Im Bernauer Herzzentrum ist zum ersten Mal in Brandenburg ein Verfahren erfolgreich durchgeführt, das bei einer bestimmten Herzklappenerkrankung eine Operation am offenen Herzen vermeidet. Vor allem für viele ältere Patienten ist die Neuerung ein großer Fortschritt. Dabei wird eine undichte Herzklappe, die sogenannte Trikuspidalklappe, „repariert“.

87-jährige Patientin litt unter einer starken Herzschwäche

Prof. Dr. Christian Butter, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie im Herzzentrum Brandenburg, hat das Verfahren durchgeführt. Dabei wird eine undichte Trikuspidalklappe mithilfe des interventionellen „TriClip“-Verfahrens – so der Fachausdruck – erfolgreich repariert. Dieses Verfahren ist speziell für die Trikuspidalklappe konzipiert worden und vermeidet eine Operation am offenen Herzen. Die 87-jährige Patientin litt unter einer schweren Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die durch die defekte Trikuspidalklappe des Herzens hervorgerufen wurde. Mittlerweile konnten auch schon weitere Patienten durch Anwendung dieses Verfahrens behandelt werden.

Die Herzklappe arbeitet wie ein Rückschlagventil

Die Trikuspidalklappe ist eine der vier Klappen des Herzens. Sie hat die Funktion eines Rückschlagventils, das das Zurückfließen des Blutes in den rechten Vorhof verhindert. Insbesondere im höheren Lebensalter kann es zu Undichtigkeiten dieser Herzklappe kommen, wenn sich die drei Segel der Klappe nicht mehr ausreichend aneinander legen. Dadurch entsteht ein Blutrückfluss, der die Pumpleistung der Herzens erschwert und zu Vorhofflimmern und Herzschwäche, begleitend auch zu einer Einschränkung der Nierenfunktion, führen kann.
Symptome sind oftmals Wasser in den Beinen und im Bauch. Da die Patienten in der Regel sehr alt sind und an weiteren Erkrankungen leiden, ist eine Operation häufig mit einem zu hohen Risiko verbunden. Es bleibt dann nur die medikamentöse Therapie in Form von Diuretika (Wassertabletten).

Bernauer Ärzte können die Lebensqualität deutlich verbessern

Rund drei Millionen Menschen in Europa leiden unter einer solchen Trikuspidalklappeninsuffizienz. Bei dem neuen Verfahren wird ein Clip über die Oberschenkelvene zum Herzen geführt, um zwei Segel der Trikuspidalsegel aneinander zu heften und so den Blutrückfluss in den rechten Vorhof zu unterbinden.
Dadurch wird das Herz in die Lage versetzt, seine Pumpfunktion besser zu erfüllen. Die Symptome der Erkrankung werden gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert sich deutlich.

Professor Christian Butter und sein Team erweitern die Therapiemöglichkeiten

Dieser Eingriff erweitert die Möglichkeiten der Therapie von Herzklappenfehlern in Kathetertechnik, die von Professor Butter und seinem Team durchgeführt werden und damit die Vorreiterrolle in der interventionellen Klappentherapie in der Hauptstadtregion unterstreicht.
Bereits im Juli 2009 hatten Professor Dr. Butter und Dr. Neuss, Leitender Oberarzt der Abteilung Kardiologie, erstmals in Berlin-Brandenburg eine interventionelle Mitralklappenreparatur mit einem Clip ohne Operation durchgeführt. Inzwischen konnte bei mehr als 600 Patienten mit dieser kathetergestützten Technik die undichte Mitralklappe korrigiert werden, über 3000 Patienten wurden seit 2008 mit einer neuen Aortenklappe ohne Operation versorgt.