Zum 75. Mal jährt sich am Donnerstag, 21. Oktober, der Todestag von Artur Streiter. Der Schriftsteller, Reformer und Kunstmaler lebte von  1939 bis 1946 mit seiner Familie im Bernauer Ortsteil Schönow. Streiter war ein entschiedener Gegner des Naziregimes und versuchte, im Rahmen seiner Möglichkeiten gegen den Faschismus zu kämpfen.

Politisches Engagement und Einsatz für den Tierschutz

Artur Streiter wurde am 17. Januar 1905 in Berlin-Lichtenberg  geboren, erlernte das Malerhandwerk und schloß später noch eine Lehre als Technischer Zeicher ab. Es folgte eine autodidaktische Tätigkeit im Bund revolutionärer Schriftsteller, politisches Engagement im Bund der Kriegsdienstgegner und der Einsatz für Tierschutz im Bund für Radikale Ethik. Seine Siedlungs- und Kommuneversuche im Roten Luch wurden 1931 beendet.
1925 lernte er seine spätere Frau Erna kennen. Mit ihren zwei Töchtern lebten sie in Berlin-Mitte, wo Streiter 1936 nach nachbarschaftlicher Denunziation von der Gestapo verhaftet und im berüchtigten Berliner KZ Columbia-Haus untergebracht wurde. Nach einem Tuberkulose-Befund wurde er aus diesem entlassen.

Traum vom Häuschen im Grünen

1939 zog die Familie schließlich nach Schönow, wodurch sich Streiter seinen Wunschtraum nach einem Häuschen im Grünen erfüllte. Auf dem Grundstück in der damaligen Königstraße 19 (ab 1949 Fritz-Reuter-Straße) versteckte das Ehepaar 1943 über mehrere Wochen eine junge Jüdin mit ihrem Baby.
Ab spätestens 1944 kommt Artur Streiter in Kontakt zu dem in Schönow wohnenden Albert Kautz. Durch diesen begann Streiters illegale Tätigkeit für die Berlin-Schöneberger Widerstands-Zelle des Nationalkomitees Freies Deutschland. Es wurden beispielsweise Stempel gefälscht, um die Urlaubsscheine von Soldaten während des 2. Weltkriegs zu verlängern. Außerdem wurde das Flugblatt „Was tun, wenn die Russen kommen" in Umlauf gebracht.
1944 hat Artur Streiter im Auftrag des Schönower Bürgermeisters die Schönower Kirche mit ihrem benachbartem Schulhaus gemalt. Das Öl-Bild ist in der Schönower Bibliothek ausgestellt und Ausdruck seines malerischen Talents. Nach Kriegsende arbeitete Streiter an leitender Stelle der Ortsgruppe der KPD und des Volksbildungsamtes  und ist tätigm Antifaschistischen Komitee.

Neugründung der Bibliothek

Artur Streiters großes Verdienst war die Entnazifizierung und schnelle Neugründung der Bibliothek  bereits im Juli 1945 im ehemaligen Volkshaus an der Bernauer Allee 1.  Sie war die erste neue Bibliothek im Bernauer Umland. Streiter wurde durch die Gemeindeverwaltung als Bibliotheksleiter bestellt. In seinen letzten Lebensjahren schrieb er an einem Roman über Vincent van Gogh, den er aber nicht mehr veröffentlichen konnte.
1945/46 erkrankte Artur Streiter erneut an Lungen- und Knochentuberkulose, an deren Folgen er schließlich starb. Der Tod seiner zweitgeborenen Tochter im gleichen Jahr hatte ihn zusätzlich geschwächt. Streiter wurde auf dem Schönower Waldfriedhof wie auch seine Tochter und seine 1979 verstorbene Frau Erna (zwischen 1952 und 1957 Bürgermeisterin in Schönow) beigesetzt. Seit wenigen Jahren besteht das Grab der Familie Streiter allerdings nicht mehr.

Nachlass des Künstlers wird ausgewertet

Der noch größtenteils erhaltene umfangreiche Nachlass Streiters wird vom Fritz-Hüser-Institut Dortmund aufbewahrt und gegenwärtig von einem aus vier Forschern bestehendem Arbeitskreis gesichtet. Eine kommentierte Werk- und Briefausgabe ist in Vorbereitung.