Mendelssohn Bartholdy: Kantate als Höhepunkt bei „500 Jahre St. Marien“

Nach mehr als sechs Monaten Probe: Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Britta Euler führten Musiker der Komischen Oper Berlin, die Kantorei St. Marien und Solisten den "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy in Bernau auf.
Klaus KleinmannAlles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ Prächtig schallte es durch das weite Schiff der Bernauer Marienkirche, als am Sonntag der „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy ertönte. Der gesamte Raum füllte sich mit Klang und weitete die Herzen der Zuhörer und Musiker mit gehobener, festlicher Stimmung.
Licht des Glaubens
Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang“ ist ein Höhepunkt der Kirchenmusik. Nicht ohne Grund gehörte er schon zu Lebzeiten des Komponisten zu einem seiner populärsten Werke. Es handelt sich um eine „Sinfoniekantate“, die sich in zwei melodisch miteinander verflochtene Bereiche gliedert: Auf einen sinfonischen Teil, der etwa ein Drittel des Gesamtwerkes ausmacht, folgt der Kantatenteil, in dem der Text das Licht des Glaubens über die Macht der Finsternis siegen lässt. So entsteht eine weihevolle Stimmung, die von der Musik getragen wird.
Schon im ersten Teil zeigten die Musiker der Komischen Oper Berlin ihr professionelles Können und entfalteten, von Kirchenmusikdirektorin Britta Euler kraftvoll geführt, die ganze Bandbreite dieser festlichen, dynamischen Tonkunst. Die Kantorei St. Marien gesellte sich im Kantatenteil mit ihrem breiten Spektrum klanglicher Möglichkeiten dazu. Klar und eindrucksvoll schwebten die Stimmen über dem Orchester und hielten Zwiesprache mit ihm, wobei die Orgel machtvolle Akzente setzte.
Die Solisten übernahmen große Passagen des erzählenden Gesangs. Auch sie trugen ganz wesentlich zum Klangerlebnis bei. Das sehr zahlreich erschienene Publikum hatte allen Grund, begeistert zu sein, denn das musikalische Spektrum von Mendelssohn Bartholdys Werk wurde durch diese Aufführung zu einem wahren Feuerwerk der Impressionen.
Das Licht des Glaubens bricht an – das mögen vor 500 Jahren die Bauleute der Bernauer Marienkirche und viele nachfolgende Generationen auch empfunden haben. Diese vielhundertjährige Gemeindetätigkeit wurde den September über in einem Festmonat „500 Jahre Marienkirche“ feierlich begangen. Mendelssohn-Bartholdys „Lobgesang“ bildete den krönenden End- und Höhepunkt der Reihe.
Reichhaltige Ernte
Britta Euler berichtete, sie habe schon länger darüber nachgedacht, dieses Werk im Rahmen des Festmonats zur Aufführung zu bringen, anfangs aber großen Respekt vor dem Umfang des Projektes gehabt. Nun aber, nach mehr als sechsmonatiger Probezeit, sei es ein besonders erhebendes Gefühl, die Aufführung genießen zu dürfen. Es sei wie die Ernte, mit der die Früchte der Arbeit eingebracht werden können.
Die Textzeile „Nun danket alle Gott“ sei ein Grund gewesen, dieses Oeuvre auszuwählen, und Pfarrerin Konstanze Werstat erläuterte, es gebe in der Marienkirche genug Gründe, um dankbar zu sein. 500 Jahre lang habe die Kirche nun Bestand und sei mit Glück vom Bildersturm der Reformationszeit und von den Zerstörungen verschiedener Kriege verschont geblieben. Man wünscht, das möge noch lange so bleiben.