Landwirte
: Preiskampf beim Spargel im Barnim

Jürgen Giese hat als einer der noch wenigen Anbauer des beliebten Stangengemüses im Niederbarnim viele Hürden zu nehmen.
Von
Olav Schröder
Tempelfelde
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  • Genau gerechnet: Bei der Kalkulation für den Familienbetrieb von Jürgen Giese aus Tempelfelde spielt der Spargelanbau eine wichtige Rolle. Doch der Preisverfall am Markt macht ihm Sorgen.

    Genau gerechnet: Bei der Kalkulation für den Familienbetrieb von Jürgen Giese aus Tempelfelde spielt der Spargelanbau eine wichtige Rolle. Doch der Preisverfall am Markt macht ihm Sorgen.

    Wolfgang Rakitin
  • Perspektiven: Louis Giese soll den Hof einmal weiterführen. Welche Bedeutung dann der Spargel hat, ist noch offen.

    Perspektiven: Louis Giese soll den Hof einmal weiterführen. Welche Bedeutung dann der Spargel hat, ist noch offen.

    Wolfgang Rakitin
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Auf den Märkten würde Spargel aus Polen schon jetzt zu deutlich niedrigeren Preisen angeboten. Ihn wundert, dass selbst angesichts der Corona–Maßnahmen Händler offenbar täglich die deutsch–polnische Grenze passieren könnten, um die Märkte mit Obst und Gemüse zu versorgen. Er frage sich dabei, ob dies nicht kontrolliert werde.

Kontrolle an der Grenze

Die Kontrollen der Händler finden bereits an der deutsch–polnischen Grenze statt, erläutert Nancy Kersten von der Bernauer Stadtverwaltung. Als Marktbetreiber seien Kommunen dafür nicht zuständig. Ihre Aufgabe konzentriere sich auf die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus. Und diese Vorgaben würden bei den Kontrollgängen durch Ordnungsamt und Marktaufsicht sehr ernst genommen, beispielsweise, wenn es um die Abstandspflicht geht. Gegenwärtig seien auf dem Bernauer Markt nur etwa zwölf Händler anzutreffen, da nur Lebensmittel und Gartenbedarf zugelassen seien. Doch diese Händler hätten jetzt etwa den doppelten Zulauf. „Wir sind froh, dass es sie gibt und sie das Angebot aufrecht erhalten.“

Jürgen Giese hatte sich zudem an den Landkreis gewandt und erhofft sich auch von dort noch eine Antwort. Seine Befürchtungen kommen nicht von ungefähr: Für den von ihm zugekauften Sorte–1-Spargel aus Beelitz erhält er aktuell pro Kilogramm 15 Euro. Jetzt nach Ostern habe er auf einem Markt Spargel aus Polen für 8,50 Euro gesehen.

Ein wesentlicher Grund seien die Wettbewerbsbedingungen. „Die sind in der EU nicht gleich“, sagt er und verweist darauf, dass von den 15 Euro in Deutschland die Beiträge für die Sozialabgaben wie Kranken– und Pflegeversicherung, für die Rente, die Steuern und selbst für die Berufsgenossenschaft bezahlt werden müssen. Und außerdem seien in Polen Pflanzenschutzmittel zugelassen, deren Einsatz in Deutschland nicht erlaubt sei.

Dass der Anbau des Lieblingsgemüses für kleine Betriebe immer mehr zum Risikogeschäft wird, hat Jürgen Giese schon länger erkannt. Perspektivisch setzt er auf den Ausbau der Haltung von Legehennen in mobilen Ställen. Die prekäre Situation schlägt in diesem Frühjahr auf seinem, einem der nur noch wenigen Niederbarnimer Spargelhöfe allerdings besonders durch. Werden sonst 13 Stecher und vier Sortierer beschäftigt, sind es in diesem Jahr lediglich vier Stecher und zwei Sortierer. 12,30 Euro erhält ein Stecher auf dem Spargelhof Giese und damit deutlich mehr als den Mindestlohn von unter zehn Euro. „Wir wollen ein familiäres Verhältnis, dann gibt es auch gute Arbeit“, erklärt er.

Ernte eingeschränkt

Auch bei der Einstellung der Saisonkräfte sorgt Corona für Unsicherheit. So hätten sich in diesem Jahr viele Deutsche für die Arbeit vorgestellt. „Doch wenn Corona vorbei ist, wer sticht dann?“, fragt Jürgen Giese. So verhandelt er auch wieder mit Bulgaren, die fest in Deutschland wohnen.

Von den sieben Hektar Spar–gelanbaufläche sind in diesem Jahr lediglich zweieinhalb Hektar „im Stich“. Das heißt, dreieinhalb Hektar werden nicht geerntet, bleiben aber für die kommenden Jahre erhalten. Spargel bringt über etwa zehn Jahre immer wieder Erträge.

Supermärkte und Discounter  aber sind für ein regionalen Betrieb kein Problem, denn: „Wir liefern tagesfrischen Spargel“, sagt Giese und fügt hinzu: „Das weiß unsere riesige Stammmkundschaft zu schätzen.“