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: Barnimer Tierschützer setzen bei Rehkitzrettung auf Drohnen

Die BRH Rettungshundestaffel Barnim setzt nicht nur auf Vierbeiner, sondern nutzt auch Technik bei der Rehkitzrettung.
Von
Kai-Uwe Krakau
Bernau
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  • Moderne Technik: Die Rehkitzsuche mittels Drohne und Wärmebildkamera soll künftig zum Leistungsspektrum der BRH Rettungshundestaffel Barnim gehören – hier Jörg Rittig-Redinger am Laptop.

    Moderne Technik: Die Rehkitzsuche mittels Drohne und Wärmebildkamera soll künftig zum Leistungsspektrum der BRH Rettungshundestaffel Barnim gehören – hier Jörg Rittig-Redinger am Laptop.

    Wolfgang Rakitin
  • Gefährlich: Die Rehkitze werden bei Mäharbeiten auf den Feldern leicht übersehen.

    Gefährlich: Die Rehkitze werden bei Mäharbeiten auf den Feldern leicht übersehen.

    Wolfgang Rakitin
  • Großer Vorteil: Drohen können im Unterschied zu einer Begehung in kürzerer Zeit eine größere Fläche abfliegen.

    Großer Vorteil: Drohen können im Unterschied zu einer Begehung in kürzerer Zeit eine größere Fläche abfliegen.

    Wolfgang Rakitin
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Thomas Dobrosch hat sein Auto am Wegesrand geparkt, der Koffer ist bereits ausgeladen. Vorsichtig nimmt er die einzelnen Teile heraus und fügt sie mit routinierten Griffen zusammen. Nach wenigen Minuten ist der Quadrocopter startklar – und hebt ab.

„Wir wollen heute mit unserer Drohne üben“, sagt Jeannette Ullrich. Die 48–jährige Zepernickerin ist Vorsitzende der BRH–Rettungshundestaffel Barnim. Unter dem Motto "Spürnasen retten Menschenleben“ helfen die Mitglieder des Vereins bei der Suche nach vermissten Personen — und das ehrenamtlich und kostenfrei. "Vor zweieinhalb Jahren haben wir mit dem Aufbau eines Drohnen–Teams begonnen“, erzählt die junge Frau. Diese Technik unterstütze die Hundearbeit und sei eine gute Ergänzung im Gelände, beispielsweise bei den Übergängen zwischen Wald und Feld. „Bisher konnten wir nur optisch suchen“, so Jeannette Ullrich. Der Nachteil liegt auf der Hand: Nachts nutzt die Drohne nichts. Doch das wird sich bald ändern. Die Rettungshundestaffel hat eine Wärmebildkamera amerikanischer Produktion bestellt, in vier bis sechs Wochen könnte die Drohne dann einsatzbereit sein.

Die fast 30 Mitglieder — zwölf waren am Sonnabend dabei — haben zudem ein neues Tätigkeitsfeld entdeckt. „Wir wollen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten“, sagt Dobrosch. Bis zu 100.000 Tiere, so eine Schätzung, werden in jedem Jahr zwischen April und Juni durch die Mähwerke der landwirtschaftlichen Maschinen getötet. „In dieser Saison werden wir nicht mehr einsatzbereit sein“, bedauert Dobrosch. Für alle Mitglieder, darunter auch Roland Kromm–Hewelt, der maßgeblich die Sparte technische Ortung aufgebaut hat, ist es aber wichtig, dass die Landwirte das Angebot schon frühzeitig kennen — und dann auch nutzen.

Die Wärmebildkameras gibt es in verschiedenen Auflösungen, je höher, um so weiter können die Drohnen in den Himmel steigen. „Durchaus sinnvoll ist es, in Höhen zwischen 40 und 50 Meter zu fliegen“, sagt Dobrosch. Rund zwei Kilogramm wiegt das Fluggerät, der Akku hält höchstens 15 Minuten. Die Drohnen können eine Geschwindigkeit von bis zu 75 Kilometer pro Stunde erreichen. Für das Fliegen gelten strenge Regeln, eine theoretische und praktische Ausbildung ist erforderlich. "Das Team soll perspektivisch aus fünf Männern und Frauen bestehen“, so Vereinschefin Ullrich. Weitere engagierte Mitstreiter sind willkommen.

Die Untersuchung einer Abschlussarbeit an der Universität für Bodenkultur Wien  hat ergeben, dass diese Suche die effizienteste Methode ist, Kitze auf den Feldern aufzuspüren. Dort lägen die Verluste lediglich bei 22 Prozent, heißt es. Der Einsatz lohne sich ab einem Suchgebiet von mehr als 15 Hektar pro Jahr.

Interessierte Land– und Forstwirte erreichen die Rettungshundestaffel unter der Telefonnummer 0170 3819599.