Heimatgeschichte: Polarfilmer Arthur Haack ersteht aus dem Eis
Sie kauen das Leder der Robben weich, damit es sich später an den Körper anschmiegt und wärmt, sie tanzen und feiern. Die historischen Filmaufnahmen, die der Polarfilmer Arthur Haack aus Klobbicke hergestellt hat, werden nun auch der Nachwelt ein Bild des Volkes der Inuit zeichnen. Die Dreharbeiten aber wurden dem damals 35-Jährigen zum Verhängnis. Er erfror sitzend im Eis, die Pfeife noch in der Hand.
Der Tramper Künstler Sven Ahlhelm hat sich das tragische Ende des einstigen Klobbicker Einwohners gedanklich zu Herzen genommen und daraus einen Erinnerungsort gestaltet. Der wird am Sonnabend erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei sind dann auch die Zeitenspringer Fritzi Schulze, Sarah Behrendt und Moritz Messal. Sie haben, animiert von Karin Baron, an einem Buch mitgewirkt, das nun vorliegt.
„Arthur – sein Traum vom ewigen Eis“ hat es Karin Baron genannt. Die 73-jährige Panketalerin, die für Breydin die Chroniken führt und mit der Geschichtengruppe der Fachwerkkirche Tuchen Ortshistorie bewahrt, wurde im Januar 2016 infiziert. Damals strahlte das ZDF eine Dokumentation aus. Zwei Holzkreuze im ewigen Eis von Pond Inlet (auf Inuktitut Mittimatalik) in Kanada waren zu sehen. In einem der Gräber sitzt der gefrorene Arthur Haack, gestorben im ewigen Winter des Territoriums Nunavut, am Ufer der Baffin-Insel am Ostufer des Eclipse Sounds.
Der Name Haack klang bekannt, der Virus ließ Karin Baron nicht mehr los. Sie landete in der Nationalbibliothek Kanadas und fand die Inuit-Dokumentation „The Land of the Midnight“, an der Arthur Haack mitgewirkt hatte. Der junge Mann war ausgewandert und gemeinsam mit seinem Freund Rudolph Franke losgezogen. Kapitän Joseph Bernier, der in einem Buch von Erwin Volkmann von 1914 „Erlebnisse eines Deutschen im hohen Norden“ ebenso wie Franke auftaucht, unterstützte die Inuit. Und er wollte mit einem Film allen Kanadiern und der Regierung das harte Leben des Urvolkes nahe bringen. Sie leben vom Robben- und Walfang, ernähren sich bis heute von diesen Tieren. Wichtige Vitamine lieferte dieses Fleisch, Obst und Gemüse kannten die Inuit nicht. Bernier schaffte mit seinen Schiffen Material in den hohen Norden, darunter auch Aale fürs Vernähen der Robbenfelle.
Eine letzte Expedition
Ein Grammophon kam über diesen Weg ebenso zu den Inuit. Durch den Film, das vermutet Karin Baron, tanzt auch Arthur Haack. Von ihm gibt es keine Fotografie, nur von seinem in Felle gehüllten Freund Rudolph Franke, der ebenso aus der hiesigen Gegend stammte. Die Freunde gingen ein letztes Mal auf Expedition und kehrten nicht wieder. Der Händler Ben Bernhard Munn sollte sie 30 Tage später finden. Haack nur noch sitzend, erfroren im Eis, der Freund wird schwer verletzt gerettet.
Lebendig hat Karin Baron ihr gesammeltes Wissen um Arthur Haack niedergeschrieben. Belletristisch verarbeitet sie die Erinnerungen an die Familie im Schulhaus von Klobbicke, das Geschehen auf dem Schiff und bei den Inuit und macht es so auch für junge Menschen spannend und unterhaltsam. Gespickt mit Dokumenten und Fotografien findet sich auf 176 Seiten ein Stück Heimatgeschichte wieder, das an Spannung kaum zu überbieten ist.
Dass der Journalist Johannes Hano für das ZDF in seiner Dokumentation „17 000 Kilometer Kanada“ Haacks Grab fand, Philippa Ootoowak im Archiv von Pond Inlet weiterhelfen konnte und viele andere das Vorhaben unterstützten, ist für alle Beteiligten ein großes Glück. Nun sollen die Geschichtsinteressierten und Jugendlichen anderer Projekte des Landesvorhabens Zeitenspringer davon partizipieren. Für Klobbicke hat Karin Baron eine besondere Geschichte bewahrt. Dass nun der aktuelle Bewohner in Haacks Elternhaus, David Heinemann, zustimmte, an Arthur Haack im Vorgarten zu erinnern, auch darüber ist Karin Baron sehr froh.
Das Geheimnis um Chaplin
Wenn sich die Inuit auf dem inzwischen modern aufgearbeiteten Film im Wind geschwind drehen, ihre Kajaks bauen, Häute trocknen oder über treibende Eisschollen springen, dann kann da schon einmal ein Gänsehautgefühl aufkommen. Die Zeitenspringer-Jugendlichen aus Breydin wollen erzählen, was sie alles wissen und wieso auch Charly Chaplin noch ins Spiel kommt. Ein bisschen ging ihnen am Ende die Luft aus, auch weil Kinder oft andere Interessen haben als Geschichte. Doch am Sonnabend um 10 Uhr führen sie durch ihr Dorf und berichten von Arthur Haack und Rudolph Franke, von Kapitän Bernier, den Inuit und dem ewigen Eis.
Wobei: Noch sitzt Arthur mit der Pfeife in der Hand in seinem Grab. Sollte das Tauwetter in Pond Inlet anhalten, dürfte seine Ruhe gestört sein. Doch darüber will Karin Baron erst nachdenken, wenn es soweit ist. Sie hat längst neue Ideen zur Barnimer Heimatgeschichte im Kopf.
Karin Baron „Arthur – sein Traum vom ewigen Eis“, 12,11 Euro, Bestellungen unter Telefon 0162 9400471 oder per E-Mail unter karin.baron@outlook.de.
Termine zumVormerken
Die Geschichte von Arthur Haack wird am Sonnabend ab 10 Uhr auf einer Wanderung durch Klobbicke erzählt und präsentiert. Dazu haben sich Gemeindechronistin Karin Baron und die Jugendlichen der Zeitenspringer vorbereitet. Start ist Lindenstraße 1. Gegen 10.30 Uhr soll vor dem früheren Wohnhaus in der Lindenstraße 26 ein Erinnerungsort eröffnet werden.
Die Aufführung des digitalisierten historischen Films, der unter Kapitän Bernier 1915 entstand, ist am 16. Juni um 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam geplant. DJ Rapante und Martin Leeder umrahmen das Ganze.⇥li


