Gesundheit: Ahrensfelde stellt sich Ärzteknappheit

Keine große Auswahl: Die Patientenauslastung von Hausärzten ist im Barnim besonders groß, auch in Ahrensfelde. Das liegt vor allem am erhöhten Bevölkerungswachstum.
Jens BüttnerDeutlich gemacht hat das Bürgermeister Wilfried Gehrke zu Jahresbeginn in einem Schreiben an die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) in Potsdam. Darin schreibt Gehrke, Ahrensfelde müsse sich in den kommenden Jahren der Herausforderung des zunehmenden Bevölkerungswachstums stellen. „Dabei spielt die Ansiedlung von Ärzten in der Gemeinde eine wichtige Rolle.“ Einige praktizierende Ärzte würden bald ins Rentenalter eintreten und wegfallen. Die Gemeinde stehe deshalb vor dem „Problem der Ärzteknappheit“. Im besonderen Fokus dabei: die Hausärzte.
Hohe Patientenauslastung
Derzeit gebe es vier Allgemeinmediziner, die schon jetzt mit einer hohen Patientenauslastung kämpfen würden. „Daher kann ein Wegfall eines ansässigen Allgemeinmediziners nur schwer, bis gar nicht durch umliegende Praxen bewältigt werden“, schreibt Gehrke.
Was also tun? Wie könne man Anreize schaffen, um neue Fachärzte zu gewinnen? Und inwiefern gibt es Hilfe von der Kassenärztlichen Vereinigung?
Mit diesen Fragen wandte sich der Bürgermeister an die KVBB und lud sie zu einem Treffen vor Ort ein. Dazu kam es zwar nicht, dafür aber zu einem Gesprächstermin in Potsdam. Mit dem Ergebnis: Auf direkte Hilfe von der KVBB kann man nicht hoffen.
„Von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es keine Förderungen im berlinnahen Raum für Ärzte“, sagt Swen Schwarz, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste, der beim Treffen in Potsdam dabei war. Förderungen gebe es ihm zufolge nur, wenn eine Unterversorgung einträte. Dies ist in Ahrensfelde aber nicht der Fall.
Eine weitere Herausforderung ist: Ahrensfelde ist im Barnim nicht die einzige Gemeinde, bei der es Zuwachs-Bedarf gibt. Denn: Von den 110 Hausärzten, die derzeit im Kreis praktizieren, ist nach Zahlen der KVBB fast jeder Dritte 60 Jahre und älter. In Wandlitz liegt die Quote bei fast 50 Prozent (sieben von 15), in Werneuchen sogar bei 66 Prozent (zwei von drei). Werden dort keine Nachfolger gefunden, wird es ebenfalls eng. Umso stärker dürften auch dort die Lockrufe nach jungen Nachfolgern sein.
Stellenanzeigen im Ärzteblatt
In Ahrensfelde nimmt man die Herausforderung in jedem Fall an. „Die Gemeinde wird weiterhin bemüht sein, die Anzahl von Fachärzten, insbesondere Allgemeinmedizinern, im Gemeindegebiet auszubauen“, erklärt Schwarz.
Ein paar Ideen, wie das gelingen soll, gibt es bereits. So will die Gemeinde versuchen, Mediziner, die sich niederlassen wollen, bei der Suche nach geeigneten Praxisräume zu unterstützen. Eine andere Idee ist, Anzeigen für Stellen im Ärzteblatt zu schalten.
Überalterung bei Barnimer Ärzten ist groß
Im Barnim gibt es aktuell 110 Hausärzte. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) sind das sechs mehr als 2013. Zusätzlich seien zehn Fachärzte dazugekommen. Trotzdem reicht das in der Praxis oft nicht aus. Denn: Auch die Bevölkerung ist gewachsen, vor allem im berlinnahen Raum. Allein für die Gemeinde Ahrensfelde betrug der Anstieg seit 2010 fast sechs Prozent.
Von den 110 Hausärzten im Barnim sind mehr als 31 Prozent 60 Jahre alt und älter – also fast jeder Dritte. Betrachtet man ganz Brandenburg, sind es sogar 32 Prozent. Ein weiteres Problem neben der Überalterung: Im Barnim kommen auf einen Hausarzt im Schnitt 814 Patienten. Brandenburgweit sind es "nur" 726.⇥che/vp
