Katholische Kirchengemeinde: Von Indonesien bis nach Bernau

Gemeindebesuche stehen auf dem Programm: Pfarrer Vinsensius Visca vor dem Portal der Herz-Jesu-Kirche in Bernau
Sergej ScheibeDas erste Kind hat Pfarrer Vinsensius Nana Ekayana Visca in Bernau bereits am vergangenen Wochenende getauft. Der Pfarrvikar ist Nachfolger von Pfarrer Eberhard Kort, der fast 20 Jahre lang in der Herz–Jesu–Gemeinde tätig war.
Pfarrer Visca hat selbst erst im Alter von 15 Jahren die Taufe erhalten. Aus eigenem Entschluss und Überzeugung hatte er den christlichen Glauben angenommen. Geboren wurde er in der indonesischen Großstadt Tangerang. So wuchs er mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern in einer buddhistischen Familie auf.
Mit dem christlichen Glauben kam der heute 46–Jährige bereits während seiner Schulzeit in Berührung. „Meine Eltern haben mich auf eine katholische Schule geschickt und mir damit eine sehr gute Ausbildung ermöglicht“, sagt er. Die Schule befand sich in Situbondo auf Ostjava. Dass er sich als Kind für das Christentum interessierte, stellt sich für ihn nicht als ungewöhnlich dar. Die Religionen sind sehr ähnlich, sagt er. So gebe es in beiden Religionen Priester, Mönche und Nonnen. Aber nicht nur dies spreche für die Vergleichbarkeit beider Religionen. Beispielsweise sei aber auch die karikative Grundeinstellung und die Bereitschaft, Armen ganz selbstverständlich zu helfen, sowohl im Buddhismus als auch im Christentum vorhanden und eine tragende Säule. In seiner Familie war Pfarrer Vinsensius übrigens nicht der Einzige, der zum Christentum wechselte. Auch seine Eltern entschieden sich zu diesem Schritt, seine verstorbene Mutter erst vor sechs Jahren.
„In Bernau bin ich sehr herzlich aufgenommen worden“, berichtet Pfarrer Visca über die noch recht kurze Zeit, die er jetzt in der Herz–Jesu–Gemeinde ist. Als Seelsorger ist er nicht nur für die katholische Kirchengemeinde in Bernau zuständig. Sein Tätigkeitsbereich erstreckt sich auf den gesamten pastoralen Raum Bernau, Eberswalde und Buch, der gegenwärtig im Zuge der Neustrukturierung der katholischen Kirche gebildet wird. Das Kennenlernen und die Abstimmungen laufen und in zwei Jahren soll die Neubildung abgeschlossen sein. Zum Bereich im Niederbarnim gehören bereits jetzt neben der Herz–Jesu–Gemeinde in Bernau auch Sankt Joseph in Werneuchen, Sankt Konrad in Wandlitz sowie Sankt Marien in Biesenthal. „Gegenwärtig stehen für Pfarrer Visca viele Gemeindebesuche an und zu den Gemeinden Mater Dolorosa in Buch und Peter und Paul in Eberswalde bestehen Kontakte.
In dem gesamten pastoralen Raum wird Pfarrer Visca einige Tausend Gemeindemitglieder betreuen. Nach der kirchlichen Statistik für das Jahr 2017 sind es für den Niederbarnimer Bereich mit Bernau, Wandlitz, Biesenthal und Werneuchen 2578 Kirchenmitglieder, in Eberswalde 2219 sowie in der Gemeinde Mater Dolorosa in Berlin Buch 3591 Mitglieder.
Den Wandlitzer Bereich kennt er schon aus früheren Jahren. Als er Diakon in der Pfarrei „Zu den Heiligen Schutzengeln“ in Hennigsdorf war, hat er mehrere Kinder– und Jugendfreizeiten in Wandlitz verbracht. Dies liegt nunmehr schon mehr als ein Dutzend Jahre zurück. Später war er als Kaplan in Stralsund und Berlin–Reinickendorf sowie zuletzt als Pfarradministrator in Berlin–Mariendorf tätig.
Auch Pfarrer Eberhard Kort, der bis zu seinem 70. Geburtstag sein Amt in der Herz–Jesu–Gemeinde bekleidet hat, hat er bereits kennengelernt. Auch diese Kontakte werden weiterhin bestehen, da Pfarrer Kort weiterhin im Dekanat Eberswalde wohnt und auch als Ruheständler im Konvent mitwirken möchte.
Dass Pfarrer Vinsensius Visca sein Heimatland verlassen hat und nach Deutschland gekommen ist, liegt wiederum an seinem Interesse, das er für die deutsche Sprache entwickelte. Nach dem Abitur im Jahr 1991 besuchte er einen Deutschkurs am Goethe–Institut in Jakarta und kam anschließend nach Hamburg, um dort das Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Er lernte den Neokatechumenalen Weg kennen und bekennt sich seitdem zu der Einführung von Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlicher Herkunft in den christlichen Glauben.
„Wenn man zu sich selbst kommt, hat man keine Angst, mit anderen umzugehen“, sagt Pfarrer Vinsensius Visca. So steht er auch wie selbstverständlich für die Ökumene im christlichen Glauben. Seine Herkunft und seine Lebenserfahrungen sind dabei ganz offenbar eine Bereicherung. In seiner Heimat hat er viele Buddhisten, Moslems, Christen und Angehörige anderer Religionen kennen gelernt. „Wer genau hinsieht, erkennt viele Gemeinsamkeiten“, sagt er und bezieht dies ausdrücklich auch auf das Christentum und den Islam, zum Beispiel auf die Vorstellungen von Gott und Allah. Einen Unterschied stellt er lediglich in der Mentalität fest. Ob Buddhist, Moslem oder Christ — im von Europa aus gesehenen Fernen Osten seien unabhängig von ihrem Glauben alle Menschenruhiger.