Die Gegend um Ruhlsdorf und Marienwerder ist reich an Seen. Wer in Ruhe baden möchte, wird sicher ein Eckchen finden. Sorge, dass es mit dem Frieden bald vorbei sein wird, haben allerdings die Camper vom Ruhlesee. "Die Geräuschbelästigungen durch die Wasserskianlage, das Sommerkino und andere Veranstaltungen nehmen jetzt schon zu", schreiben die Camper vom Ruhlesee. Viele sind Berliner und kommen seit Generationen auf Familiencampingplatz im Wäldchen direkt am Wasser. Die Stellungnahme haben 113 von ihnen unterzeichnet.
Zwei Teile des Ruhlesees sind durch eine Landzunge von einander getrennt. Vorne an der Straße tobt das Leben. Viele jüngere Leute fahren dort Wakeboard und Wasserski. Ihnen steht eine 920 Meter lange Seilbahn zur Verfügung, die die Wassersportler rings um den See zieht. "Die längste Bahn in Brandenburg", wirbt Betreiber Markus Gerlitzki auf seiner Webseite.
Nun will er das seit 20 Jahren bestehende Wasserski-Ressort erweitern – und zwar über die Landzunge hinweg auf den zweiten Seeteil. Obwohl dieser von Campern, Paddlern, einer Tauchschule, von Kinderferien-Anlagen und den Besitzern diverser Wochenendhäuser genutzt wird, war dies bisher das ruhigere Ende des Ruhlesees. Schon seit rund zwei Jahren plant dort Markus Gerlitzki eine zweite kleinere Zwei-Masten-Anlage für die Wasserski-Anfänger. Die Zugbahn soll von zwei Stegen umsäumt werden. Auch Wasserspielzeug wie große aufblasbare Rutschen sind angedacht. Auf der Fläche des Campingplatzes ist zudem ein Kletterpark vorgesehen.
Auf Bedenken von Einheimischen hin und nach Beratungen mit der Gemeindevertretung Marienwerder hatte Investor Gerlitzki seinen ersten Entwurf bereits umgearbeitet. So drehte er auf Betreiben der Angler hin die Anlage um 90 Grad. Die neue Wasserskistrecke soll nur bei Bedarf betrieben werden, sagte Gerlitzki damals. Eine aktuelle Stellungnahme war von ihm leider nicht zu bekommen.
Derzeit liegen die aktuellen Pläne noch bis zum 9. August in der Amtsverwaltung von Biesenthal-Barnim, Plottkeallee 5, aus. Jeder kann dort Hinweise und Kommentare abgeben. "Die Stellungnahmen beschäftigen sich im Kern mit dem  Lärm durch Feste oder Badegäste", fasste Amtsdirektor André Nedlin nach einer ersten Sichtung am Dienstag zusammen. Planungsrechtliche oder baurechtliche Einwände habe es nicht gegeben. Nedlin kann sich vorstellen, dass bei der Planung noch mit Lärmschutzmaßnahmen nachgebessert werden muss.
"Die Gemeinde Marienwerder unterstützt das Vorhaben", erklärt Marienwerders Bürgermeisterin Annett Klingsporn. Sie konstatiert in diesem Sommer eine "deutlich erhöhte Aufmerksamkeit" an dem Projekt, wie sie auf Nachfrage der MOZ schreibt. "Von großer Zustimmung bis zu großer Sorge ist alles im Meinungsspektrum dabei", so die Bürgermeisterin weiter. Die Gemeindevertretung und der Ortsbeirat von Ruhlsdorf setzten jetzt auf das vermittelnde Gespräch, um ein gemeinsames Grundverständnis aller Beteiligten herzustellen.
Den Campingplatz am Ruhlesee mit seinen Dauercampern hat Markus Gerlitzki mitgepachtet, er heißt jetzt wie der Rest der Anlage "Wake&Camp". Die Dauercamper sind sauer, weil sie in den letzten zwei Jahren von ihrem Campingplatzverwalter nicht in die laufende Planung eingeweiht wurden. Erst jetzt, kurz vor Ende der Öffentlichkeitsbeteiligung, bekamen sie Wind von dem Projekt vor ihrer Nase. Inzwischen haben sie schon zwei Versammlungen organisiert, zu denen auch Gerlitzki kam. Die Partys an der Wasserskianlage seien jetzt schon viel zu lang und zu laut, klagen die Camper. Darüber hinaus parkten die Besucher die Landstraße zu. "Der See ist doch viel zu klein für diese zahlreichen Aktionen", schreiben die in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.