Existenzkampf: Landwirtschaft leidet unter Dürre und Politik

Trotz einer schwierigen Ernte: Karsten und Babette Hübner können ihre Erträge in ihrem Hofladen in Danewitz verkaufen.
Sergej ScheibeInsgesamt muss man sagen, es ist alles ein bisschen besser als letztes Jahr gelaufen. „Ganz so schlimm wie im vergangenen Jahr war es nicht, dadurch dass dieses Jahr im Juni nochmal Regen fiel“, sagt Landwirtin Babette Hübner. Die Erntezeit ist vorbei, Landwirte ziehen Bilanz. Hübners Familienbetrieb lebt vor allem von seinem Hofladen und von Markterträgen. Dennoch hat die Firma mit dem ökologischen Betrieb große Einbußen: „Wir haben 70 Prozent der Erdbeeren verloren, bei Äpfeln und Birnen hatten wir einen Komplettverlust. Bei Getreide ernteten wir höchstens 40 Prozent, bei manchen Sorten hatten wir Totalausfall.“ Ihr Betrieb ist zum Glück breit aufgestellt: Neben Obst und Gemüse züchtet sie noch Rinder, Schweine, Enten und Gänse, die vor allem in der Weihnachtssaison gute Erträge versprechen.
Es geht nicht nur um das Wetter
Es ist das dritte Jahr in Folge, dass die Ernte schlecht ausfällt. Vor allem in ökologischen Betrieben liegen die Erträge etwa 30 bis 50 Prozent unter dem, was herkömmliche Betriebe erzielten. Der Landkreis zieht Bilanz: Getreide– und Rapsernte liegen „wesentlich über den Vorjahreserträgen. Sie erreichten aber auch erneut nicht den fünfjährigen Durchschnitt von 2014 bis 2018.“
Doch ist vieles nicht, wie es sein sollte. Nicht nur das Wetter beschäftigt Brandenburger Landwirte. Stattdessen wird vor allem über Politik gesprochen. „Mit Getreide können wir nicht mal unseren Betrieb sichern. Dafür sind die Getreidepreise einfach zu schlecht,“ sagt Landwirt Sören Kilian aus Marienwerder. „Betriebe aus dem Ausland drücken mit ihrem Produkt auf unseren Markt. Ohne die Kosten, die wir haben. Wir haben hier Mindestlohn, wir haben andere Vorgaben zur Tierhaltung, wir haben ganz andere Gesetze, sodass die einfach viel billiger produzieren können als wir. Da werden wir in Zukunft umstellen müssen.“ Seine Ernte ist zwar durchschnittlich, aber er muss feststellen: „Die politische Seite hat viel mehr Auswirkungen als das Wetter.“
Obwohl alle Landwirtschaftsbetriebe durch die Dürre schlechter geerntet haben, sei der Preis für Getreide im Keller. „Normalerweise ist es so: Ist es trocken, haben wir weniger Getreide. Wenn dann die Nachfrage bleibt, geht der Preis hoch. Aber jetzt, durch die Importe aus Litauen, Ungarn und Rumänien geht der Preis sogar noch runter.“ Er wisse nicht, wie es in Zukunft weitergehen soll, ob sich der Getreideanbau überhaupt noch für seinen Betrieb lohnt. „Wir Bauern sind das Opfer der Politik.“
Unfairer Wettbewerb
Auch Landwirt Jürgen Giese spricht von Umstellung. Er hat sich in der Region rund um Sydower Fließ einen Namen mit seinem Spargel gemacht, und der Verkauf lief trotz schwieriger Ernte durch seine Stammkunden gut. Dennoch hat er schlechte Nachrichten: „Wir werden uns davon verabschieden müssen.“ Vor allem aus dem benachbarten Polen komme zu große Konkurrenz, sodass er mit seinen Preisen nicht mithalten könne. „Das liegt unter anderem daran, dass in Polen der Mindestlohn bei etwa drei Euro liegt, und ich bezahle einen Stundenlohn von 12,30 Euro“, erklärt er. Er muss daher das Doppelte der Konkurrenz für seinen Spargel verlangen. Statt Spargel wird Giese künftig mehr auf die Hühnerhaltung und den Verkauf von Freilandeiern setzen.
Giese und Kilian wünschen sich auch beide mehr Personal. „Früher waren wir in unserem Betrieb 27 Leute. Heute machen die gleiche Arbeit noch acht“, so Kilian. Neben dem überfluteten Getreidemarkt ist es ein Riesenproblem, dass Verbraucher bei Discountern einkaufen und nur den billigsten Preis für Lebensmittel zahlen. „Qualität ist Leuten egal, Hauptsache man wird satt“, sagt Giese. „Der Verbraucher fordert mehr Bio, mehr Nachhaltigkeit, mehr Ökologie. Aber dann will keiner auch nur einen Cent mehr bezahlen“, ist Kilian sauer.
Neue Strategien
Alle drei Landwirte sprechen davon, wieder näher an die Bevölkerung zu rücken, damit ihre Probleme mehr ans Licht kommen. Es geht eben nicht nur um das Wetter. Es gab Trockenheit, die herausfordernd war. „Aber eigentlich war es dieses Jahr auch sehr positiv, was die Natur doch noch geleistet hat. Manches haben wir sehr gut geerntet, da haben wir auch gestaunt, wie sie mit der Trockenheit doch zurecht gekommen sind“, sagt Jürgen Giese.
Babette Hübner fügt an, sie wolle unbedingt den Hofladen aufrecht erhalten, damit sie mit dem Kunden Kontakt aufnehmen kann. „Dann kann man auch mal erklären, warum die Kartoffel in so einem Jahr etwas kleiner ausfällt,“ sagt sie. Jürgen Giese möchte das ebenso tun: Er würde gerne einmal eine Art Tag der offenen Tür machen, um seine Hühnerhaltung zu zeigen. Sören Kilian hat die Idee bereits umgesetzt: Im September hatte er Menschen eingeladen, bei der Kartoffelernte mitzuhelfen. „Wir waren sehr, sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagt er und plant schon für nächstes Jahr. Vielleicht gibt es dann neben Kartoffeln auch ein paar Zwiebeln.