Investitionen: Zauneidechse verhindert Eisfabrikbau in Bernau

Bauland und auch wieder nicht: Dezernent Jürgen Jankowiak steht auf der Fläche im Gewerbegebiet an der Albertshofer Chaussee, auf der es Zauneidechsen geben soll.
Wolfgang RakitinFür beide Seite schien es eine Win-win-Situation zu sein. Der Inhaber einer Eismanufaktur in Berlin suchte einen neuen Produktionsstandort, die Stadt Bernau Käufer für ihre noch reichlich freien Flächen im Gewerbegebiet an der Albertshofer Chaussee. Man wurde sich einig, der Grundstückskaufvertrag unterzeichnet. Doch als die Firma in diesem Sommer ihren Bauantrag für das neue Produktionsgebäude beim Landkreis Barnim einreichte, erlebte sie eine Überraschung. Die untere Naturschutzbehörde legte ihr Veto ein. Begründung: Auf der mehr als 25 Jahre nicht genutzten Fläche geben es Zauneidechsen, und die stehen unter Artenschutz.
Im Herbst dieses Jahres soll eine „umfangreiche Eidechsenpopulation“ im Gewerbegebiet entdeckt worden sein, erzählt Bernaus Baudezernent Jürgen Jankowiak. "Betroffen davon ist nicht nur die Fläche der Eismanufaktur“, weiß er. Auch der Landkreis selbst könne sich die Karten legen. Dessen hundertprozentige Tochter, die Barnimer Dienstleistungsgesellschaft (BDG), habe zur Erweiterung des Recyclinghofes ebenfalls eine Fläche erworben, auf der es Zauneidechsen geben soll. „Frühestens im kommenden April kann der Sache auf den Grund gegangen werden“, sagt Jürgen Jankowiak. Bis dahin liege das Projekt Eismanufaktur erst einmal auf Eis.
Was das für die Grundstücksverkäuferin Stadt Bernau bedeutet, ist nicht ganz klar. Schon soll der Berliner Käufer in einem Brief an das Rathaus mit der Schadenersatzkeule gewunken haben: Er habe von der Stadt Bauland erworben, um seine Produktion zu erweitern und könne nun nicht bauen, soll dessen Hauptargument sein. Jürgen Jankowiak kann den Frust des Investors zwar nachvollziehen, weist aber schon mal vorsorglich eine etwaige Schadenersatzforderung zurück. „Es ist definitiv Bauland. Für den Fall, dass es diese Zauneidechsen-Population gibt, muss er damit umgehen“, sagt der Dezernent.
Gewerbegebiet mit wechselvoller Geschichte
Das ehemalige NVA-Gelände an der Albertshofer Chaussee gehörte zu den ersten Gewerbegebieten, die in der Region Bernau entwickelt wurden. Die Gemeinde Ladeburg verschuldete sich für den Erwerb der Flächen und die Erschließung Anfang der 1990er-Jahre mit mehr als 16 Millionen D-Mark – und hatte schwer daran zu tragen. Bis zur Jahrtausendwende litt die Kommune unter Haushaltssperren. Bis Mai 1999 konnten lediglich 31 Prozent der rund 33 Hektar Bauland verkauft wrden. Zweieinhalb Jahre später – Ladeburg war inzwischen ein Ortsteil von Bernau – waren rund 16 Hektar vermarktet. Für etwa 2,6 Hektar lagen ernsthafte Ansiedlungsabsichten vor, für weitere 2,5 Hektar zwei Kaufanträge. Mit Stand November 2019 gibt es immer noch freie Flächen mit einer Gesamtgröße von rund 4,5 Hektar.⇥sas
