzeit weiter ermittelt. Die Polizei teilt außerdem zum Tod des 17-Jährigen mit: „Bei der gerichtlichen Sektion konnten ausgeprägte Zeichen eines sauerstoffmangelbedingten Hirnschadens festgestellt werden. Zur weiteren Beurteilung wurden chemisch-toxikologische Untersuchungen eingeleitet, deren Ergebnis noch aussteht.“

Mit den Spenden sollen private Ermittler bezahlt werden

Seit diesem Abend quälten ihn immer die gleichen Fragen, beschreibt es der Freund der Familie im Spendenaufruf. „Warum wurden die beiden so plötzlich und unerwartet durch unvorstellbare Qualen mit Todesfolge getrennt? Warum musste L. aus dem Leben gerissen werden? Was geschah mit H.? Wer war der oder wer waren die Täter?“

Er wolle Gerechtigkeit, sagt der Initiator der Spendenaktion. „Zu den bereits laufenden Ermittlungen möchten wir zusätzlich private Ermittler beauftragen, um möglichst schnell endlich Licht ins Dunkel zu bringen. Es ist für uns von enormer Wichtigkeit, dass die Täter gefasst werden und dass es keine weiteren Opfer mehr geben wird.“

Um die dafür anfallenden Kosten zu decken, sei man dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

16-Jährige soll spezielle Therapien erhalten

Auch soll die 16-Jährige möglichst gut dabei unterstützt werden, die Geschehnisse der verhängnisvollen Nacht zu verarbeiten. „Es fällt ihr schwer, überhaupt aufzustehen. Alles ist aus den Fugen geraten und auch das Grundvertrauen in andere Menschen ist stark erschüttert. Der Schmerz vom Verlust ihres Lieblingsmenschen wiegt so unendlich schwer. Es könnte auch meine Tochter oder mein Sohn sein. Ich fühle mit beiden und allen anderen Angehörigen so sehr mit. Es bricht mir das Herz.“

Mit dem Spendengeld wolle man hier helfen. Sie werde viele spezielle Therapien benötigen, um Heilung zu erfahren und wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken zu können. Nicht alle Therapien und Behandlungen würden von der gesetzlichen Krankenkasse oder der Opferhilfe getragen, weiß der Freund der Familie.

Verdacht des Spendenbetrugs lag nicht vor

7.729 Euro sind bislang eingegangen. Damit ist man noch weit entfernt von den angestrebten 50.000 Euro. Ein Fernsehsender hatte berichtet, die Staatsanwaltschaft ermittele wegen des Verdachts eines Spendenbetrugs. Dies sei aber nicht der Fall, klärt Anja Dierschke, stellvertretende Leiterin der Pressestelle der Berliner Polizei, auf.

„Ein Anfangsverdacht des Spendenbetruges lag und liegt nicht vor, da sich der Sachverhalt, auf den sich die Spendenanfrage bezieht, so zugetragen hat und bisher keine Anhaltspunkte für eine Täuschungshandlung des Initiators vorliegen“, stellt sie klar.

Vater empfiehlt gelegentliche Drogentests

Der Vater des 16-jährigen Mädchens appelliert an alle Eltern, genau auf ihre Kinder zu achten. „Wie ich inzwischen erfahren habe, scheint die Modedroge Benzodiazepine sehr verbreitet zu sein. Sie wird der Grund dafür gewesen sein, dass meine Tochter und ihr Freund mit Fremden mitgegangen sind und von ihnen Getränke angenommen haben“, sagt er. Denn Benzodiazepine wirken beruhigend und angstlösend. „Die Kinder haben keine Wahrnehmung mehr für Gefahren“, schildert er die Wirkung des Arzneistoffes.

In den vergangenen Wochen habe er viel über das Thema gelesen und mit Ärzten darüber gesprochen, so der Vater der 16-Jährigen. Eltern, die den Verdacht hätten, ihr Kind könnte mit Drogen in Kontakt gekommen sein, rät er, gelegentlich einen Drogentest bei ihrem Kind durchzuführen. Diese bekommt man unter anderem in der Apotheke oder kann sie online bestellen.