Fußball-EM 2024: Public Viewing um Bernau – wo Fans die Spiele sehen können

Erinnerungen an 2012: Auf der Fanmeile in Berlin kamen Tausende Menschen zusammen, um der deutschen Mannschaft das Beste zu wünschen und beim Siegen zuzusehen.
Sebastian Kahnert/dpaWenn Deutschland am Freitag (14. Juni) gegen die Schotten die Heim-EM eröffnet (Anstoß 21 Uhr), dann sind die Hoffnungen auf ruhmreiche Siege der deutschen Nationalmannschaft riesengroß. „Ich würde mir eine Wiederholung von 2006 wünschen, das wäre toll“, sagt Rolf Weinhold, Vorsitzender bei SG Union 1919 Klosterfelde.
Der 67-Jährige gehört zu den glühenden Fans der hiesigen Fußballer. Den dritten Platz erkämpfte Deutschland bei der WM 2006, das könnte nach Weinholds Vorstellung auch das aktuelle Minimalziel sein. Der Klosterfelder Vorsitzende dürfte damit zu dem Kreis von Fans gehören, die besonders hohe Erwartungen hegen und die natürlich Fußball in Gemeinschaft erleben wollen. „Für Vereinsmitglieder und auch Gäste sind unsere Türen im Vereinshaus offen“, verspricht Weinhold für den Freitagabend und für alle deutschen Spiele.
Wenn ab 21 Uhr der Ball rollt, dann dürfte auch längst der Zapfhahn in Hochform sein. Denn weder hungrig noch staubtrocken sollen die Gäste nach dem „hoffentlich überzeugenden Sieg“ nach Hause gehen.
Am SV Ladeburg führt kein Weg vorbei - kostenfreier Eintritt
Bei der Suche nach Public-Viewing-Angeboten führt in diesem Jahr kein Weg am SV Blau-Weiss Ladeburg vorbei. Via Facebook, auf eigenen und dritten Kanälen, laden die Ladeburger ab Freitagabend zum gemeinsamen Jubeln auf das Vereinsgelände am Sportplatz ein. Ganz wichtig, der Eintritt ist auch dort kostenfrei. „Die Idee zum Public Viewing kam spontan, aber inzwischen sind wir bestens vorbereitet“, verspricht die Vereinsvorsitzende Sabine Bahr, die bis 2018 noch selbst Spielerin der Frauenmannschaft war.
Mindestens 250 Gäste können sich in Ladeburg vor der 4,5 mal 2 Meter großen LED-Leinwand versammeln, die übrigens rund um die Uhr von Sicherheitspersonal und Kameras bewacht wird. „Das ist einer der Aspekte, die wirklich hohe Kosten verursachen, aber ohne dem geht es nicht“, erklärt Bahr den Hintergrund. Dazu braucht es weiteres Personal, um Einlasskontrollen zu gewährleisten. Flaschen, Getränke und Speisen können nicht auf das Gelände gebracht werden.
Viele Barnimer dürften das Procedere von Konzerten und Flügen kennen. „Campingstühle und Picknick-Decken sind erlaubt“, sagt die Vorsitzende zu, obwohl auch Bierzelt-Garnituren auf die Gäste warten. Ihre Erwartungen an das Fortkommen der Deutschen sind hoch, aber eben doch begrenzt. „Ich glaube, Frankreich wird Europameister“, sagt sie und verweist auf ihren Tipp-Erfolg bei früheren Turnieren, wo sie mit Frankreich schon goldrichtig lag.
Schönerlinder sind vom EM-Sieg überzeugt
„Achtelfinale sollte eigentlich klappen“, meint hingegen Lars Begeman, Gastronom aus Schönerlinde. Er lädt am Freitag und auch am kommenden Mittwoch im Restaurant „Zur Linde“ zum Public Viewing ein. Auf dem Innenhof verspricht er „Heißes vom Grill und Kaltes vom Hahn“. Die Hoffnungen seiner Schönerlinder Gäste dürften allerdings deutlich höher angesiedelt sein, das Achtelfinale gilt da eher als Kindergeburtstag. „Die Schönerlinder sind hoffnungsfroh und siegesgewiss“, weiß Begeman.
Einer der ganz großen Veranstalter von Public Viewing war in der Vergangenheit oft die Stadt Bernau. Auf dem Marktplatz kamen Hunderte Fans zusammen, um den Deutschen die Daumen zu drücken. „Das muss in diesem Jahr ausfallen, die Kosten sind zu hoch“, antwortet Bürgermeister André Stahl am Dienstag auf eine Anfrage unserer Redaktion. Lange wurde demnach überlegt, gerechnet und gezögert, doch nun ist die Entscheidung endgültig gefallen.
Warum es auf dem Marktplatz in Bernau kein Public Viewing gibt
„Wir haben für Security und Überwachung der Technik zu sorgen und kamen dabei auf 25.000 Euro Kosten. Die Stadtkasse ist klamm, wir müssen haushalten. Und zweitens wollten wir als öffentliche Hand den Vereinen keine Konkurrenz machen, die öffentliche EM-Spiele anbieten“, erklärt Stahl die Entscheidung. Die Ladeburgerin Sabine Bahr nimmt diese Erläuterung mit Erleichterung auf. „Uns unterstützen die Sponsoren, die LED-Wand bekommen wir ebenfalls gesponsert. Sonst wäre Public Viewing finanziell nicht zu stemmen gewesen“, sagt sie in Erwartung vieler Gäste.
Wer allerdings glaubt, die GEZ wäre einer der ganz großen Kostentreiber beim Public Viewing, in diesem Fall stimmt das offenbar nicht. „Wir haben alles angemeldet und zahlen mit dem EM-Paket des GEZ für das ganze Turnier 253 Euro. Das fanden wir sehr fair“, lässt die 41-jährige Vereinsvorsitzende wissen.
EM-Trailer der Nationalmannschaft in Ladeburg entstanden
Sie bekräftigt noch einmal den Anspruch des Vereins, zukünftig in Ladeburg mehr für die Allgemeinheit anzubieten. Zudem erinnert sie daran, dass der EM-Trailer der Nationalmannschaft 2023 in Ladeburg gedreht wurde. „Das allein ist schon Verpflichtung für uns, unser Team öffentlich zu unterstützen“, freut sie sich auf spannende und hoffentlich siegreiche Spiele der Deutschen.
Fußball-Übertragung auf dem Platz vor dem Steintor
Schließlich gibt es mit der Cocktailbar „Elysium“ am Steintor in Bernau eine weitere Adresse zum öffentlichen Fußball-Gucken. Die Cocktail-Bar bot in der Vergangenheit bis zu 100 Plätze im Freien an, so wird es auch bei diesem Turnier sein. „Zunächst gilt das für die Vorrunde, alles Weitere sehen wir dann“, sagt der Chef David (Inge) Meißner. Sollte es junge Hunde regnen, stehen im Barraum die Plätze zur Verfügung, draußen gibt es dann keine Übertragung. Zu den Chancen der Deutschen befragt, hofft Meißner auf das „Überstehen der Vorrunde“. Und er fügt an, „als Gastronom hoffe ich natürlich auf das Finale“.



