Das Ringen um den 10-Minuten-Takt bei der S2 hat eine neue Stufe erreicht. Gerade drei Wochen ist es her, da hatte die Landtagsfraktion von BVB/Freie Wähler von der Landesregierung den Testbetrieb einer Taktverdichtung gefordert. Nun geht man sogar noch einen Schritt weiter – und hat einen Antrag auf eine schrittweise Einführung des 10-Minuten-Taktes im Landtag eingereicht.
Damit liegt die Entscheidung darüber jetzt in der Hand der Abgeordneten in Potsdam. Debattiert und abgestimmt wird über die Vorlage in der Sitzung am 23. September.
Inhaltlich sind die Punkte des Antrags in Teilen schon bekannt. Er sieht vor, dass zunächst ab dem ersten Quartal 2021 ein Testbetrieb in den Stoßzeiten der Werktage erfolgen soll. Nach Auswertung dieser Phase wird die Landesregierung aufgefordert, ab Ende 2021 einen regulären 10-Minuten-Takt zu den werktäglichen Stoßzeiten zu ermöglichen.

Weitere Züge sollen bis 2026 erworben werden

Außerdem soll laut Antrag der Erwerb weiterer Züge so vorangetrieben werden, dass im weiteren Zeitverlauf – spätestens zeitgleich zur Erstellung des neuen kommunalen Nahverkehrsplans im Jahr 2026 – ein regulärer und genereller 10-Minuten-Takt umgesetzt werden kann.
Zur Begründung heißt es, der Bedarf an der Taktverdichtung sei wegen der wachsenden Einwohnerzahl in der Region unstreitig gegeben. Durch die Ausweisung neuer Wohngebiete sei allein in Bernau in absehbarer Zeit ein Bevölkerungsanstieg von 10.000 Einwohnern zu erwarten. „So liegt der Einzugsbereich der Brandenburger Bahnhöfe der S2 bei etwa 100.000 Menschen“, schreibt Péter Vida, Fraktionschef von BVB/Freie Wähler, in einer Mitteilung.
Gefordert wird der 10-Minuten-Takt auf kommunaler Ebene seit Jahren. Bereits mehrfach sprachen dazu auch die Bürgermeister von Bernau (Andre Stahl, Linke) und Panketal (Maximilian Wonke, SPD) beim Land vor.  Der Abschnitt gehört zu den ältesten des S-Bahn-Netzes. Bis zum Zweiten Weltkrieg verfügte die Strecke der „Stettiner Bahn“ über einen 10-Minuten-Takt, seitdem gilt er nur noch bis Buch. Zwischen Buch und Bernau fährt die S2 dagegen nur alle 20 Minuten.

Landesverkehrsplan ohne Zieldatum

Der aktuelle Landesnahverkehrsplan enthält das Ziel, auf allen Außenästen der S-Bahn – einschließlich der S2 – ein Angebot im 10-Minuten-Takt zu ermöglichen. Ein Zieldatum gibt es aber nicht. Es ist von „langfristig“ die Rede. Aktuell wird eine Taktverdichtung bei der S2 im Rahmen des Schienenausbau-Plans „i2030“ geprüft. Wie lange die Prüfungen dauern, ist offen.
Ein strittiger Punkt war lange die Frage, ob für eine Taktverdichtung ein zweites Gleis nötig sei. Seit diesem Jahr steht fest: Ist es offenbar nicht. „Eine zweigleisige Strecke ermöglicht den unabhängigen Betrieb beider Richtungen, sie ist aber keine zwingende Voraussetzung für die Umsetzung eines 10-Minuten-Taktes“, hatte die Landesregierung im April auf eine Kleine Anfrage von Péter Vida erklärt. Daher gibt es aus Sicht des Bernauer Stadtverordneten „keinen sachlichen Grund, nicht zeitnah zumindest mit einem Testbetrieb zu starten“.

Landesregierung lehnt Testbetrieb fürs erste ab

Bei der  Landesregierung stieß der geforderte Testbetrieb in einer ersten Reaktion Mitte August auf Ablehnung. Eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums begründete dies gegenüber der MOZ mit einem „engen Fahrzeugkorsett“. Unklar ist, wie viele zusätzliche Züge allein für den Probebetrieb von Nöten wären.
Klar ist nur, dass im Zuge der jüngst erfolgten Ausschreibung der Berliner S-Bahn-Teilnetze auch für die Linie der S2 neue Züge geliefert werden sollen. Nach Angaben der Berliner Verkehrsverwaltung sind es 33 Halbzüge, das entspricht 132 Wagen. Auf mehr kommt nur die Linie der S1 zwischen Oranienburg und Wannsee, hier sind es 45 Halbzüge (siehe Infokasten).
Bis die neuen Züge eingesetzt werden können, dauert es allerdings noch etliche Jahre. Zunächst entscheidet sich, welches Unternehmen den Zuschlag für den Bau bekommt. Das wird nicht vor 2022 passieren. Und dann müssen sie noch gebaut werden.
Die Betriebsaufnahme der neuen Züge soll dann frühestens im Dezember 2027 erfolgen, außerdem ist sie zeitlich gestaffelt, bis September 2034. Wann die S2 konkret an der Reihe ist, muss auch erst noch geklärt werden.

33 neue Halbzüge für die Bernauer S2


Im Rahmen der jüngsten Ausschreibung der Berliner S-Bahn sollen insgesamt 327 Halbzüge (1308 Wagen) geliefert werden. Sie teilen sich für das Teilnetz Nord-Süd, zu dem auch die Bernauer S2 zählt, laut Berliner Verkehrsverwaltung wie folgt auf:
S8 (Hohen Neuendorf – Wildau) 21 Halbzüge = 84 Wagen.
S86 (Buch – Grünau) 16 Halbzüge = 64 Wagen.
S2 (Bernau - Blankenfelde) 33 Halbzüge = 132 Wagen.
S25 (Hennigsdorf – Teltow Stadt) 33 Halbzüge = 132 Wagen.
S1
(Oranienburg – Wannsee) 45 Halbzüge = 180 Wagen.
S15 (Frohnau – Hauptbahnhof) 9 Halbzüge = 36 Wagen.
S85 (Hauptbahnhof – Ostkreuz – Flughafen BER)  13 Halbzüge = 52 Wagen.
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