Grundwasser
: Interesse für private Brunnen steigt im Barnim - Abwasserverbände in Sorge

Der Trend zum privaten Brunnen im Barnim hält an. Wasser- und Abwasserverbände beobachten diese Entwicklung mit Sorge.
Von
Tatjana Littig
Werneuchen/Panketal/Bernau
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So geht es auch: Am Wasserwerk Zepernick fördert der Eigenbetrieb Kommunalservice Panketal Grundwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung. Entnahmen aus privaten Brunnen verändern die ausgeglichene Grundwasserbewirtschaftung.

Sergej Scheibe

Die Wasser- und Abwasserverbände beobachten den sprunghaften Anstieg mit Sorge. Eine genaue Übersicht über alle privaten Brunnen in ihren Versorgungsgebieten haben sie nicht. Robin Dahlke, der Geschäftsführer der Stadtwerke Werneuchen, vermutet, dass es in seinem Versorgungsgebiet viele seien. „Wir können aber keine Aussage darüber treffen, ob diese aktiv sind und wo sie genau liegen“, fügt er an. Grund für diese Unkenntnis ist zum einen, dass private Brunnen vor Urzeiten entstanden sind und zum anderen auch, dass Anlagen illegal gebohrt werden.

„Prinzipiell sehen wir ein großes Problem mit privaten Brunnen“, sagt Dahlke. Die Bedenken aus Werneuchen werden auch anderswo geteilt. Mit jeder Bohrung für private Zwecke würden schützende Erdschichten oberhalb des Hauptgrundwasserleiters beschädigt, erklärt Robert Glasmacher, Techniker beim Eigenbetrieb Kommunalservice Panketal. Weil private Brunnen teilweise bis zum Hauptgrundwasserleiter gebohrt würden, ginge von privaten Brunnen zudem ein erhöhtes Gefahrenpotential aus. Grundwassergefährdende Stoffe können in den Leiter eindringen und die Qualität des Grundwassers beeinträchtigen. "Dies führt dann zwangsläufig dazu, dass die Aufbereitung des Grundwassers zu Trinkwasser einen größeren Aufwand mit sich führen kann und sich dieses auch auf die Gebühren niederschlägt“, informiert Dahlke.

„Auch die Mengenerfassung bei privaten Brunnen ist schwierig“, so Glasmacher. Während aus einem Brunnen nur eine geringe Menge entnommen wird, kann das in der Summe aller Brunnen anders aussehen.

Ablehnung oder Verbot privater Brunnen

Am Wasserwerk Zepernick werde beispielsweise genau darauf geachtet, dass nur genau so viel Wasser entnommen werde, wie im Durchschnitt von 30 Jahren als Niederschläge gefallen seien, klärt Glasmacher auf. Die Folge ist eine ausgeglichene Grundwasserbewirtschaftung. Zusätzliche Entnahmen aus privaten Brunnen verändern dieses Gleichgewicht. „Dadurch wird die Entnahme größer als die Grundwasserneubildung“, so der Techniker.

In Bernau ist der Wasser- und Abwasserverband Panke/Finow vor zwei Jahren dazu übergegangen, die Teilbefreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang, die für die Anzeige des Vorhabens bei der Unteren Wasserbehörde notwendig ist, abzulehnen. Die Satzung des Verbandes erlaubt das mit Verweis auf das öffentliche Wohl. Zwölf solcher Ablehnungen für private Brunnen im Verbreitungsgebiet seien 2020 ausgestellt wurden, erklärt Verbandsvorsteher Daniel Nicodem.

In Panketal liegt ein Großteil der bebauten Fläche in der Trinkwasserschutzzone. Dort ist das Errichten, Erweitern und Erneuern von Brunnen verboten. Auch wenn kein Verbot vorliegt: Die Wirtschaftlichkeit eines privaten Brunnens zweifeln die Fachleute an. Bei einer Bohrtiefe von 40 Metern beliefen sich die Kosten für Bau, Material und Pumpe auf rund 5000 Euro, rechnet Dahlke vor. Selbst wenn sie aufgrund der Tiefe und der Geologie nur bei 2000 Euro lägen, bräuchte es etwa zehn Jahre, bis sie sich wieder amortisierten – laufende Kosten nicht berücksichtigt.