Fußball
: Vereine machen ihrem Ärger Luft

Clubs wie Grün Weiss Ahrensfelde der Müllroser SVsetzt sich für Lockerung der Corona Eindämmung ein und will zurück zum normalen Trainingsbetrieb.
Von
Britta Gallrein
Ahrensfelde
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So lieben die Fans Zweikämpfe im Fußball: Hart und knackig, aber ohne Abstand. Hier duellieren sich Hagen Opitz von Grün-Weiss Ahrensfelde (li.) und Michal Kamil Adamczak (FC Schwedt).

Ingo Muhme

„Wie soll das denn bitte alles zeitlich funktionieren?“, fragt sich Maik Pruschke, Abteilungsleiter Fußball bei Grün-Weiss. „Die Saison soll am 15. August wieder beginnen, aber wir dürfen bis dahin kein normales Training mit Zweikämpfen abhalten und keine Testspiele machen“, schildert er die Situation. „Das klappt doch niemals.“ Vor einer Woche trafen sich die Vorstandsmitglieder des Vereins zu einer Diskussionsrunde zu diesem Thema. Als Ergebnis veröffentlichen sie nun auf ihrer Facebook-Seite eine Mitteilung, in der sie sich für eine Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs einsetzen.

Mehr als nur ein Hobby

„Der Vereinssport mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung ist weit mehr als nur ein Hobby. Wir stehen mit unseren Werten für sozialen Zusammenhalt, respektvollen Umgang und familiäres Miteinander. Für die meisten unserer Mitglieder ist der Verein wie ein zweites zu Hause.“

Die externen Einschnitte, die den Vereinssport zum Erliegen brachten, habe man zum Wohle der Gesundheit akzeptiert. Im Verein sei die „Corona-Verordnung“ zur Durchführung des Trainingsbetriebs gut angenommen und umgesetzt worden. Fußball, so heißt es in der Mitteilung weiter, lebe von Zweikämpfen, Emotionen und dem Miteinander. „Wir möchten wieder Fußball spielen, so wie wir ihn kennen.“ Natürlich, schränkt der Verein ein, mit einem wachen Auge auf die Infektionszahlen und die Gesundheit der Gesellschaft, die über allem stehe. Für die Ahrensfelde ist auch die lange Dauer der Einschränkung nicht verständlich. „Man sollte doch die Lage alle 14 Tage neu bewerten auf Grundlage der aktuellen Entwicklungen“, findet Maik Pruschke.

Sinkende Infektionszahlen

Die sinkenden Infektionszahlen rechtfertigen nach Einschätzung der Sportler die Einschränkungen nicht mehr und müssten so angepasst werden, dass sie eine reguläre Vorbereitung auf die neue Saison ermöglichen.

Drei Brandenburger Fußball-Klubs haben sich inzwischen an das Land Brandenburg gewandt und hoffen so, dass die Eindämmungsverordnungen weiter gelockert werden. So wollen der FSV Glückauf Brieske/Senftenberg, der Müllroser SV und Hertha Neutrebbin, dass die geänderten Lockerungen für das Training weiter angepasst werden.

In der erneuerten Mitteilung des Landes Brandenburg heißt es, dass „...Sportarten wie zum Beispiel Fußball nur im kontaktfreien Training möglich sind, aber noch nicht im regulären Spielbetrieb“. Das größere Problem: die erneuerte Verordnung gilt bis einschließlich 16. August. Für viele Vereine sei das jetzt schon eine große Belastung, das Training nur auf Abstand zu gestalten.

Fünf Fragen ans Ministerium

Brieske/Senftenberg verfasste bereits am 15. Juni ein Schreiben an den Landtagsabgeordneten Wolfgang Roick, der fünf Fragen des Vereins zur aktuellen Eindämmungsverordnung an die Ministerin Ursula Nonnemacher überbringen soll:

„1. Die neue Verordnung erstreckt sich über einen Zeitraum bis zum 16.08.2020. Mit welcher Begründung wird ein so langer Zeitraum abgesteckt, ohne weitere Veränderungen angehen zu wollen?

2. Fußballer in Sachsen und Nordrhein-Westfalen dürfen wieder Fußball mit Kontakt spielen und trainieren. Beide Bundesländer haben eine Mehrzahl an bestätigten Fällen im Vergleich zu Brandenburg und dennoch dürfen beide Bundesländer Kontakte im Sport haben, Brandenburg nicht. Wie begründen Sie die Entscheidung?

3. Die geplanten Saisons im Amateurbereich Mitte August können nun gestrichen werden und durch die Verordnung ist ein Spielbetrieb nicht vor Mitte September möglich. Wie erklären Sie zum Beispiel unseren über 200 Kindern, die mit Gegenspielern auf Schulbänken sitzen, dass Sie nicht gegeneinander spielen dürfen?

4. Das Ehrenamt in Fußballausschüssen wird mit Ihrer Verordnung leider gar nicht beachtet. Planungen wie Staffeleinteilungen, Rahmenterminpläne und alles, was eine neue Spielsaison mit sich bringt, kann nicht angegangen werden. Was muss also getan werden, um einen Spielbetrieb wieder aufzunehmen?

5. Die Fallzahlen laut RKI sprechen aktuell von 31 Fällen in den letzten 7 Tagen. Bei 2,52 Millionen Einwohner (Google 30.09.19) und ca. 3.330 Fällen ist eine derartige Verordnung wenig sinnvoll. Sind Sie der Meinung, dass bei solchen Zahlen eine zweimonatige Kontaktbeschränkung im Fußball sinnvoll erscheint?“

Unterstützung per Mail

Trainer Marvin Herrgoß von Hertha Neutrebbin und Vater Dirk vom Müllroser SV unterstützen dieses Vorgehen und verfassten ebenfalls auf Facebook eine Aufforderung: „Habt ihr nicht auch wieder Lust richtig zu trainieren? Zweikämpfe, Spielformen und alles was dazu gehört? Spiele absolvieren, zusammen gewinnen oder verlieren? Dann tut etwas dafür! Die neue Eindämmungsverordnung der Landesregierung bedeutet, dass wir weiterhin unseren so geliebten Sport nicht so ausführen dürfen, wie wir es gerne würden... Wollt ihr euch das bieten lassen und so hinnehmen, oder etwas dafür tun? Wir wissen, dass in einigen Bundesländern wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und auch Nordrhein-Westfalen andere Bestimmungen gelten. Die Frage, die wir uns jetzt stellen, lautet: wieso dürfen hinter unseren Landesgrenzen Zweikämpfe geführt werden und hier nicht?“

Die Beiträge wurden bei Facebook schon über 100 Mal geteilt. Zur Unterstützung bitten die beiden Trainer Gleichgesinnte um eine kurze E-Mail an pressestelle@mbjs.brandenburg.de, mit der Bitte, die festgelegten Regeln zu überdenken.

Kein Zweikampf, kein Jubeln, kein Abklatschen

Laut Verordnung gilt das Abstandsgebot im Sport noch bis zum 15. August. Der Sport hat kontaktfrei zu erfolgen. Beim Fußball ist Training daher nur in Form von Passen, Dribbeln oder Hütchen-Lauf möglich. Eine Wettkampfsimulation, die zu Berührungen führen kann wie zum Beispiel in Form von Zweikämpfen, bleibt untersagt. Verzichtet werden muss auch auf Händeschütteln, Abklatschen und Jubeltrauben. In den Umkleiden müssen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen eingehalten werden. ⇥bag