Ruhe herrscht gerade nicht im Klassenzimmer, in der 6b der Klosterfelder Grundschule steppt eher der Bär. Da werden schnell mal vom Banknachbarn Stifte geliehen, es wird über die Zeichnungen geplaudert und manch einer befasst sich, in Gedanken versunken, mit dem Bild an der Tafel. Mit Kreide wird in diesem Klassenzimmer schon länger nicht mehr geschrieben. Vielmehr hängt ein neumodisches digitales Exemplar einer Tafel, ein so genanntes Whiteboard, an der Wand. Auf dessen Bildschirm hat Lehrerin Bettina Bruch ein Abbild der fünf Elemente platziert. Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser stellen die Prozesse des Lebens dar. „Alles hängt miteinander zusammen“, haben die Schüler bereits erfahren, denn sie befassen sich schon seit geraumer Zeit mit einem Kinderbuch-Projekt zu den fünf Elementen.
Der Anstoß dazu kam von der Bernauer Kinderbuchautorin Andrea Schröder, die die Schüler mit ihrer Idee begeistern konnte, die Texte ihres Kinderbuches zu illustrieren. Das Werk wird vielleicht einmal „Der Wettstreit der Elemente“ heißen, aber so ganz sicher ist das noch nicht. Es soll aber spätestens vor dem Weihnachtsfest vorliegen, sodass die Kinder sich selbst und natürlich die Familien und Freunde beschenken könnten.

Erste Qi-Gong-Übungen

Doch bevor überhaupt die erste Skizze entstand, bekamen die Kinder theoretischen Zugang zum Thema und speziell zu den fünf Elementen vermittelt. Andrea Schröder besuchte dazu die Klasse und sprach mit den Schülern über ihre Einstellungen und Einsichten, die sich grundlegend aus dem Taoismus speisen. „Im Zusammenhang mit einer Erkrankung habe ich mich umfassend mit alternativen Heilmethoden, mit Qi-Gong und den fünf Elementen befasst. Balance, Ausgleich und Ruhe an Kinder weiterzugeben, war schon immer mein Wunsch. So entstand die Grunderzählung, die die Kinder jetzt kennen“, berichtet sie.

Jeder beharrt auf Wichtigkeit

Die Geschichte beginnt mit einem heißen Tag in einem Nadelwald, sodass die Tannennadeln ins Schwitzen kommen. Sobald gerät eine Nadel nach der anderen in Flammen, ein Bäumchen protestiert in heller Aufregung. „Oh, geh weg. Tut mir nicht weh, ich muss noch wachsen...“ Mehr soll dazu nicht verraten werden. Aber natürlich lässt der Anfangskonflikt erwarten, dass es zwischen den Elementen zum Streit kommt. Jeder beharrt auf seine Wichtigkeit. Probleme bereitetet es zunächst, Kompromisse zu finden. „Die Sonne und der Wind treten als Vermittler auf“, verrät Andrea Schröder noch.
Eine interessante Konstellation, die von den Kindern unterschiedlich interpretiert wird. Pepe aus Wandlitz bringt auf seinem Bild alle Elemente unter. „Der Baum sagt, ich bin der Wichtigste“, kommentiert er dazu. Aus der Erde lässt er eine Quelle entspringen, so kommt auch das Wasser ins Spiel. Die Sonne schaut sich das Geschehen von oben an. Am Ende verleiht der Schüler seinem Bild einen Hauch von Nebel, indem er mit dem Handballen wolkig Farbe aufträgt.
In der Bank dahinter zeichnet Julia ein extra freundliches Abbild des Geschehens. Die Sonne streckt die Zunge raus, eine Wolke bekommt einen lustigen Hut, rote Äpfel am Baum wollen bald geerntet werden. Auch bei Julia fließt das Wasser einer Quelle quer durch das Bild. Lehrerin Bettina Bruch findet vor allem die künstlerische Freiheit wichtig: „Die künstlerischen Grenzen sind völlig offen - jeder Schüler zeichnet so, wie es ihm in den Kopf kommt.“ Auch muss kein Schüler Sorgen haben, am Ende aussortiert zu werden.

Jedes Bild kommt ins Buch

Jedes Bild, das verspricht Andrea Schröder, findet sich später im Buch wieder. Es wird sogar der Name des Autors zu lesen sein - auch deshalb sind derartige Buchprojekte bei Schülern sehr beliebt. Zumal ganz unterschiedliche Fähigkeiten angesprochen werden. Beispielsweise bekamen die Schüler nach dem Durchgehen der Texte durch die Autorin eine erste Einweisung in Qi-Gong-Übungen, mit überraschenden Erkenntnissen übrigens. „Zwischen meinen Händen sind Fäden“, habe ein Mädchen festgestellt, erinnert sich Andrea Schröder. Sie habe dann auf die „Energien im Körper“ verwiesen.
Seit 2013 gibt es den Verlag Andrea Schröder, Leitspruch auf der Homepage ist der Satz „Wir machen die Welt ein klein bisschen schöner.“ Dies gelang beispielsweise schon mit Projekten in Bernau und in Schmachtenhagen, demnächst stehe auch ein Vorhaben in Berlin-Karow an.
Ziel ist es nun, nach den Herbstferien die fertigen Zeichnungen der Kinder der Druckerei zukommen zu lassen. Dort werden die Arbeiten eingescannt und digital bearbeitet, dann kann eigentlich der Druck beginnen. Schön wäre auch eine Buchpräsentation in der Wandlitzer Buchhandlung.

Weitere Bücher möglich

Die Auflage des Buches ist laut Autorin Schröder noch nicht ganz klar. „Sie könnte zwischen einhundert und dreihundert Exemplaren liegen“, sagt sie. Nächste Pläne schwirren ihr bereits im Kopf herum. Nach dem Buch mit den Kinderbildern könnte es einen zweiten Band mit Qi-Gong-Übungen und einen dritten Teil zum Thema Ernährung nach den fünf Elementen geben.