Kindernachsorgeklinik
: Mitarbeiter aus Bernau haben für Dezember keinen Lohn bekommen

Ehemalige Angestellte der geschlossenen Kindernachsorgeklinik in Bernau warten auf ihr Geld.
Von
Christian Heinig
Bernau
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  • Als die Welt noch (fast) in Ordnung war: Sandra Bandholz (M.), Geschäftsführerin der Kindernachsorgeklinik, bastelt im November 2018 mit kleinen Patienten. Ein Jahr später kam für die Reha-Einrichtung das Aus.

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    Wolfgang Rakitin
  • Neubau: Die Kindernachsorgeklinik könnte in Strausberg ein neues Zuhause bekommen. Oder auch nicht.

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    Peter- und Ingeborg-Fritz-Stiftung
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Doch hart hat es sie auch danach getroffen – finanziell. Für den Dezember 2019 nämlich, ihrem letzten Arbeitsmonat, wurden sie, anders als gedacht, nicht entlohnt. Das haben Ex-Mitarbeiter gegenüber der MOZ berichtet.

„Ich habe für Dezember kein Gehalt bekommen“, sagt einer, der seit 2017 in der Kindernachsorgeklinik gearbeitet hatte. „Das war schwer, man hat ja Miete und Rechnungen zu bezahlen.“ Das Problem: Er und viele der anderen 40 Mitarbeiter hatten mit dem Lohn noch gerechnet.

Offiziell wurden die Mitarbeiter der Kindernachsorgeklinik, die in finanziellen Schwierigkeiten steckte, am 29. November gekündigt. Trotzdem hatten sie bereitwillig bis zum 19. Dezember, als der operative Betrieb der Klinik eingestellt wurde, weitergearbeitet. „Wir haben voll durchgezogen, es ging ja auch um die Kinder“, so ein Mitarbeiter.

Dass die Klinik-Leitung aber einen Tag später, am 20. Dezember, einen Insolvenzantrag stellte, erfuhren viele scheinbar erst nach Weihnachten. „Ich habe die Info am 1. Januar über unseren Mitarbeiter-Chat bekommen“, berichtet ein 46-Jähriger. Er hat nun – genau wie andere – beim Arbeitsamt einen Antrag auf Insolvenzgeld  gestellt. Das wird auch fließen. Nur wann, ist offen.

„Das Gehalt der Mitarbeiter ist bis einschließlich Februar 2020 über das Insolvenzgeld abgedeckt“, teilt Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff auf MOZ-Nachfrage mit. Wann die Auszahlung durch die zuständige Agentur für Arbeit erfolge, könne er aber nicht sagen.

Offen ist zudem die Frage: Warum ist es so gelaufen mit den Gehältern?  Sandra Bandholz, Geschäftsführerin der Kindernachsorgeklinik, erklärt gegenüber der MOZ, sie habe wegen fehlender Zuschüsse der Gesellschafter für Dezember keine Gehälter mehr zahlen können. Zudem sei der Insolvenzantrag unausweichlich gewesen. „Es gibt Haftungsrisiken, wenn die Zahlungsunfähigkeit droht“, so Bandholz. Die Situation für die Mitarbeiter beschreibt sie als „dramatisch“.

Roland Wehrle, der Aufsichtsratsvorsitzende der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg gGmbH und Sprecher der Gesellschafter, widerspricht hingegen. Laut ihm hätten die Gesellschafter noch bis Januar Mittel zugesagt. „Wir wollten, dass die Mitarbeiter frühestens im Januar gekündigt werden. Aber die Geschäftsführung vor Ort hat anders entschieden.“

Inzwischen haben einige der Pädagogen, Therapeuten und Küchenkräfte, die in der Kindernachsorgeklinik seit ihrer Eröffnung 2009 insgesamt 2500 Familien betreut haben, bereits anderswo Arbeit gefunden. Andere suchen noch. Die Hoffnung, dass es für die Klinik an einem anderen Standort eine Zukunft gibt, teilen nicht viele.

Hoffnung auf Strausberg?

Klar ist: In Bernau, wo sich auf die Schnelle kein neuer Träger fand, ist definitiv Schluss. Damit gibt es deutschlandweit vorerst nur noch vier derartige  Rehabilitationseinrichtungen, die herz- und krebskranke Kinder und ihre Familien im Anschluss an eine Operation betreuen.

Geblieben ist nur noch die ursprüngliche Idee, dass die Bernauer Klinik 2021 nach Strausberg umsiedelt. Investor Peter Fritz, der am Straussee ein Gebäude für die Klinik baut, gibt sich weiterhin zuversichtlich. „Es läuft etwas im guten Sinne“, sagt er. Zwei oder drei Träger gebe es, darunter soll laut MOZ-Informationen auch die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal sein. Fritz bestätigt dies, hält sich sonst aber bedeckt.

Möglicherweise pokert er, denn noch trägt das Insolvenzverfahren den Status vorläufig. Stichtag für die richtige Eröffnung ist der 1. März. Und erst dann ist endgültig Schluss.

Der Insolvenzverwalter teilte jedoch mit, dass es wegen eines fehlenden Trägers aktuell „keine Fortführungsaussichten“ gebe. Trotz Bemühungen hätte man erst zu Wochenbeginn eine Absage erhalten.

Finanzielle Schwierigkeiten

Die Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg wurde im März 2009 eröffnet. Sie hatte ihren Sitz in der Bernauer Waldsiedlung, in ehemaligen Wohnhäusern der DDR-Regierung.

Im Dezember 2019 erfolgte wegen finanzieller Schwierigkeiten das Aus. Zudem wurde Insolvenz beantragt.

Für die Schließung gab es laut Geschäftsführung zwei Gründe. Erstens: Probleme mit dem Besitzer der Gebäude, den Michelskliniken, wegen der Miethöhe. Zweitens: nicht finanzierbare Verpflichtungen von zehn Millionen Euro, die mit einem für 2021 geplanten Umzug nach Strausberg verbunden gewesen wären.⇥red