Landwirtschaft
: Extreme Klimaauswüchse gefährden Ernte im Barnim

Nicht nur Hitzeperioden und ausbleibende Niederschläge belasten die Erträge. Auch Unwetter verursachen Ausfälle.
Von
Meta Reffert
Bernau
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Symbolfoto: Ole Spata

Ole Spata

Die aktuelle Wetterlage spricht dafür, dass sich das Hitze-Rekordjahr 2018 wiederholen wird. Mit Temperaturen von bis zu über 38 Grad und lange Zeit ausbleibenden Niederschlägen ist eine erneute Trockenheit zu befürchten. Wenn auch die Aussichten für die Landwirtschaft im Barnim alles andere als rosig sind, für eine endgültige Bilanz ist es noch zu früh, wie eine Befragung von Landwirten ergab.

Der Deutsche Wetterdienst befürchtet aufgrund des Klimawandels weitere Dürrephasen in den folgenden Jahren, sodass ein solcher Sommer wie im vergangenen Jahr durchaus immer wieder auftreten könnte. Das würde bedeuten, dass Landwirte in ganz Deutschland mit Missernten rechnen müssen beziehungsweise sich auf diese Situation einstellen müssen. Hitzeperioden sind dabei nur ein Faktor.

Schon jetzt spüren einige Landwirte die Folgen der bislang schwierigen Wetterverhältnisse.  so zum Beispiel Jürgen Giese vom Spargelhof Giese in Tempelfelde. „Die Spargelsaison verlief nicht so gut“, sagt er. „Wir hatten Anfang Mai sehr kaltes Wetter und der Spargel braucht eigentlich viel Wärme. Wegen der Kälte hatten wir 60 bis 70 Prozent Einbuße zu beklagen.“

Die Frage bleibt, ob dieses Jahr Landwirtschaftsbetriebe wieder bangen müssen, sollten die Trockenheit und Hitze weiterhin anhalten. Im vergangenen Jahr gefährdeten Ernteausfälle und Waldbrände nicht nur die Versorgung, sondern damit zugleich die Existenzen der Landwirte und Betriebe. „Den Ernteerfolg muss man differenziert betrachten“, äußert sich Babette Hübner, Inhaberin des „Hof Hübner“ in Danewitz. Beim Getreide sahen die Bestände vor der aktuellen Hitzeperiode insgesamt noch gut aus. „Beim Heu müssen wir sehen, wie es sich entwickelt“, erläutert sie. „Wir haben bereits den ersten Schnitt gemacht, aber sollte kein Regen mehr fallen, dann sind der zweite und dritte Schnitt natürlich fraglich.“ Bei der Bewertung der Kartoffel- beziehungsweise Gemüseernte rät sie zur Vorsicht. Es sei natürlich möglich, dass es eine Missernte geben wird. „Natürlich ist es schwierig, ohne Regen großartige Ernteerfolge zu erzielen – im vergangenen Jahr konnten wir nur 25 Prozent der Kartoffeln ernten“, erinnert Babette Hübner.

Prognosen stimmen nicht immer

Auch Jürgen Giese relativiert. Im Juni sei zunächst verhältnismäßig viel Regen gefallen, etwa 73 Liter pro Quadratmeter. Deshalb sahen die Bestände zunächst auch sehr gut aus.

Über die zwischenzeitliche Verringerung der Temperaturen waren die Landwirte froh. Temperaturen über 27 Grad gelten generell als nicht besonders hilfreich für Landwirtschaft. Das Gleiche gilt aber auch für ein anderes Extrem: Unwetter mit Starkregen. Dass sich diese Lage wieder beruhigt hat, wird auch für die Obst- und Gemüsebestände als gut eingeschätzt. Mit Blick auf die erwünschten „normalen“ Niederschläge sind aber auch regionale Unterschiede zu beachten. „Wir stellen immer die Frage, ob angekündigter Regen auch hier ankommt oder nicht“, sagt Babette Hübner.

Die Extreme sind es, die Jürgen Giese als Belastung ausmacht: „Ich würde nicht sagen, dass jetzt eine Dürre folgt. Wir haben extremes Wetter. Mal haben wir sehr viel Wind, mal sehr viel Regen und dann eben auch mal sehr viel Sonne.“

Im vergangenen Jahr spitzte sich die Situation so zu, dass nicht nur der Pflanzenanbau, sondern auch die Tierhaltung von der Trockenheit betroffen war. Futtermittel wurden so knapp. Die Situation spitzte sich so zu, dass das Land den Zukauf förderte.

Leichte Bödenprägen den Barnim

Der Barnim ist durch leichte Böden und geringe Jahresniederschläge gekennzeichnet. Trotz der widrigen Bedingungen bildet die Landwirtschaft eine wichtige Säule der Wirtschaft des Landkreises. Im vergangenen Jahr stiegen die Temperaturen auf ein Maximum an, die Jahresmitteltemperatur lag bei 10,5 Grad. Somit war 2018 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Niederschläge waren so gering, dass 2018 als das vierttrockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 gekürt wurde. In Deutschland fielen durchschnittlich 200 Liter weniger pro Quadratmeter als üblich.⇥mr