Am Mittwoch werden zudem Zucchinis, Gurken und Basilikum geerntet. Anschließend wird das frische Gemüse an Abholstationen in Bernau und Berlin ausgeliefert. Mit dem Spörgelhof in Lanke hat Diego Maronese 2014 eine Solidarische Landwirtschaft im Barnim aufgebaut. Unter Solidarischer Landwirtschaft, kurz Solawi, wird der Zusammenschluss eines landwirtschaftlichen Betriebs mit Privathaushalten verstanden. Die Haushalte tragen die Kosten der landwirtschaftlichen Erzeugung und erhalten im Gegenzug den Ernteertrag. Das Ergebnis ist eine nicht-industrielle und marktunabhängige Landwirtschaft, in der Verantwortung und Risiken geteilt werden. Das gute Gefühl, dass gewissenhaft mit Boden, Pflanzen, Tieren und Menschen umgegangen wird, gibt es gratis dazu.
Der Spörgelhof ist mit zwölf Mitgliedern gestartet. "Wir sind sehr langsam gewachsen", sagt Diego Maronese. Heute werden 90 Ernteanteile auf etwa einem Hektar Ackerfläche angebaut. Weil ein Großteil der Haushalte nur einen halben Ernteanteil bezieht, stecken hinter den 90 Ernteanteilen rund 130 Mitglieder. Die Mitgliedschaft dauert bis zum folgenden 30. April, dem Ende eines Wirtschaftsjahres. Das gibt Planungssicherheit. Regelmäßig finden Plenen statt. In der Regel ist jeden dritten Sonntag im Monat Mitmachtag auf dem Hof. "Unter den Mitgliedern sind viele Akademiker", erzählt Diego Maronese. Die meisten sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und leben innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings. Singles, Wohngemeinschaften, Paare und Familien werden durch den Spörgelhof versorgt.
Die Kosten je Ernteanteil belaufen sich durchschnittlich auf 84 Euro monatlich. "Der Preis ist selbstbestimmt", erklärt Alma Queck. Soll heißen: Mit 84 Euro je Ernteanteil rechnet der Solawi-Betrieb, um kostendeckend arbeiten zu können, doch es gibt Mitglieder, die weniger und wiederum andere, die mehr zahlen.
Nach Bernau wird einzig ein Ernteanteil ausgeliefert. Es ist der von Britta Heyne. Die Ergo- und Physiotherapeutin arbeitet in der Stadt und lebt in Schönfeld. Seit gut einem Jahr ist sie Teil der Solawi. "Ich bin total begeistert", sagt die 49-Jährige. "Ich bekomme frisch geerntetes Gemüse aus der Region." Die kurzen Wege, der kaum anfallende Müll: Das ist ihr wichtig. "Und es schmeckt sehr gut", fügt sie lachend an.
Von Mai bis Weihnachten werden die Mitglieder einmal wöchentlich mit Gemüse beliefert, von Januar bis April alle zwei Wochen. In der Kiste landet, was gerade Saison hat. Zuvor angekündigt wird der Inhalt nicht. "Man muss sich darauf einlassen und kreativ sein", sagt Britta Heyne. Das Wochenende verbringt sie mit der Verarbeitung der Zutaten. "Es ist nicht mehr Zeit, als erst einzukaufen und dann zu kochen." Mit dem Inhalt der Kiste kommt sie etwa eine Woche aus. "Ich finde es sehr gut, wenn Lebensmittel vor Ort produziert werden", betont sie.
Diego Maronese würde sich freuen, auch Lanker mit Gemüse zu versorgen. Eine kleine, regionale Wirtschaft im Umkreis von fünf, sechs Kilometern wäre ideal, findet der studierte Geologe. Dass das in naher Zukunft passiert, glaubt er nicht. Die Solidarische Landwirtschaft ist eine Nische. Und wird es, so glaubt der 38-Jährige, auch vorerst bleiben, "weil die Leute nicht danach suchen und weil die Politik kleine Betriebe nicht unterstützt." Fest steht: Der bundesweite Trend geht zu immer größeren Höfen.
Missionieren möchte der gebürtige Italiener auch gar nicht, und wenn, dann nur zur Regenerativen Landwirtschaft. Nach diesem Prinzip wird auf dem Spörgelhof gearbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit. Zu diesem Zweck hat die Gemeinschaft erst kürzlich 750 Bäume – Pappeln und Weiden – gepflanzt. Später sollen sie als Holzchips dem Boden zugeführt werden. Auch Tiere gehören für Diego Maronese langfristig dazu.

Info zur Solidarischen Landwirtschaft in Deutschland


Der Verein Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, dem sich auch der Spörgelhof angeschlossen hat, listet deutschlandweit 290 Solawi-Betriebe auf. 72 weitere Gemeinschaften sollen sich in Gründung befinden. Die meisten Solawi-Betriebe gibt es in Baden-Württemberg (50), gefolgt von Niedersachsen (46) und Bayern (40). In Brandenburg sind es immerhin 18 Gemeinschaften, drei davon im Barnim: der Spörgelhof in Wandlitz, die Wilde Gärtnerei in Rüdnitz und der Hof Schwalbennest in Chorin. Noch bis Ende des Jahres ist der Spörgelhof als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert, ab dem 1. Januar 2021 als Genossenschaft. Bei etwa 100 bis 110 Ernteanteilen soll Schluss sein mit dem Wachstum, so Gründungsmitglied Diego Maronese. lit