Gedenken: Ein mutiger Widerstandskämpfer aus Schönow
Er war einer von sechs Schönower Bürgern, die ihren aktiven Kampf gegen den Faschismus mit dem Leben bezahlt haben. Am Gedenkstein neben der Schönower Kirche sind die Namen der Frauen und Männer eingraviert, die den Mut hatten, in der Zeit des Faschismus gegen den Krieg und für Menschlichkeit zu kämpfen. Willi Seng war einer von ihnen. Er wurde am 27. Juli 1944 im Zuchthaus Köln hingerichtet.
Willi Seng, der in Schönow aufwuchs, gehörte in den dreißiger Jahren zu den aktivsten und talentiertesten Leichtathleten, über die in den damaligen Zeitungen umfangreich berichtet wurde. Am 30. Juni 1930 meldete das Blatt „Sport und Spiel“, dass bei einem internationalen Leichtathletikwettbewerb Willi Seng im Stabhochsprung mit 3,10 Meter Sieger wurde. Er war auch der Organisator zahlreicher Sportveranstaltungen im Arbeitersportverein „Fichte“ im Barnim. So finden wir einen Zeitungsaufruf von ihm für den Kreisfrühjahrswaldlauf 1930.
Bereits 1933 wurde er als Mitglied der KPD im KZ Oranienburg inhaftiert. Nach seiner Freilassung leistete er illegale Arbeit in verschiedenen Gegenden Deutschlands, studierte an der Moskauer Internationalen Leninschule. Einer seiner Lehrer dort war der spätere SPD–Politiker Herbert Wehner.
Willi Seng war danach in einer Widerstandsgruppe im Ruhrgebiet aktiv und gab unter anderem mehrere Flugblätter unter dem Titel „Der Friedenskämpfer“ sowie die Zeitungen „Ruhrecho“ und „Freiheit“ heraus. Er und seine Mitstreiter propagierten in diesen Publikationen „die rasche Beendigung des Krieges mit einem ehrenvollen Frieden“. Im Juni 1942 wurde darin erstmals über Massenerschießungen von Zivilisten in der Sowjetunion informiert. Die Autoren riefen die Soldaten auf, sich nicht weiter an dem verbrecherischen Krieg zu beteiligen und die Waffen gegen Hitler und dessen „Mörderregierung“ zu wenden. Willi Seng und die Mitglieder der Widerstandsgruppe im Ruhrgebiet wurden 1943 verhaftet, am 24. Mai 1944 wurde er zum Tode verurteilt und in Köln hingerichtet.
Berichte über das Leben von Willi Seng, seiner Gefährtin Margarethe Müller und anderer Widerstandskämpfer im Rhein–Ruhrgebiet sind in Publikationen und Archiven in Remscheid, Solingen und Wuppertal zu finden. In den vergangenen Jahren sind dort auch Stolpersteine für die Frauen und Männer aus dem Willi–Seng–Kreis gelegt worden.
Am Sonntag wird in der Bundesrepublik an die Opfer der faschistischen Diktatur erinnert. Auch in diesem Jahr hat der Ortsbeirat Schönows die Bürger aufgerufen, am Gedenkstein am Dorfanger dieser Menschen zu gedenken.

