Noch befindet sich der ehemalige Bahnhof in Tiefensee im Dornröschenschlaf. Doch schon bald könnte er wach geküsst werden. Denn das Empfangsgebäude, erbaut 1920, steht zum Verkauf. Für 120 000 Euro wird der "Bahnhof in idyllischer Lage nahe Berlin" seit einiger Zeit auf Ebay-Kleinanzeigen angeboten. Und die Tatsache, dass die Anzeige seit wenigen Tagen offline ist, könnte darauf hindeuten, dass es nicht mehr lange dauert, bis der neue Besitzer feststeht.
Geschichtsträchtiger Bahnhof
Noch gehört das Bahnhofsgebäude Axel Pötsch, dem Betreiber der Draisinenbahnen BB GmbH & Co.KG. Er hatte ihn 2010 gekauft. "Wir wollten den Bahnhof Tiefensee als Standort für die Draisinenbahn Tiefensee nutzen", sagt er auf Nachfrage. Als zweiten Standort gewissermaßen neben der Draisine, die bereits auf der Nachbarstrecke zwischen Tiefensee und Sternebeck (Märkisch Oderland) verkehrt. Doch inzwischen hätten sich die Pläne geändert, erklärt Pötsch: "Unseren ursprünglichen Plan, die Draisinenbahn Tiefensee ab dem Bahnhof Werneuchen zu starten und damit die Bahnhöfe Tiefensee und Werneuchen mit einzubeziehen, haben wir aufgegeben." Deshalb folgt nun der Verkauf. "Wir investieren aktuell stärker in anderen Bundesländern", so Pötsch, der auf mehreren Strecken in Deutschland Draisinenbahnen betreibt.
Der Bahnhof Tiefensee, den er nun verkauft, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ursprünglich gehörte er zur Wriezener Bahn, die 1898 gestartet wurde. Sie führte vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg über die Stationen Ahrensfelde, Werneuchen und Tiefensee weiter nordwärts in den Oderbruch nach Wriezen. Nach 100 Jahren in Betrieb folgte 1998 der erste Einschnitt, da stellte die Bahn zunächst den Verkehr zwischen Tiefensee und Wriezen ein, 2006 folgte dann auch die Strecke zwischen Tiefensee und Werneuchen. Das Empfangsgebäude wurde schließlich 2008 veräußert.
Dass die Bahn die Anlage seinerzeit abstieß, kam nicht überraschend. Ähnlich lief es auch andernorts. Seit 1999 hat die DB Station & Service AG allein in Brandenburg insgesamt 225 ehemalige Bahnhofsgebäude verkauft, teilte Bahnsprecher Gisbert Gahler mit. Lediglich 30 befinden sich noch im Besitz der Bahn.
Bleibt die Frage, was nun mit dem Bahnhof Tiefensee passiert? Noch-Besitzer Axel Pötsch kann dazu verständlicherweise nichts sagen, das liegt allein in den Händen des neuen Käufers oder der neuen Käufer. Klar ist: Möglichkeiten, das Gebäude zu nutzen, gibt es einige: für kreatives Wohnen zum Beispiel, oder auch als Veranstaltungshalle. Gegen letzteres hätte vor allem Tiefensees Ortsvorsteher Siegfried Landesfeind nichts einzuwenden. "Wir würden es begrüßen, wenn das Gebäude mit Leben gefüllt wird" – egal ob gewerblich, kulturell oder touristisch. Die Gemeinde sei gesprächsbereit.