Krankenhaus Bernau: Kreißsaal und Gynäkologie schließen, das sind die Gründe

Wird bald geschlossen: Der Kreißsaal im Immanuel Klinikum Bernau. Künftig müssen Schwangere aus Bernau zur Entbindung weitere Wege in Kauf nehmen.
Andre Koehn- Immanuel Klinikum Bernau stellt Geburtshilfe und Gynäkologie zum 1. Oktober 2026 ein.
- Gründe sind sinkende Geburtenzahlen, Fachkräftemangel und gesetzliche Kürzungen.
- Bis 15. September werden Schwangere und Patientinnen noch aufgenommen.
- Ab November übernehmen Kliniken in Rüdersdorf, Berlin-Buch, Oranienburg und Eberswalde.
- MVZ Klosterfelde betreut Schwangere weiter – Dysplasie-Sprechstunde zieht in die Jahnstraße.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Keine guten Nachrichten für werdende Mütter in Bernau und Umgebung. Wie das Immanuel Klinikum Bernau mitteilt, schließen zum 1. Oktober die Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe. Umliegende Kliniken werden künftig die Versorgung übernehmen. Für Patientinnen aus Bernau bedeutet das weitere Wege.
„Trotz vielseitiger Bemühungen in den vergangenen Jahren, die Abteilung fachlich, räumlich und personell zu stärken, muss das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg seine Frauenheilkunde und Geburtshilfe zum 1. Oktober 2026 schließen“, teilt Klinik-Sprecherin Jenny Jörgensen mit. Die Krankenhausleitung habe bis zuletzt alle Möglichkeiten geprüft, um die Abteilung am Standort zu halten.
„Unser Gynäkologie- und Geburtshilfe-Team gibt jeden Tag sein Bestes für Frauen, werdende Eltern und ihre Babys. Die Entscheidung ist uns deshalb außerordentlich schwergefallen“, sagt Verena Plocher, Geschäftsführerin des Klinikums. „Gerade als diakonisches Haus ist uns die einfühlsame Begleitung der Geburt für einen guten Start in das Leben immer ein besonderes Anliegen gewesen. Gegen die veränderten Rahmenbedingungen kommen wir nun aber nicht mehr an.“
Sinkende Geburtenzahlen und Fachkräftemangel
Die Entscheidung resultiere aus einer sinkenden Geburtenrate, anhaltendem Fachkräftemangel und den Kürzungen, die das neue GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz für alle Krankenhäuser mit sich bringe. Zudem änderten sich mit der ebenfalls anstehenden Krankenhausreform die Anforderungen an Leistungsstrukturen, Personalvorhaltung und Finanzierung grundlegend. Diese Umstände treffen Häuser mit niedrigen Geburtenzahlen, wie das Immanuel Klinikum Bernau, besonders stark. Wie viele andere Krankenhäuser in Deutschland befindet es sich in einer finanziell schwierigen Lage.
So erblickten in diesem Jahr in Bernau bis Ende Juni lediglich 183 Kinder, durchschnittlich ein Kind pro Tag, das Licht der Welt. Offene Stellen konnten trotz intensiver Bemühungen nicht nachbesetzt werden. „Damit ist leider keine Perspektive für eine zukünftig nachhaltige und gute Entwicklung der Geburtshilfe in Bernau gegeben“, betont Verena Plocher. „Das bedeutet zugleich, dass wir auch die Frauenheilkunde nicht länger aufrechterhalten können.“

Das Klinikum Bernau schließt seinen Kreißsaal und die Gynäkologie.
Immanuel Albertinen Diakonie, André KöhnDie Geburtskliniken in Rüdersdorf, Berlin-Buch, Oranienburg und Eberswalde sollen ab November die Patienten übernehmen. Diese Kliniken seien in 20 bis 30 Minuten von Bernau oder aus der Umgebung erreichbar, teilt Jenny Jörgensen mit. Sie seien informiert, stünden zur Begleitung der Schwangeren bereit und verfügten auch über gynäkologische Abteilungen.
MVZ Klosterfelde begleitet Schwangere weiterhin
Noch bis zum 15. September werden gynäkologische Patientinnen und vor der Entbindung stehende Schwangere im Immanuel Klinikum Bernau aufgenommen. In der zum Klinikum gehörenden gynäkologischen Praxis im Immanuel MVZ Klosterfelde werden Schwangere auch weiterhin von einem frauenärztlichen Team und einer Hebamme begleitet. Die Dysplasie-Sprechstunde, die das MVZ zurzeit im Klinikum anbietet, wird künftig am nahegelegenen MVZ-Standort in der Jahnstraße in Bernau stattfinden.
„Ich bedaure sehr, diese Entscheidung so treffen zu müssen. Gerade unsere Geburtshilfe ist für viele Menschen mit besonderen Emotionen verbunden und hat unser Haus über viele Jahre geprägt. Gleichzeitig müssen wir uns aber an die sinkende Nachfrage und geänderten Rahmenbedingungen anpassen“, so Verena Plocher.
Den Mitarbeitenden dankte die Klinik-Chefin für ihr großes Engagement und die fachliche Kompetenz, mit der sie Frauen und Familien in einem so besonderen Lebensabschnitt begleitet haben. „Gemeinsam mit ihnen werden wir individuelle Perspektiven innerhalb unseres Hauses oder bei kooperierenden Einrichtungen entwickeln“, kündigt sie an.
Auch Strausberg schloss seinen Kreißsaal
Das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg, das Universitätsklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg ist, will seine Schwerpunkte in der Kardiologie, in der Herz- und Gefäßchirurgie sowie die Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie weiter stärken. Auch die Angebote der Chirurgie und Inneren Medizin sollen weiter ausgebaut werden.
Nicht nur in Bernau schließt der Kreißsaal seine Türen. Jüngst hatte das Krankenhaus Märkisch-Oderland am Standort Strausberg die Geburtshilfe eingestellt. Hintergrund waren auch hier tiefgreifende strukturelle Veränderungen im deutschen Krankenhauswesen sowie sinkende Geburtenzahlen.


