Jugendprojekt
: Graffiti für ein buntes Bernau

Auf einer Wand am Bahnhof Bernau entsteht eine große Collage – nicht nur mit Motiven aus der Hussitenstadt.
Von
Kai-Uwe Krakau
Bernau
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  • Gemeinsames Werk: "Bernau bleibt bunt" ist das Thema des Graffiti-Bildes am Bahnhof Bernau. Mit dem Jugendprojekt wird ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung umgesetzt.

    Gemeinsames Werk: "Bernau bleibt bunt" ist das Thema des Graffiti-Bildes am Bahnhof Bernau. Mit dem Jugendprojekt wird ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung umgesetzt.

    Sergej Scheibe
  • "Augen"-Blick: Der Berliner Graffiti-Künstler Stefan Seibt, bekannt als Gris, bei der Arbeit.

    "Augen"-Blick: Der Berliner Graffiti-Künstler Stefan Seibt, bekannt als Gris, bei der Arbeit.

    Sergej Scheibe
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Immer wieder bleiben Menschen, die gerade vom S-Bahnsteig die Treppe hinunterkommen sind, auf dem Vorplatz stehen. Oft nachdenklich, manchmal skeptisch, schauen sie zu, wie die jungen Leute, die Sprühdose in der Hand, bunte Bilder an die Wand zaubern. "Das sieht auf jeden Fall besser aus als die Schmierereien“, sagt ein älterer Mann und geht in Richtung Innenstadt.

Unter dem Motto „Bernau bleibt bunt“ ist das Graffiti-Projekt vor wenigen Tagen am Bahnhof Bernau gestartet, am Mittwochabend sollte es enden. Auf einer rund 75 Quadratmeter großen Stützmauer zwischen der Treppe und dem Aufzug entsteht eine Collage mit „allem, was die Stadt ausmacht“. Man habe bewusst keine gestalterischen Vorgaben gemacht, sagt Sabine Oswald-Göritz vom städtischen Kulturamt. „Wir müssen die Schüler mit ihrem Themen ernst nehmen“, findet sie.

Workshop im Kunstraum

Vor einer Woche hatte es zunächst ein Kennenlern-Treffen gegeben. „Wir haben uns dann auch erst einmal gemeinsam die Wand angeschaut“, erzählt Stefan Seibt. Der 40-jährige Zeichner, Maler und Dozent lebt in Berlin und unterstützt mit David Gehlhaar das Projekt. Relativ rasch habe man dann bemerkt, dass die Wand einen „schwierigen Untergrund“ habe. „Da ist viel Sand dabei“, so Seibt, der in der Graffiti-Szene als Gris bekannt ist. Ein großes, zusammenhängendes Bild zu machen, war damit ausgeschlossen. „Wir haben uns dann entschieden, eine Collage mit kleinen Feldern zu machen“, so der Künstler.

Am nächsten Tag ging es dann im Kunstraum Innenstadt in die Entwurfsphase. Am Wochenende konnte bereits das Ergebnis beim Tag des offenen Ateliers im Café Alte Post von den Besuchern begutachtet werden.

Am späten Nachmittag haben Francesca Grübner und Leonie Zimmermann ihre Sprühdose zur Seite gelegt und gönnen sich eine kurze Pause. Die 16 und 17 Jahre alten Schülerinnen des Paulus-Praetorius-Gymnasiums sind durch ihre Kunstlehrerin auf das Projekt aufmerksam gemacht worden – und nun mit Eifer bei der Sache. Mit Graffiti hatten sie sich vorher noch nie beschäftigt. „Es macht aber riesigen Spaß“, versichern sie. Die beiden Teenager finden, dass die Hussitenstadt ruhig etwas mehr Phantasie vertragen kann, entsprechend haben sie auch ihre Motive gewählt. Bei Francesca ist es eine Szene aus „Alice im Wunderland“, Leonie sprüht eine Rose sowie ein Einhorn. „Die mag´ ich einfach“, so die 17-Jährige.

Projekt wird fortgesetzt

Drei Meter weiter ist Marko Kalita bei der Arbeit, sozusagen stellvertretend. „Bei der Erstellung der Entwürfe war meine Tochter Ronja noch dabei“, erzählt der Vater. Beim Sprühen hätte sie auch gerne mitgemacht, die Neunjährige sei aber auf Klassenfahrt. „Deshalb vollende ich das Werk“, sagt Kalita und sprüht weiter an Ronjas Motiven: einem Herz und einer Gießkanne.

Stephan Schmidt vom Atelier Oben ist als "Mädchen für alles“ beim Projekt dabei, wie er scherzhaft erzählt. „Ich sorge für Getränke und alles, was sonst noch gebracht wird“, so der gelernte Buchbinder.

„Im Herbst werden wir mit einer  Wand am Bahnhof weitermachen“, so Sabine Oswald-Göritz. Dafür wolle man dann eine Grundschule gewinnen.