Mauerfall
: Eine Lesung über die Erinnerungen

Die Bernauerin Brigitte Albrecht liest in der Stadtbibliothek aus ihren Memoiren, und denkt zurück an den 9. November 1989.
Von
Amy Walker
Bernau
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Erinnerungen -gelesen

Paul Zinken/dpa

„Nichts in meinem Leben hat mich mehr verändert als der Mauerfall.“ So fasst Brigitte Albrecht in der Stadtbibliothek in Bernau ihre Erinnerungen an die Wendezeit zusammen. Im Rahmen der Lese– und Veranstaltungstage unter dem Motto „Erinnerung macht neugierig“ hat sie am Jubiläumstag aus ihrem Buch „Mauerw(a)ende“ vorgelesen. Darin beschreibt sie unter anderem, wie sie den November 1989 verbracht hat. „Am Abend des 9. November glaubte ich auf meinem Sofa, dass ich träume“, liest Brigitte Albrecht. Ihre ersten Eindrücke von Westberlin sind geprägt von den Menschenmassen: Die vollen Züge, die Schlangen, um das Begrüßungsgeld zu bekommen. Sie kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Neben ihren Memoiren beinhaltet das Buch Gedichte und kurze Texte der Autorin, in denen sie prägende Lebensmomente verarbeitet. Ein Gedicht über die DDR und den Mauerfall ist besonders rührend, bei der Lesung kämpft sie mit den Emotionen. „Meine Heimat gibt’s nicht mehr“ lautet das Gedicht. Darin fragt sie sich, ob sie sich selbst als Emigrantin, oder als Migrantin verstehen soll, denkt an die vielen Jahre zurück, in der sie sich als DDR–Bürgerin in der BRD neu erfinden musste.

Neben den oft emotionalen Erinnerungen erzählt Brigitte Albrecht auch von der Baumpflanzaktion, durch die rund 10 000 Zierkirschen nach Berlin und Brandenburg kamen. Japan schenkte 1990 der Stadt die Pflanzen, aus Freude über die Wiedervereinigung. „Es ist eben auch eine Wendegeschichte, wie aus einem grauen Todesstreifen ein rosa Band entstanden ist“, sagt Brigitte Albrecht über ihr Buch. Zweimal im Jahr blühen die Kirschbäume entlang der alten Grenze — eine Sonderzüchtung, die auch im Winter blüht, erklärt sie. Durch die Verflechtung der Sakura mit der Erinnerung verbindet sie das Schöne mit dem Unschönen. So, wie die Wendezeit für viele nun mal war.