Immobilie: Bogensee GmbH kassiert Absage vom Land Berlin
Die Absage datiert bereits ins Jahr 2019 und begräbt zunächst alle Hoffnungen, die beim eigens für Bogensee gegründeten Förderverein bestanden. „Natürlich sind wir enttäuscht“, bekannte Geschäftsführerin Schumann am Dienstag. Immerhin fünf Jahre Arbeit und umfangreiche konzeptionelle Vorbereitungen seien mit der für sie unerwarteten Absage beendet worden. „Vorerst lassen wir alles ruhen“, bestätigte sie.
Dabei orientierten die Bemühungen des Fördervereins darauf, das Gelände am Bogensee mindestens teilweise wieder mit Leben zu erfüllen. Ein Mix aus Bildungs-, Tourismus- und Gastronomieangeboten schwebte den Mitgliedern vor, denen es 2016 immerhin gelungen war, einen viel beachteten kulturellen und architektonischen Thementag auf dem Gelände zu organisieren. Besucht wurde dieser Tag von 700 Gästen. Die Veranstaltungen sollten damals skizzenähnlich abbilden, wie sich der Förderverein die Nutzungen einzelner Gebäudeteile vorstellen könnte.
Mehrwert erhofft
Doch der erhoffte Mehrwert in Form von Vertrauen in die finanzielle Leistungskraft von Verein und GmbH ließ sich aus dieser Aktion offenbar nicht im ausreichenden Maß generieren, wie die Begründung von Johanna Steinke, Pressesprecherin der BIM, erahnen lässt. „Die Wirtschaftlichkeit des Konzeptes wurde nicht hinreichend dargelegt, die Finanzierung hätte nicht ausgereicht“, deutet die Fachfrau an und erklärt das auch. „Womöglich ist es die Frage nach Henne oder Ei. Das Land Berlin wollte erst Zusagen machen, wenn vom Verein die Zusagen seiner Investoren vorliegen. Und umgekehrt warten wohl die Investoren mit ihren Zusagen auf das Land Berlin, das zuerst den Zuschlag erteilen sollte.“
Bei Andra Schumann war indes der Eindruck entstanden, die Finanzierung sei nicht der wirkliche Grund für die Absage. „Ich glaube, die Berliner Partner hätten lieber einen größeren Partner wie die Katholische Kirche oder das Technische Hilfswerk bevorzugt. Vielleicht war ihnen unser Verein und unsere Erfahrungen mit Großprojekten zu klein.“
Ein Verkauf von Bogensee sei laut Johanna Steinke wegen der politischen Dimension nicht vorstellbar. Der zur Liegenschaft gehörende ehemalige Landsitz von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels könnte zum Wallfahrtsort werden. Zudem entsprächen Verkäufe nicht mehr der Liegenschaftspolitik des Landes. Nunmehr wolle Berlin mit dem Land Brandenburg Gespräche aufnehmen, um auf Augenhöhe gemeinsame Interessen der Politik abzuklopfen.
Trotz der Absage will Andra Schumann nicht aufgeben. „Uns war das Risiko immer bewusst. Und unser Anfangsimpuls war es schließlich, den möglichen Abriss von Bogensee zu verhindern, denn der Antrag zum Abriss lag ja in der Gemeinde vor.“
Sie hofft darauf, dass die Tür nicht vollständig zugeschlagen ist. „Bogensee muss im Fokus der Öffentlichkeit bleiben, denn neben Erbpacht, der Vermietung von Gebäuden und der Einzelentwicklung war auch der Abriss eine der zu prüfenden Optionen im Aufsichtsrat“. Immerhin sei es aber gelungen, 2017 eine halbe Million Euro für Bestandsanalysen, Aufmaß und eine Machbarkeitsstudie zu investieren. 2018 kamen weitere 1,4 Millionen Euro für Sicherungsmaßnahmen hinzu. „Je mehr in Bogensee investiert wird, umso sicherer ist die Liegenschaft vor einem Abriss.“
Im Fokus der Geschichtsforschung
Bogensee bleibt im Fokus der Forschung. Das Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) bereitet unter Mitarbeit der Gemeinde Wandlitz zwei Ausstellungen vor, die mit Blick auf die Zeitgeschichte das Nebeneinander von Goebells-Villa und der ehemaligen FDJ-Hochschule untersuchen werden. Ab November 2020 wird sich der erste Teil mit den Grundlagen befassen. Dazu gehören natürlich Zeitzeugen, ein Zeitstrahl der Entwicklung und Dokumente aus den jeweiligen Jahren. Diese Ausstellung soll bis zum Mai 2021 zu sehen sein und wird später um eine so genannte "Nahaufnahme" ergänzt, die unter der Ägide von Anja Tack vom ZZF entstehen soll. ⇥hs



