Insolvenz: Was wird aus dem „Schwarzen Adler“ in Bernau?
Doch der Scheint trügt. Denn essen kann man im Schwarzen Adler an der Berliner Straße, der ältesten und traditionsreichsten Gastronomie der Stadt, schon länger nicht mehr. Offiziell aus „technischen Gründen“, wie es auf einem Hinweisschild an der Eingangstür heißt. Der wahre Grund ist aber ein anderer: Es läuft ein Insolvenzverfahren.
Antrag schon im Juli 2019
Den Antrag darauf hat die frühere Geschäftsführung bereits im Juli des vergangenen Jahres gestellt, wie es beim Amtsgericht Frankfurt (Oder) auf MOZ–Anfrage heißt. Am 1. Oktober 2019 erfolgte dann die Eröffnung des Insolvenzerfahrens über das Vermögen der Schwarzer Adler GmbH — wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Seitdem liegt die Gastronomie in den Händen von Rechtsanwalt Thomas Wulsten, dem bestellten Insolvenzverwalter. Und wann in dem geschichtsträchtigen Bauwerk, das im 15. Jahrhundert einst als Gebetshaus entstand, wieder ein Zanderfilet über den Tisch geht, ist fürs erste offen.
„Es wird derzeit versucht, eigene Ansprüche der GmbH gegen Dritte durchzusetzen. Das Verfahren wird voraussichtlich nicht vor 2021 enden“, teilte Insolvenzverwalter Wulsten mit.
Laut Wulsten hatte der letzte Betreiber des Restaurants noch Anfang 2019 selbst versucht, einen Nachfolger zu finden — ohne Erfolg. Interessenten soll es zwar gegeben haben, allerdings entsprachen sie nicht dem Wunsch des Besitzers: Der soll laut Wulsten nur einen neuen Mieter akzeptieren, der das Restaurant in seiner bisherigen Form betreibt: also mit zum Ambiente passender deutscher Küche. Doch es hätten sich nur Interessenten, die ausländische Küche anbieten wollten, gemeldet.
Wer genau der Besitzer ist, ist nicht bekannt. Nur, wer das Gebäude verwaltet. Das ist die Krasemann Immobilien Management GmbH. Zu den Besitzverhältnissen des Gebäudes macht sie auf Nachfrage aber keine Angaben.
Dies zu wissen, wäre natürlich spannend. Allein schon, um denjenigen zu fragen, was passiert, sollte auch in den kommenden Wochen kein neuer Betreiber für einen Gastrobetrieb gefunden werden.
Betreibersuche bislang erfolglos
Was dann? Wird aus dem Gebäude, in dessen Räumlichkeiten 1882 das erste Hussitenfest geplant wurde, dann vielleicht wieder ein Hotel — so wie im 19. Jahrhundert zu Zeiten von Friedrichs II.? Oder ein Geschäftshaus? Insolvenzverwalter Thomas Wulsten sagt: „Ob seitens des Vermieters noch ein neuer Betreiber gefunden werden kann oder was sonst mit dem Gebäude plant, entzieht sich meiner Kenntnis.“
Bei der Stadt wäre man sehr für einen Weiterbetrieb: „Natürlich würden wir uns freuen, wenn der Schwarze Adler bald wieder öffnet“, so Pressesprecherin Cornelia Fülling.



