Beeren, Kräuter, Kohlsorten, Kartoffeln und Salat – in der ehemaligen Blumberger Schlossgärtnerei bauen Maria Natt und Isy Burmeister Biogemüse an – fast alle Sorten, die in diesen Breiten wachsen. Anfang Januar haben sie die ehemalige Schlossgärtnerei als Pächterinnen übernommen.
„Die Wintermonate nutzen wir um, den Acker vorzubereiten, auszumisten und verschiedene Ecken hier neu zu gestalten“, erklärt Isy Burmeister. Auch die Kohlstrünke müssen herausgerissen und die Ware, die an den Markttagen zurückkommt, muss neu sortiert werden. Isy Burmeister und ihre Mitstreiterin Maria Natt sind fröhlich und etwas aufgeregt. Erst im Januar haben sie den Pachtvertrag für das 3,7 Hektar große Gelände in der Blumberger Krummenseer Straße unterzeichnet. Seitdem führen sie ihren neu gegründeten GbR-Betrieb mit einer Auszubildenden und zwei Mini-Jobberinnen.
Ihr Vorteil: Sie wissen absolut, worauf sie sich damit einlassen. Die beiden 30-jährigen Gründerinnen kennen das Gelände, haben ihren Beruf von der Pike auf gelernt. Beide haben ihre Ausbildung bei Giseltraut Sabeh hier in Blumberg absolviert. Isy Burmeister ist dann als angestellte Gärtnerin auf dem Hof geblieben und hat sich berufsbegleitend zur Meisterin im Gemüseanbau weiterbilden lassen. Maria Natt arbeitete nach ihrer Ausbildung erst in Blumberg weiter, gärtnerte aber zwischenzeitlich auch einige Jahre in Kanada und den USA. Dort hat sie einiges über „Nacherntemanagement“ gelernt. Was muss mit dem Gemüse passieren, damit es frisch an den Kunden kommt? „Früher war Frische für mich eher ein hohler Slogan, den man überall beim Discounter liest, aber man kann wirklich viel dafür tun“, erklärt die Gärtnerin.
Die kalte Jahreszeit nutzen die Neu-Unternehmerinnen auch, um ihr zukünftiges Geschäft – Ausgaben, Erträge, Vermarktungsmöglichkeiten – durchzukalkulieren: „Wir haben viel Zeit in die Geschäftsplanung gesteckt und sind viel am Rechnen“, erklärt Maria Natt.
Ihre ehemalige Chefin Sabeh wohnt nach wie vor auf dem Gelände der alten Schlossgärtnerei. Mit Fragen zur Infrastruktur – wie, welchen Durchmesser hat nochmal die Wasserleitung? – können die beiden zu ihr kommen, ansonsten überlässt sie den Jungunternehmerinnen das Feld. Giseltraut Sabeh hatte das Gelände 1992 von der örtlichen LPG übernommen, die hier wohl Zierpflanzen produzierte. Die Gewächshäuser stammen noch aus dieser Zeit, zwei davon sind sogar noch vor dem letzten Weltkrieg errichtet worden, so hat das Maria Natt wenigstens überliefert bekommen.
Giseltraut Sabeh hatte nach der Wende den Hof gekauft und hier Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Frauen durchgeführt. Das Programm lief aus, die „Weiberwirtschaft“ wurde beibehalten. Isy Burmeister und Maria Natt wissen das zu schätzen. Wenn nur Mädchen oder Frauen mitarbeiten, sind diese selbstbewusster und fühlen sich für alles zuständig, meinen die beiden. „Diskussionen darum, wer auf dem Trekker sitzen darf, kennen wir nicht“, so Isy Burmeister, geboren in Friedrichshain kurz vor der Wende und auch dort aufgewachsen. Heute pendelt sie zwischen Lichtenberg und Blumberg hin und her. Wegen Freunden und der kulturellen Angebote will sie das Leben in der Stadt nicht ganz aufgeben. Gegen Männer haben die beiden aber überhaupt nichts einzuwenden, ab und zu hat auch schon einer hier mitgearbeitet.
Regelmäßig in Berlin sind die Blumberger Biogärtnerinnen auch, um ihr Gemüse auf den Wochenmärkten anzubieten. An die Stände dort kommt zu 85 Prozent Stammkundschaft, wie Maria Natt stolz erklärt. In Blumberg findet immer freitags von elf bis 16 Uhr der Hofverkauf statt. Außerdem beteiligen sich die Gärtnerinnen am Online-Vermarktungskonzept „Markschwärmereien“. Dabei wird im Internet bestellt, danach kann das gepackte Gemüse vor Ort abgeholt werden.
Dass mit einem Gärtnerhof kein schneller Euro verdient werden kann und im Sommer bis zu 70 Wochenstunden Arbeit anfällt, wissen die Jung-Unternehmerinnen. Aber darauf lassen sie sich gerne ein. „Wir gehen jeden Tag auf den Acker und denken dabei: Wie geil, das ist mein Leben!“, schwärmt Isy Burmeister. Ab August suchen die Gärtnerinnen eine neue Auszubildende. Wer also dieses harte, aber erfüllende Landleben teilen möchte, kann sich ja bewerben.