Was willst Du einmal werden? Auf diese Frage antworten viele Mädchen „Erzieherin“. Heute wie vor 40 Jahren ist das ein Traumberuf. Für Männer kam er lange Zeit eher nicht in Frage. Speziell in Kindertagesstätten arbeiteten in den vergangenen Jahrzehnten nur sehr wenige Erzieher. Wie ein Blick in Bernauer Kitas zeigt, ändert sich das inzwischen jedoch.

212 Mitarbeitende in zwölf städtischen Kindergärten

Derzeit sind in den zwölf städtischen Kindertagesstätten, zu denen auch die Schulhorte gehören, 212 Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt: 186 Frauen und 26 Männer. Gut zwölf Prozent der Angestellten sind also Männer. Die meisten von ihnen arbeiten in Horten und bei den „Schönower Heideknirpsen“. In dieser Kita kümmern sich aktuell 21 Erzieherinnen und fünf Erzieher um die fast 200 Kinder.
„Wir sind ein gutes Team, ergänzen einander, auch was das Vermitteln von Normen und Werten betrifft. Es ist ein Nehmen und Geben, von dem die Kinder profitieren“, sagt Kita-Leiterin Birgit Stahl. Von Seiten der Eltern werde es als sehr positiv aufgenommen, dass in der Kita auch Erzieher arbeiten. Es könnten gern noch mehr sein, findet die Kita-Leiterin.

„Männer haben andere Sichtweisen“

Auch für Sandra Dörnbrack und Virginia Gneckow sind Kollegen eine Bereicherung. „Männer haben andere Sichtweisen, sprechen die Kinder auf ihre Art und Weise an und bekommen zu ihnen einen anderen Zugang. Außerdem lockern sie das Team auf, sind oft gelassener“, sind sich die beiden Erzieherinnen einig. Dies komme allen zugute: den Kindern, den Eltern und dem Team. Erweitert werde durch die Erzieher auch die Bandbreite der Aktivitäten in der Kita, gerade im sportlichen Bereich. Und so mancher Vater begrüße es, sich über Probleme mit seinem Sprössling mit einem Mann austauschen zu können.

„Ich wollte nicht in einem Büro sitzen“

Was Sport anbelangt, ist Christoph Kühn der perfekte Partner. Dem ehemaligen Tennisspieler und -trainer hat das Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen in einem Verein so viel Spaß gemacht, dass er sich entschloss, Erzieher zu werden. Nach Stationen in Mainz und Berlin ist er nach Bernau zurückgekehrt und arbeitet jetzt bei den Heideknirpsen. „Ich wollte nicht in einem Büro sitzen, sondern dabei helfen, Kinder auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten“, sagt der 38-Jährige.

Früher Fensterbauer, jetzt Erzieher

Sein Kollege Sven Hinderlich hat erst als Fensterbauer gearbeitet. Nachdem er im Familien- und Bekanntenkreis viel Gutes über den Erzieherberuf erfahren hatte, schulte er um und hat es bis heute nicht bereut. Ebenso wenig der ehemalige Kunst- und Bauglaser Oliver Ciza, der nach seinem Zivildienst in einer Integrationseinrichtung den Entschluss fasste, Erzieher zu werden. Allerdings sei es manchmal auch anstrengend, zwischen so vielen Frauen zu arbeiten, bei Planungen und Absprachen kämen Männer eher auf den Punkt. Natürlich gebe es auch Unterschiede beim Umgang mit den Kindern. „Bei Männern ist mehr action angesagt, wir spielen mit den Jungs auch gern mal Fußball“, so der 33-Jährige.

Mit 55 Jahren die Bank gegen die Kita eingetauscht

Axel Brendtner hatte noch mit 55 den Mut, sich noch einmal auf die Schulbank zu setzen. Der frühere Bankangestellte wurde Erzieher und an seinem ersten Tag in der Kita als „Opa Axel“ begrüßt. „Ich arbeite gern mit Kindern. Das Emotionale liegt mir sehr am Herzen“, so der heute 60-jährige Schönower, der oft mit den Mädchen und Jungen singt und Experimente mit Wasser oder Sand macht.
Ganz neu im Boot ist Maximilian Degen. Der Job bei den Heideknirpsen ist sein erster nach der Erzieher-Ausbildung. Er fühlt sich im Team wohl und ist von der einfallsreich gebauten Kita ganz angetan. „Die Kinder können sich in dem schön gestalteten großen Garten austoben, haben tolle Spielgeräte, einen riesengroßen Sandkasten, eine Rennstrecke und einen Fußballplatz“, freut sich der 22-Jährige. Auch er findet „gemischte“ Teams gut und weiß: „Es gibt Kinder, die eher zu Frauen und Kinder, die eher zu Männern Kontakt aufbauen.“
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