Einzelhandel: Die Umgebung passt nicht
Weil der Mode–und Kosmetikkonzern die Nähe der Bahnhofspassage zum Bahnhof und die umliegenden Kleingärten stören, erhielt die Parfümerie Köhler keine Autorisierung mehr zum Verkauf von Chanel–Produkten. Deutschlandweit sind zahlreiche Läden davon betroffen.
Wenn man in der Parfümerie Köhler in der Bernauer Bahnhofspassage nach Düften und Pflegeprodukten der Marke Chanel sucht, wird man seit einiger Zeit nicht mehr fündig. Die Parfümerie ist nicht mehr autorisiert, Produkte der bekannten französischen Marke zu verkaufen, da Vertretern die Umgebung rund um die Bahnhofspassage nicht gefällt.
Für Karin Köhler ist es keine ungewöhnliche Situation, denn jahrelang durfte die Bernauerin keine Chanelprodukte verkauften, doch mit einem Vertreterwechsel änderte sich alles. Plötzlich stand die französische Marke auch im Regal in ihrem Laden in der Bernauer Bahnhofspassage. „Wir haben super Umsätze gemacht. Die Pflegeprodukte waren erfolgreich und die Leute waren dankbar, dass wir endlich Chanel angeboten haben“, erinnert sich die 62–jährige.
Doch nach zwei Jahren änderte sich erneut alles. Ein neuer Geschäftsführer der französischen Firma hatte die Aufgabe, die Anzahl der Geschäfte zu reduzieren. Ähnlich wie in Autohäusern kommen Außendienstmitarbeiter der jeweiligen Firma und schauen sich genau an, ob der Verkaufsraum angemessen ist. „Fußboden, Decke, Einrichtung, alles muss für die Vertreter stimmen“, so Karin Köhler.
Beim letzten Besuch hatten die Vertreter von Chanel jedoch einiges zu beanstanden. Durch den Mitarbeitereingang kamen die Vertreter in die Passage und bereits dort störten sie die Mülltonnen, die sich in der Nähe des Personaleingangs befanden. Hinzu kam, dass an den Wänden Graffiti zu sehen war. Außerdem waren ihnen die umliegenden Schrebergärten, von denen einige ein Wellblechdach hatten, zu dicht dran und die Nähe zum Bahnhof war den Vertretern ein Dorn im Auge. „Den Bahnhof konnten wir leider nicht abtragen. Der steht dort schon eine Weile“, kommentierte die Ladenbesitzerin süffisant. In Berlin würde Chanel direkt im Hauptbahnhof verkauft werden und in Hannover habe sie einen Douglas mit ausgebrochenen Holzregalen gesehen, der Chanel verkauft habe. „Sie haben sich wohl die kleinen Läden gesucht, die sich nicht so einfach wehren können“, so die gelernte Apothekenfacharbeiterin.
Doch Karin Köhler war nicht als einzige betroffen. Deutschlandweit mussten zahlreiche private Parfümerien die Produkte aus dem Sortiment nehmen. Doch der Verband YBPN, ein Zusammenschluss von 1300 privaten Parfümerien, dem auch Karin Köhler angehört, entschloss sich dagegen zu klagen. „Leider hat das aber nicht funktioniert und es wurden ein paar 100 000 Euro in den Sand gesetzt“, so Köhler.
Chanel sei dabei momentan noch die einzige Marke, die solch einen Kurs fahren würde. „Aber die Firma Dior fängt auch langsam an“, sagt die Bernauerin. Dabei hat sie die Sorge, dass auch noch weitere Marken mit ihrer Verkaufsfläche nicht mehr einverstanden sind, denn ihr Laden liegt direkt neben dem gastronomischen Angebot der Einkaufspassage. „In der unteren Etage sind zwei Läden frei geworden, da gab es schon die Überlegung, dort hinzuziehen.“
Karin Köhler eröffnete ihre erste Parfümerie 1992 mit ihrem Mann in der Bernauer Innenstadt. Mit der Erweiterung der Bahnhofspassage zog man dorthin um. Mittlerweile betreiben sie noch weitere Geschäfte in Eberswalde, Strausberg und Fürstenwalde.

