Auf dem kleinen Spielplatz hinter der Feuerwache in Weesow geht es auch am Sonnabend zu wie in einem Taubenschlag. An die 40 Helfer aus Weesow selbst, aber auch aus den umliegenden Orten sind gekommen, um die Mengen an Kleidung, Spielzeug und all den anderen Sachen zu sortieren. Die Spenden sollen die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen in Westdeutschland unterstützten.

Beeindruckt von der Hilfsbereitschaft

„Mir tut es leid, was den Menschen dort passiert ist. Deshalb bin ich hier“, sagt eine Helferin, die Kleidung nach Größe und Geschlecht der künftigen Nutzer sortiert, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen will. „Man kann sich nicht vorstellen, was es bedeutet, alles zu verlieren. Und wenn wir helfen können, dann sollten wir es auch tun.“ Andere auf dem Platz sehen es genauso. „Es kann jeden treffen. Deshalb müssen wir in der Not zusammenrücken. Mich beeindruckt, wie viele Leute wirklich hilfsbereit sind“, sagt Josephine Lau, die aus Werneuchen gekommen ist, um zu unterstützen.

Mehr als 200 Kubikmeter Spenden gesammelt

Überrascht von der Hilfsbereitschaft waren die Helfer vor allem am Sonntag vor einer Woche. Werneuchens Bürgermeister Frank Kulicke und sein Sprecher Fabian Geelhaar hatten die Sammelaktion nach der Flutkatastrophe initiiert und um Spenden gebeten. Gebracht werden sollten die Sachspenden nach Weesow. Das Dorf erlebte danach ein kleines Verkehrschaos, die Spenden stapelten sich bei der Feuerwehr bis unter die Decke. Mehr als 200 Kubikmeter kamen zusammen. Darunter waren unter anderem rund 200 Bettdecken und Kopfkissen, 25 Babyreisebetten, 1,5 Kubikmeter Seifen und Shampoo, 150 Kilogramm Tierfutter, drei Kubikmeter Plüschtiere und noch dreimal so viel Kinderspielzeug Den größten Anteil machten Kleiderspenden aus. Sie summierten sich auf 150 Kubikmeter.

Es gab auch kritische Töne

Der Massenauflauf hatte in der Stadt und ihren Ortsteilen auch für kritische Töne gesorgt. So viele Sachspenden brauche kein Mensch. Mit Geld wäre den Leuten in den Flutgebieten geholfen. Und einige Spenden, die nun im üppigen Müllcontainer in Weesow liegen, hätte Tierheimen in Osteuropa noch dienlich sein können. Die Aktion sei gut gemeint, aber wenig durchdacht, bekamen die Helfer schon zu hören.

Ortsvorsteherin Linda Rindt: „Wir können stolz sein“

Vorwürfe, die unter anderem Weesows Ortsvorsteherin Linda Rindt am Sonnabend deutlich zurückweist. „Die Helfer hier leisten Großartiges. Sie haben unser aller Dank und keine Kritik verdient. Wir können stolz sein“, sagt sie. Und sie stellt klar: „Wir schicken nichts in die Krisengebiete, was dort nicht gebraucht wird.“

Jeden Tag stundenlang sortiert

Tatsächlich wurde auch vieles nach Weesow gebracht, das niemand gebrauchen kann. Trödel wie Schnappsglas-Sammlungen, feuchte oder dreckige Wäsche. „Das sortieren wir haarklein heraus“, berichtet die Ortsvorsteherin. Seit Dienstag vergangener Woche sind die Helfenden jeden Tag damit beschäftigt, die Spreu vom Weizen zu trennen. Vize-Ortsvorsteherin Sandra Sek war jeden Tag mit dabei. „Wir haben hier fast immer von 9.30 bis 17.30 Uhr gearbeitet. Wir danken auch all den Vereinen und der Feuerwehr, die uns hier sehr unterstützt haben. Es war großartig, wie alle mit angepackt haben.“

Baumarkt spendiert 250 Gummistiefel

Auch Stadtsprecher Fabian Geelhaar betont, dass die Aktion keineswegs kopflos war. „Unsere Spenden werden gebraucht und sie werden auch an die richtigen Stellen gebracht.“ Schon vor einer Woche seien Notstromaggregate, Kettensägen und 250 Gummistiefel, die ein Baumarkt gespendet habe, nach Dersnau ins Hochwassergebiet gebracht worden. Die Bethel-Stiftung, zu der auch die Hoffnungstaler Stiftung in Lobetal gehört, habe Spenden Lkw-weise abgenommen. Sie wurden in Zwischenlager nach Thüringen und Bielefeld gebracht. „Von dort werden sie gezielt weiter verteilt“, sagt Fabian Geelhaar.
Er selbst hat bislang seinen Urlaub dafür geopfert, die Hilfsaktionen in Werneuchen zu koordinieren. Jeden Tag berichtete er bei Facebook über den Stand der Dinge, organisierte Helfer und professionelle Partner, die die Aktion unterstützen.
Sachspenden werden nicht mehr gebraucht. Die letzten Transporte werden in diesen Tagen auf die Reise gehen. Am Sonnabendnachmittag dankte Bürgermeister Frank Kulicke bei einem kleinen Grillfest den Werneuchenern, die sich für die Flutopfer enagiert haben.
Einen Überblick, wie auch Sie helfen können, gibt es auf einer Themenseite.

Spendenkonto der Märkischen Oderzeitung

Für die Spenden aus Brandenburg haben die MOZ und die Lausitzer Rundschau gemeinsam mit dem Landkreis Märkisch-Oderland ein Konto eingerichtet:
Landkreis Märkisch-Oderland,
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